Kanzeltafeln erstrahlen in neuem Glanz

Von Sabine Lau und Jürgen Löffler

Birkholzer Dorfkirche 

Birkholz Die Geschichte der Birkholzer Dorfkirche begann im Jahre 1266. Aus Feldsteinen und Granitquadern erbaut, schmückt sie den Dorfanger und ist das einzige Gebäude des Ortes, das unter Denkmalschutz steht. Kriege und Brände hat sie in ihrer wechselvollen Geschichte überstanden, bis 1972 der 42 Meter hohe klassizistische Turm gesprengt wurde.

Waren es nach dem "Visitationsprotokoll" von 1541 ein wertvoller Kelch und etliche Groschen aus der Kirchenkasse, welche Dieben zum Opfer fielen, so wurde nach der Turmsprengung die Birkholzer Kirche regelrecht ausgeweidet.

Es verschwanden unter anderem Kronleuchter, Altarbild, Tauftisch, die farbigen, bleiverglasten Fenster und die Fußbodenfliesen. Sogar die gesamte Einrichtung des Chorraumes und die Kanzel von 1681 mit ihren prächtigen Holzschnitzereien fanden Liebhaber.

20 Jahre blieben die traurigen Überreste der einst so stolzen Kirche sich selbst überlassen. Dann begann mit der finanziellen Unterstützung des Kirchlichen Bauamtes die Schuttberäumung, Sicherung der Ruine und Restaurierung der Wandmalerei. Seit dem 24. Dezember 1992 konnte so der Chorraum wieder genutzt werden.

Seither ist viel geschehen. Der Kirchengemeinde stehen, wenn auch noch eingeschränkt, Räumlichkeiten für das Gemeindeleben zur Verfügung. Die Kirche ist nicht nur markantes Wahrzeichen des Ortes, sondern auch Treffpunkt für alle Einwohner bei Konzerten und Ausstellungen.

Die Birkholzer versuchen aus eigener Kraft ihrer Kirche wieder ein Gesicht zu geben. Ein neuer Tauftisch, das mit Spenden restaurierte Kreuz, es war zu DDR-Zeiten bereits für die Buntmetallsammlung zersägt, aber von einer Familie heimlich in Sicherheit gebracht worden, zeugen davon.

Der im Jahre 2002 gegründete Förderverein Dorfkirche Birkholz zählt inzwischen 40 Mitglieder und hat sich zum Ziel gesetzt, für den Wiederaufbau des Kirchturmes Verbündete und Sponsoren zu suchen und verschollene Gegenstände aus der Kirche wieder zu finden.

Mut gemacht hat den Birkholzern ein glücklicher Zufall. Anfang 2004 wollte sich der Kirchliche Bauausschuss über die Tätigkeit des Fördervereins informieren. Dabei wurden auch alte Fotos aus dem Inneren der Kirche gezeigt. Plötzlich deutete der ehemalige Pfarrer von Blumberg, Rolf Bedorf auf eines der Bilder und sagte, dass ihm die Kanzeltafeln, die darauf abgebildet waren, bekannt vorkämen.

Tatsächlich, arg verstaubt und beschädigt, fanden sich drei der etwa 300 Jahre alten Kanzeltafeln in einem Abstellraum. Die Überraschung war groß. Die MOZ berichtete im Mai 2004 über den Fund.

Inzwischen konnten die Tafeln nicht nur vom Staub der Jahrhunderte gesäubert werden. Sie sind wieder instand gesetzt und repariert. Restaurator Mark Malinowski aus Wulften restaurierte sie fachgerecht und so schmücken sie nun wieder den Chorraum der Birkholzer Dorfkirche.

Möglich wurde das vor allem durch die großzügigen Spenden von der Sparkasse Barnim, der Fa. CEDONI Grundstücksgesellschaft mbH Potsdam und auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg half mit einer Geldspende. Der Förderverein Dorfkirche Birkholz sucht nun weiter nach verschwundenen Einrichtungsteilen und auch nach begeisterten Mitstreitern im Verein.

Der Verein lädt beispielswiese anlässlich eines Konzertes der Bernauer Musikschule, das am 20. Juni in der Dorfkirche stattfindet, nach Birkholz ein. Auch zum Dorffest, am 6. Juni, können bei einem Besuch nicht nur die wieder gefundenen Kanzeltafeln bewundert werden. Auch die Mitglieder des Fördervereins sind vor Ort. Sie geben gern Auskunft, zeigen das Innere der Kirche und erzählen die teils traurigen, aber auch skurrilen Geschichten aus der Chronik.

Märkische Oderzeitung vom 08. April 2009

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