BAUPROJEKT: Am Montag kommt der Bauzaun

Dachsanierung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche beginnt

RATHENOW - Ab Montag wird das tägliche Treiben auf dem Kirchberg ganz andere Größenordnungen annehmen. Wie Pfarrer Andreas Buchholz in einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte, beginnen an diesem Tag die bauvorbereitenden Arbeiten für den nächsten großen Sanierungsabschnitt der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Zunächst wird der Bauzaun aufgestellt, der die Kirche fast komplett umschließen wird. Nur der Chorraum wird nach außen hin nicht abgesperrt. Etwas später werden in der Nähe des Turmes zwei Lastenaufzüge gebaut und kommt das Gerüst, das Seitenwände und Giebel erschließt.

Wie berichtet, sollen das Dach der Kirche und die vier Gewölbe des Hauptschiffes erneuert werden. Zum Decken werden rund 46 000 Ziegel des Typs Biberschwanz verwendet, die mit einer größeren Dicke von zwei Zentimetern deutlich schwerer als ihre derzeitigen, oft brüchigen Vorgänger sind. Wegen der größeren Gewichts der Ziegel muss auch der Dachstuhl ertüchtigt werden. Teilweise werden die hölzernen Streben verstärkt, teilweise werden zusätzliche Streben eingezogen. Nicht zuletzt werden die Gewölbe des Hauptschiffes neu eingemauert. Nur die Gewölbe in den beiden Seitenschiffen hatten die Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkrieges überstanden. Um die Gewölbe fachgerecht mauern zu können, wird in der Kirche zunächst ein Plateau von sechs Metern Höhe errichtet, auf das dann je nach Bedarf weitere Gerüste gestellt werden.

Wie Pfarrer Andreas Buchholz sagte, wird die Kirche wegen der Bauarbeiten nicht komplett geschlossen. Der Chorraum und das nördliche Seitenschiff sollen nutzbar bleiben. Für Sonntag, den 17. Mai, ist um 10 Uhr ein Gottesdienst zum Baubeginn geplant. "Wir laden alle Rathenower und die Beschäftigten der Baufirmen dazu ganz herzlich ein", sagt Pfarrer Buchholz. Als besondere Aktion sei für diesen Tag daran gedacht, dass alle, die es möchten, ihren Namenszug auf einen Mauerstein des Gewölbes schreiben können.

Es ist vorgesehen, dass alle Bauarbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Gewünscht wird, zum Weihnachtsfest den Gottesdienst wieder im Hauptschiff feiern zu können. Neu im Vergleich zum Wiederaufbau des Turmes wird diesmal sein, dass es während der Bauarbeiten öffentliche Baustellenbegehungen gibt. Ein Vertreter des beauftragten Architektenbüros Achim Krekeler aus der Stadt Brandenburg wird bei diesen Gelegenheiten den Interessierten die aktuellen Details des Projektes erläutern. (Von Bernd Geske)

Joachim Wilisch über den Wiederaufbau der Rathenower Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Himmel und Erde

Für Heinz-Walter Knackmuß, rühriger Vorsitzender des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, steht fest: Der liebe Gott hat kräftig mitgeholfen, als sich in Rathenow einige Mutige nach dem Kriegsende daran machten, die völlig zerstörte Kirche wieder herzustellen. Das war der Anfang, auf dem Kirchberg lagen fast alle Gebäude in Schutt und Asche. Auch wenn später ein Teil des Kirchturmes abgetragen werden musste und wenn aus dem ehemaligen Chorraum die Bäume gen Himmel wuchsen die Rathenower wollten ihre Stadtkirche zurück. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 ging es dann verhältnismäßig schnell. Zuerst wurde der Chorraum wieder errichtet und zwischen 1996 und 1998 wurden dort die neuen Kirchenfenster eingesetzt. Dann ging es an den Wiederaufbau des Turmes. An dem Tag, als die Spitze mit Hilfe eines Hubschraubers und eines Kranes aufgesetzt wurde, durfte man sich dem Himmel ein Stück näher fühlen. Und nun Dach sowie Kreuzgewölbe ja, es ist ein Wunder, dass dieser Wiederaufbau gelingt. Die Kraft einiger unermüdlicher Arbeiter an diesem Werk ist allerdings irdisch. Heinz-Walter Knackmuß und der Förderverein sowie alle Spender haben Rathenow ein Stück Kultur und alter Gestalt bewahrt.

Märkische Allgemeine vom 29. April 2009

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