Warten auf den Startschuss

Von Susanna Hoke

Wriezen 

Wriezen (GMD) Noch ist der Wettbewerb für den Wiederaufbau der Wriezener Marienkirche nicht gestartet. Die fünf teilnehmenden Architekturbüros stehen aber schon fest - darunter auch eines aus Märkisch-Oderland. Derzeit wartet die evangelische Gemeinde noch auf den Förderbescheid von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) in Höhe von 400 000 Euro. "Wir streben einen frühzeitigen Baubeginn an, damit wir so schnell wie möglich mit den denkmalpflegerischen Arbeiten beginnen können", sagt Pfarrer Christian Moritz.

Eine Erneuerung der Marienkirche ist dringend notwendig. Seit mehr als 60 Jahren sind die Mauern des nach oben offenen ehemaligen Sakralraums der Witterung preisgegeben. "Auch wenn bereits mehrfache Mauerwerkssicherungen vorgenommen wurden, so gibt es immer wieder Anlass zur Besorgnis in diesen Bereichen", heißt es dazu in den Ausschreibungsunterlagen.

Wann der Architektenwettbewerb beginnt, steht noch nicht fest. Aber die Finanzierung ist mit 20 000 Euro von der Stadt sowie 45 000 Euro vom Kirchlichen Bauamt, dem Kirchenkreis, dem Förderverein und der Gemeinde gesichert. Teilnehmer sind das Architekturbüro Eriksson aus Stralsund, das Büro für Architektur und Denkmalpflege Westphal und Schlotter sowie Weinmiller Architekten aus Berlin, das Planungsbüro ALV (Architektur, Landschaftsplanung und Verkehrsplanung) aus Angermünde und das Planungsbüro Pro 3 aus Seelow.

Laut Ausschreibung dürfen die Bruttogesamtkosten die Summe von sechs Millionen Euro nicht überschreiten. Derzeit wartet man auf den Förderbescheid der B.B.S.M. Dort wurden 400 000 Euro für die Städtebauförderung beantragt. Ein Teil wird mit Stiftungsgeldern, Spenden und Eigenleistungen in Form von kleineren Arbeiten aufgebracht, sagt Pfarrer Christian Moritz. So will man mit dem Wriezener Kompetenzzentrum für Denkmalpflege, Restaurierung und Holztechnik zusammenarbeiten. Darüber hinaus können Unterstützer einen Quadratmeter Kirchendach für 99 Euro symbolisch erwerben. Mit der 2001 begonnenen Aktion hat der Förderverein mittlerweile rund 23 200 Euro gesammelt.

Die Wriezener Stadtpfarrkirche ist das älteste Bauwerk der Stadt. Das Feldsteinmauerwerk aus dem 13. Jahrhundert ist zum Teil noch erhalten. Bis ins 16. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert und umgebaut - so stammt der Turm aus dem Barock, die Südkapelle mit dem Gemeindesaal aus dem 15. Jahrhundert. Ursprünglich hieß sie "St. Nikolaus".

Im April 1945 wurde das Bauwerk zerstört - so wie fast die gesamte Altstadt. Seitdem dominiert die Ruine den Marktplatz. Im südlichen Seitenschiff wurde 1951 eine Notkirche eröffnet, die immer noch als Sakralraum dient. In den 1990er Jahren hat man den Turmschaft erneuert. "Nun ist es an der Zeit, den provisorischen Zustand zu überwinden", heißt es in der Ausschreibung. Künftig soll die Gemeinde wieder über einen angemessenen Sakralraum in der ehemaligen "Kathedrale des Oderbruchs" verfügen.

Erneuert wird die Kirche nicht nur für die rund 1200 Mitglieder starke evangelische Gemeinde im Pfarrsprengel Wriezen, Altwriezen und Mädewitz. Das Evangelische Johanniter-Gymnasium, dass über keine Aula verfügt, soll den Bau mitnutzen können. Auch die Stadt besitzt derzeit keinen größeren Veranstaltungsraum. Die Kirche im Stadtzentrum könnte "kulturellen Veranstaltungen einen würdigen Rahmen geben", heißt es in der Wettbewerbsaufgabe. Schon jetzt finden im Hauptschiff jährlich Konzerte statt, die der Gewerbeverein gemeinsam mit der Kirchgemeinde veranstaltet.

Das Bauwerk soll als "offene Kirche" vielfältig nutzbar sein und muss hohen Ansprüchen genügen: Neben dem Sakralraum für die Gottesdienste, die zu besonderen Anlässen von bis zu 250 Leuten besucht werden, sollen auch Räume für den Konfirmandenunterricht, die Jugendarbeit und Projektgruppen geschaffen werden. Für Gottesdienste, Theater, Konzerte, Lesungen und Vorträge muss der Raum eine gute Akustik haben. Darüber hinaus müssen die Wettbewerbsteilnehmer aber auch technische Details wie die Wärmedämmung in ihre Planung mit einbeziehen, damit langfristig Kosten gespart werden können.

Märkische Oderzeitung vom 16. März 2009

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