Woche der Entdeckungen

Forst Das Grabungsteam um Archäologe Jens Lipsdorf hat in dieser Woche gleich mehrere überraschende Funde auf der Forster Großbaustelle um die Stadtkirche St. Nikolai gemacht: Ein Relief und möglicherweise eine mittelalterliche Spundwand.

Wer kennt diesen "Mann"? 
Wer kennt diesen "Mann"? Das Ausgrabungsteam auf dem Forster Markt rätselt noch, wo das Relief, das vermutlich von einem Forster Haus aus dem 19. Jahrhundert stammt, einmal angebracht war. Hinweise bitte an die Lausitzer RUNDSCHAU, Albertstraße 1 d, red.forst@lr-online.de.
Foto: privat

Eine echte Sensation ist dem Grabungsteam auf dem nordwestlichen Markt geglückt: Weil der Baugrund möglicherweise zu weich für den künftigen Markt ist, könnte Boden abgetragen werden. Das Team entschied sich daher, vorher noch an einigen auffällige Holzpfosten tiefer zu graben mit Erfolg. Der Grabungsleiter zeigt auf ein dunkles Quadrat: "Das sind Spuren von Holzplanken", erklärt er. Auffällig an den rund 60 Zentimeter dicken und ein Meter hohen Holzpfosten daneben sei, dass sie kaum bearbeitet seien, so Lipsdorf. Es sei vermutlich eine technische mittelalterliche Anlage: "Vielleicht Spundwände. Dann ist Wasser im Spiel. So etwas habe ich bislang nur hier in Forst gefunden." An Erdschichten zu erkennen sind auch Baugruben. die zugespitzten Stammstücke sind demnach von Osten darin aufgestellt und mit Steinen verkeilt worden. Als Füllmaterial dienten unter anderem Scherben von hart gebrannter Grauware aus dem 11. Jahrhundert, aber auch Keramik aus dem 18. Jahrhundert.

Das weise darauf hin, dass Graf Brühl nach dem Stadtbrand von 1748 alles eingeebnet habe, so Lipsdorf.

Einblick in die Forster Stadtgeschichte 
Einblick in die Forster Stadtgeschichte soll der Ziegelsteinbrunnen im Nordwesten des Marktes bieten.
Foto: Frank Muscheid

Im Ziegelbrunnen im Nordwesten des Marktes zeugen Schlammablagerungen in der Tat von einem einst hohen Wasserspiegel. Grabungstechnikerin Doreen Dröher aus Pinnow ist dort am Donnerstag ein Relief eines bärtigen Männergesichts unter die Schaufel gekommen. Lipsdorf tippt darauf, dass es an einem Haus aus dem 19. Jahrhundert hing. Es war als Füllmaterial in dem einstigen Brunnen gelandet, der nach Angaben des Grabungsteams Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Eisenschiene abgedeckt und überbaut worden war. Zwei Meter ausgeschachtet und mit Gitter oder Plexiglas abgedeckt, soll der Brunnen künftig Fundstücke ausstellen und so historischen Einblick gewähren.

Die Gruftgrundrisse auf der Nordseite der Kirche sind jetzt freigelegt. Von der vermuteten ehemaligen Mauer eines Kirchenanbaus ist aber nichts zu sehen. Dennoch glaubt Lipsdorf, dass die Grüfte innerhalb der alten Kirche lagen. "Das würde erklären, warum wir weiter außen keine Grüfte gefunden haben. Es bleibt jedenfalls spannend", sagt er.

Von Frank Muscheid

Lausitzer Rundschau vom 15. Mai 2009

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