Jeder Balken, der weg muss, schmerzt die Lebusaer

Zum vierten Mal an diesem Tag tuckert der Radlader mit seiner Last, die wiederum aus morschen Holzstücken besteht, die etwa 40 Meter lange Strecke von der Fachwerkruine vor zur Straße, wo dies alles auf den Lkw gekippt wird. Stiefelhohe Fahrspuren durchziehen den aufgeweichten Weg neben der Lebusaer Kirche. Für den Laien sieht es zunächst nach einem kompletten Abriss aus, doch Anita Rahe und Harry Widmer schütteln energisch die Köpfe: "Mindestens 50 Prozent der originalen Substanz sollen erhalten bleiben".

Lebusa Oberlaubenstall 

Die Notsicherung am historischen Oberlaubenstall in Lebusa hat begonnen, und damit ein kühnes Unterfangen, zu dessen Realisierung sich in den vergangenen Monaten mehr als zwanzig Personen zusammengefunden und den Förderverein Kultur- und Orgelzentrum Lebusa gegründet haben, darunter auch Anita Rahe und Harry Widmer. Sie haben hier gemeinsam mit anderen Mitstreitern Ende November Baufreiheit geschaffen.

Kaum vorstellbar, dass das stark geschädigte Gebäude nach den Plänen des Vereins und des beauftragten Architekten Onno Folkerts einmal eine Begegnungsstätte für die im Ort lebenden Menschen beherbergen soll, aber auch in Verbindung mit dem ebenfalls zur Sanierung geplanten Pfarrhaus für angehende Organisten als Ausbildungsstätte dienen könnte. Der Konzertbetrieb an der Silbermannkirche würde davon profitieren, denn es fehlen bislang u.a. ein Umkleide- und Aufenthaltsraum für die Musiker.

Hier und jetzt im nasskalten Winterwetter braucht es jedoch erst einmal exakte Fachkenntnis und schier intuitives Fingerspitzengefühl, um zu erkennen, welche Holzteile weiterverwendet werden können. "Jeder Balken, der weg muss, schmerzt uns. Deshalb haben wir bei der Ausschreibung großen Wert auf die Referenzen der Firmen gelegt, und ich denke, wir haben mit der ZBO Jessen eine gute Wahl getroffen", ist sich Architekt Onno Folkerts sicher. Durchschnittlich fünf Bauleute sind seit Anfang Dezember vor Ort: "Wir haben wirklich schon viel erlebt. Auch die Sanierung der Brauerei in Fürstlich-Drehna war eine arge Herausforderung, doch dieses Gebäude hier in Lebusa ist extrem. Ohne eine spezielle Rüstung wäre gar nichts zu machen", bekundet Klaus Schmidt, einer der ZBO-Bauleute. Diese wurde quasi durch das Gebäude hindurch gebaut, um den Dachstuhl abzufangen. "Das Gerüst ist gleichzeitig Notsicherung, und die soll dafür sorgen, dass Stürme dem Gebäude nicht noch mehr Schaden zufügen", erläutert Onno Folkerts.

Der Sturm "Kyrill" hatte in der Nacht vom 18./19. Januar 2007 dem historischen Gebäude fast den Todesstoß versetzt. Schon zuvor wäre Gefahr in Verzug gewesen, und jetzt sei es die allerletzte Chance, das wertvolle Baudenkmal zu retten. Obwohl augenscheinlich einige der alten Biberschwänze für die neue Dacheindeckung nicht mehr zu verwenden sind, ist sich Onno Folkerts sicher, dass man doch einen Großteil weiter nutzen kann. "Hier ist die Sachlage ebenso wie bei den Balken: Wir werden die alte Substanz, wo es notwendig wird, mit gut erhaltenen alten Bauteilen von anderswoher ergänzen." Der Zeitplan sieht vor, dass das frühere Erscheinungsbild in seiner äußeren Hülle bis Februar wieder hergestellt sein soll. Das Eigenkapital der Kirchengemeinde Lebusa und die bisherigen Fördergelder wären damit erst einmal aufgebraucht, doch haben Bund und Land für das nächstes Jahr 140 000 Euro in Aussicht gestellt.

Dass sich auch der Landkreis Elbe-Elster nachhaltig für das Lebusaer Vorhaben einsetzt und unterstützt, will Harry Widmer an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Von Gabi Zahn

Lausitzer Rundschau vom 30. Dezember 2008

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