Ausbau der Gubiner Kirchenruine als Symbol der Versöhnung

Seit vier Jahren bemühen sich Deutsche und Polen um den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Gubin. Jetzt liegt ein erstes Konzept für die Sanierung des im Krieg zerstörten Gotteshauses vor. Schwierig wird die Nutzung.

Der Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Gubin ist ein Projekt der Grenzregion 
Der Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Gubin ist ein Projekt der Grenzregion.
Foto: dpa

Für Bartlomiej Bartczak, Bürgermeister von Gubin, ist entscheidend, dass die richtigen Leute etwas anpacken. Diejenigen, die gerade zwischen Berlin und Warschau über Erika Steinbach und das Zentrum für Vertreibung gestritten haben, sollten mal nach Guben (Spree-Neiße) und Gubin kommen: "Hier können sie sehen, wie man so etwas richtig anpackt."

In der durch die Neiße und nach dem Zweiten Weltkrieg auch politisch geteilten Stadt wird seit 2005 von Bürgern ein gemeinsames Ziel verfolgt: Wiederaufbau der zerstörten Hauptkirche als deutsch-polnisches Begegnungszentrum. Die Ruine steht in Gubin neben dem alten Rathaus. Beide Gebäude markierten bis zum Frühjahr 1945 die Stadtmitte. Nun soll das sakrale Gemäuer zum Beispiel werden für das Zusammenwachsen der deutsch-polnischen Grenzregion. Versöhnung und Aufbruch, ohne die Vergangenheit zu verwischen, so der zentrale Gedanke des aus bürgerschaftlichem Engagement gewachsenen Vorhabens.

Stiftung und Förderverein

"Mit der Symbolkraft dieser Kirche werden die Menschen hier zueinander finden", hofft Günter Quiel vom Gubener Förderverein zum Wiederaufbau der Hauptkirche. Eine Gubiner Stiftung, als Gegenstück zum Förderverein, bündelt das Engagement auf polnischer Seite. Beide haben einen neuen Verbündeten, die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land in der Lausitz. Die hat ein Nutzungs- und Betreiberkonzept für den Kirchenbau in Auftrag gegeben. Am Dienstag wurde das Ergebnis im Gubiner Kulturhaus vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass noch viele Fragen offen sind. Das Konzept ist jedoch ein deutlicher Schritt nach vorn.

Frank Schwartze vom Planungsbüro insar consult stellte es in Gubin vor. Danach soll es zwei, vielleicht auch drei Stufen der Entwicklung geben. Noch in diesem Frühjahr soll in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Cottbus und Zielona Gora eine "Bauhütte", traditionell ein Werkstattverband für die Errichtung von Sakralbauten, gegründet werden. Im Herbst soll dann ein Antrag auf Fördermittel zur weiteren Instandsetzung des Kirchturms folgen. Als gemeinsames Projektentwicklungsbüro, getragen vom Gubener Förderverein und der Stadt Gubin, solle die Bauhütte wirken. Wichtig sei, so Schwartze, zunächst die Klärung statischer und konservatorischer Fragen, bevor über den Ausbau entschieden wird.

Das soll dann in einer zweiten Stufe geschehen. Dann müsse auch über die künftige Nutzung Klarheit bestehen. Schwartze machte dafür einen Vorschlag: Noch vorhandene Räume wie Seitenkapellen und Sakristei mit einem neuen Foyer ergänzen und das Kirchenschiff überdachen. Dieses Dach könne auch aus Textilsegmenten bestehen. "Wie das konkret aussehen kann, soll die Arbeit der Bauhütte klären", so der Planer. In drei Jahren könnte der Ausbau beginnen.

Seminare und Touristeninfo

Das benachbarte Gubiner Kulturhaus soll dann als Hauptnutzer in einen Teil der Kirchenräume ziehen. Seminar- und Übungsräume, Platz für Ausstellungen und eine Touristeninformation könnten untergebracht werden, so Schwartze. Doch der Planer benennt offen das größte Problem: "Rein ökonomisch betrachtet brauchen wir dieses Gebäude nicht." Es gebe in den Stadtteilen genug Veranstaltungsräume. "Die Kirchenruine ist aber ein besonderer Ort, und aus dieser Besonderheit kann die Nutzung wachsen." Später, so das Konzept, könnte in der Kirche auch ein Archiv für "verlorenes Kulturerbe" eingerichtet werden. Gemeinsam könnten Polen und Deutsche sich dort daran erinnern, was an Kultur in dieser Region durch Krieg und Vertreibung verloren ging.

Von Simone Wendler

Lausitzer Rundschau vom 18. März 2009

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