KIRCHE: Rettung naht

Friesacker Gotteshaus wird in diesem Jahr zur Baustelle und außen auf Vordermann gebracht

FRIESACK - Es ist ein Bild des Jammers: Der Putz an der Fassade der Friesacker Kirche bröckelt an allen Ecken und Enden. Da wo er noch notdürftig hält, bietet er kaum Schutz vor der Witterung. Große Teile der Ziegelmauern liegen bereits frei. Auch das Dach musste in der Vergangenheit immer wieder geflickt werden, weil Feuchtigkeit eindrang.

Doch es naht Rettung. "Wir wollen in diesem Jahr die Hülle der Kirche sanieren", kündigt Pfarrer Carsten Schmolke an. Fenster, Dach, Fassade und auch der Eingangsbereich an der Südseite werden einer Generalüberholung unterzogen.

Losgehen mit den Arbeiten soll es im Herbst. In Vorbereitung der Baumaßnahmen wurde bereits der dichte Bewuchs an der Südseite entfernt. Denn dieser war dafür verantwortlich, dass sich im Mauerwerk dahinter mit der Zeit immer mehr Feuchtigkeit ansammeln konnte. Jetzt hat die Fassade Gelegenheit auszutrocknen.

"Wir haben hier den glücklichen Fall, dass die Dachkonstruktion recht wenig geschädigt ist", sagt Planer Andreas Nisse. Die neuen Ziegel sollen geklammert werden, um zu verhindern, dass sie sich bei starkem Wind losreißen können. So war es nämlich in der zurückliegenden Zeit immer wieder mal geschehen. Durch die Sogwirkung des Windes insbesondere auf der Südseite klappten die Ziegel hoch, fielen auf den Boden.

Außerdem erhalten die Fensterrahmen neue Farbe und die teils verrosteten Windeisen, die die Bleiverglasung halten, werden repariert. Zudem wird der Südeingang völlig neu gestaltet, ein größeres Treppenpodest ist geplant. Und an der Ostseite soll das historische Treppengeländer aufgearbeitet werden. Welche Farbe die Fassade bekommt, steht noch nicht fest. "Auf jeden Fall wird es ins Stadtbild passen", verspricht Nisse. Ein Jahr nach Baubeginn sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Rund 227 000 Euro wird das Ganze kosten, 40 Prozent davon sind Städtebaufördermittel. Darüber hinaus steuern die Landeskirche und der Kirchenkreis Nauen-Rathenow erhebliche Summen bei, ebenso wie die Kirchengemeinde Friesack. Die Restsumme von 32 000 Euro wird über einen Kredit finanziert, wobei Schmolke hofft, die Summe mittels Spenden noch reduzieren zu können. So dienen seit längerem die Kollekten nur noch diesem Zweck.

Der Pfarrer ist froh, dass es endlich mit der Hüllensanierung klappt. Trotzdem kann er sich noch mehr vorstellen: "Es ist ein Traum, die Kirche in den alten Abmaßen und mit einem Turm wie damals wiedererstehen zu lassen", sagt Pfarrer Schmolke. Damals, das ist die Zeit vor dem 28. April 1945, als eine Bombe das Gotteshaus traf, das anschließend ausbrannte samt Altar und Gestühl. Als die Kirche 1955 wieder für Gottesdienste zur Verfügung stand, hatten sich die Proportionen stark verändert die ansehnliche Turmhaube war verschwunden, das Dach des Kirchenschiffes angehoben worden. "Die Kirche wirkte anschließend sehr gedrungen", sagt der Pfarrer.

Doch für solch gravierende Umbauten ist vorläufig kein Geld da. Wenn die Hüllensanierung abgeschlossen ist, muss sich die Kirchengemeinde Gedanken über eine Sanierung im Inneren des Gotteshauses machen. Denn um die Pfeiler herum hat sich der offenbar auf Bauschutt errichtete Fußboden abgesenkt, stellt eine Unfallquelle dar. Ein Projekt, dass ebenfalls nicht wenig kosten wird. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 23. Mai 2009

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