"Kleine Schwester" bittet um Hilfe

Die Kirche von Märkisch-Wilmersdorf ist gefährdet

Die Kirche von Märkisch-Wilmersdorf ist gefährdet 
Pfarrer Stephan Michalsky bittet um Hilfe für den Erhalt der Kirche.
Foto: Wecker

Wilmersdorf. Mehr noch als jeder andere aus der 200-Seelen-Gemeinde Märkisch-Wilmersdorf hängt Ortsvorsteherin Sylvia Zimmermann an ihrer Kirche.

Sie wurde an dem aus dem Jahre 1660 stammenden Taufbecken getauft und auch am Altar der kleinen Kirche getraut.

Mit dem Taufbecken hat es eine besondere Bewandtnis: Darauf ist erstmals vermerkt, dass die Kirche in Wendisch-Wilmersdorf steht. Diese regionale Kennzeichnung erhielt Wilmersdorf in der Lausitz ebenso wie das märkische Wilmersdorf, das in "Deutsch-Wilmersdorf" umbenannt wurde, um Verwechslungen auszuschließen. Wendisch-Wilmersdorf kam dann zum Bistum Meißen und schließlich als Rittergut zu Zossen und wurde damit 1490 brandenburgisch. Die Nationalsozialisten nannten den auf dem Fläminger Wietstock gelegenen Ort 1937 in Märkisch-Wilmersdorf um, da Deutsch-Wilmersdorf in der Mark inzwischen zu Berlin gehörte.

Die Geschichte des Ortes ist aus der Einrichtung und dem Baukörper der Kirche ablesbar. Der steht auf Findlingen, die im 13. Jahrhundert zum Fundament der Kirche gefügt worden waren. Alles, was später errichtet wurde, hat nicht solchen Bestand. Das kann jeder Besucher sofort erkennen, denn gar zu auffällig bröckelt der Putz von der Fassade, der 1928 bei der letzten großen Renovierung der Kirche aufgebracht worden war. Der vor etwa 300 Jahren aufgesetzte Kirchturm war nie wasserdicht. Den letzten großen Wassereinbruch gab es 1997, danach wurde wenigstens die Standsicherheit des Gebäudes gewährleistet.

Die Kirche ist seit jeher stolzer Mittelpunkt und einziger Versammlungsort der Gemeinde. Heute macht sie solch einen erbärmlichen Eindruck, dass die Ortsvorsteherin und Pfarrer Stephan Michalsky am liebsten gar keine Besucher mehr ins Dorf und die Kirche einladen mögen. Dabei würde sich ein Ausflug ins schwesterliche Märkisch-Wilmersdorf lohnen, insbesondere wenn im Sommer die Kirche zu Konzerten und Lesungen einlädt. Von Ostern bis Erntedank ist die Kirche jedes Wochenende von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet, und eine Ausstellung, derzeit zur Geschichte der Kirche, ist dort immer zu sehen.

Schlimmste Vision des Pfarrers ist, dass, wenn nichts geschieht, in wenigen Jahren eine Ruine der zentrale Bezugspunkt des Ortes sein könnte. Der Pfarrer hat schon mal rechnen lassen, was es kosten würde, diese Katastrophe zu vermeiden: knapp 200 000 Euro. Fördermittel würde es geben, doch selbst mit dem Eigenanteil wäre die etwa 40 Mitglieder zählende Kirchgemeinde überfordert. Der 2005 gegründete Förderverein zum Erhalt der Dorfkirche wirbt mit vielfältigen Veranstaltungen Geld zum Erhalt der Kirche ein, aber es reicht nicht. Deshalb bittet jetzt der Verein um Hilfe in Wilmersdorf, bei seiner großen Schwester in Berlin. Wer sich angesprochen fühlt, der kann zugunsten folgenden Kontos spenden: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Kontonr.: 519 976 70 05 bei der Berliner Volksbank BLZ 100 900 00. Vermerk: Märk. Wilmersdorf.

FW

Berliner Woche vom 28. Januar 2009

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