FREIZEIT: Verein bereitet sich jetzt auf die Frühlingspartie der Ignu im April vor

Mit Kino fördern Kemnitzer ihre Kirche

Um das Gotteshaus im Dorf zu sanieren, wurde 2006 der Verein "Alte Dorfkirche Kenmitz" gegründet. Kino- und Kulturveranstaltungen bringen Leben ins Dorf und Geld in die Kasse.

Von Gertraud Behrendt

KEMNITZ Einen lustigen Filmabend hatten die Kemnitzer wieder. "100 Plätze hat die Kirche, und 78 Karten haben wir verkauft, aber auch Glühwein und Kinderpunsch", sagt Steve Mertens über das vergangene Wochenende. Der Vorsitzende des Fördervereins "Alte Dorfkirche" freut sich über die positive Resonanz. 2006 wurde der Verein gegründet. Seither lädt er regelmäßig zum Kino in die Kirche ein, um Geld für die Sanierung zu sammeln.

Inzwischen sind rund 6500 Euro auf dem Vereinskonto. 120 000 Euro werden für das Dach und den Turm benötigt. "Das ist die Summe der ersten Kostenschätzung. Da müssen wir irgendwie hinkommen", sagt Steve Mertens. Der Denkmalschutz hätte nichts dagegen, "wenn wir innen schon was machen würden. Die Frauen drängen auf die Ästhetik und wünschen sich wenigstens frische Farbe. Doch das wäre rausgeschmissenes Geld", sagt er und zeigt die Spuren des Wassers, das durchs Dach an den Wänden herunterläuft.

Und weil erst das Dach erneuert werden muss, hat der Verein seine Angebote erweitert. Ute Ibell hatte 2008 eine Idee. Sie ist Mitglied im Förderverein und der Interessengemeinschaft Nuthe-Urstromtal (Ignu). Die Ignu lädt seit fünf Jahren zur Frühlingspartie ein. Da sind die Kirchenförderer am 19. April wieder mit von der Partie.

Diesmal soll die längste Tafel von Kemnitz rund um die Kirche entstehen. "Zusagen für 30 Stände haben wir bereits", sagt der Vereinschef. "Die Standmiete der Händler kommt in die Kasse für die Kirchensanierung. Der Verein wird drei bis vier Stände betreiben. Wir verkaufen Bratwurst, Bier, Gulasch und Cocktails zugunsten der Kirche." An den anderen Ständen soll es Filzarbeiten, Seidenblumen, Porzellan, Papierdesign, Mineralien und Trödel geben, aber auch Angebote einer Tanzschule aus Potsdam. Von den 52 Mitgliedern "sind höchstens 30 aus dem Dorf. Zwei Jäger aus Bayern sind Mitglied, die Tanzschule aus Potsdam und Firmen aus Ludwigsfelde. Ein Ludwigsfelder sponsert den Shuttle und bringt die Gäste vom Bahnhof auf die Dörfer", sagt Mertens.

Vom 10 bis 19 Uhr wünschen sich die Veranstalter am dritten Aprilsonntag Trubel um die Tafel. Nur wenn der Kaktus-Chor am Vormittag und am Nachmittag auftritt, sollte zugehört werden.

AUF EIN WORT

Gertraud Behrendt über das Vereinsziel, die Kemnitzer Kirche zu sanieren

Hut ab kann man da nur sagen. Der Verein "Alte Dorfkirche Kemnitz" besteht seit 2006. Er sammelt Geld, um das Gotteshaus zu sanieren. Rund 6500 Euro sind inzwischen auf dem Konto. Das ist mit dem Verkauf von Kinokarten, Speisen und Getränken kein schlechtes Ergebnis. Doch 120 000 Euro sind allein für den ersten Bauabschnitt zu berappen. Wer sich ausrechnet, wie lange das dauern könnte, wenn jedes Jahr mindestens der gleiche Betrag eingenommen wird, kommt auf entmutigende 55 Jahre. Dabei hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 2500 Euro rausgerückt, um das Engagement zu würdigen. Das passiert nicht gleich wieder.

So gehen die Vereinsmitglieder zum Glück nicht ran. Sie haben ein Ziel. Auf das arbeiten sie hin. Je länger sie das tun, desto mehr Anerkennung erhalten sie. Dadurch eröffnen sich wieder neue Möglichkeiten. Die Kirche in Mellnsdorf zum Beispiel war viel schlimmer dran. Auch dort folgten dem Förderverein andere Geldgeber.

Bestimmt wird auch für Kemnitz mal ein Förderpaket geschnürt. Kirche, Kreis, Kommune, Stiftung Denkmalschutz und weitere Finanziers sind ja noch anzuzapfen. Bis dahin gibt es weiterhin amüsante Kinoabende. Die dürften ganz nebenbei die Dorfgemeinschaft stärken.

Märkische Allgemeine vom 06. März 2009

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