Glanz in alter Schlosskirche in Lauchhammer

Es muss jemanden geben, der seine schützende Hand über die Schlosskirche in Lauchhammer-West hält. Sie hat Kriege überstanden, die Rekonstruktionsversuche zu DDR-Zeiten und vor fast zwei Jahren auch den verheerenden Sturm "Kyrill".

Lauchhammer 

Heute zeigt sich das mehr als zweieinhalb Jahrhunderte alte Gotteshaus fast komplett wieder in alter Schönheit. Die Lorbeeren gebühren der Stadt und dem speziell zum Erhalt der Schlosskirche gegründeten Förderverein unter der Leitung des Arztes und Abgeordneten Dr. Friedrich-Wilhelm Heßmer. Im nächsten Jahr soll das in hellen Farben strahlende historische Gemäuer feierlich wiedereröffnet werden. Trotz der Arbeiten fanden immer wieder Gottesdienste und Benefizveranstaltungen statt. Die Kirche gehört der Stadt und wird von der evangelischen Gemeinde genutzt.

Seit 2004 begleitet Jutta Nitzschner, eigentlich Sachbearbeiterin Sport in der Stadtverwaltung, die aufwendige Sanierung. Bislang seien etwa 350 000 Euro investiert worden – kommunale Gelder, Eigenmittel des Vereins, Spenden und natürlich Fördermittel.

Bei all der Freude hat die Baubegleiterin allerdings auch schon Stunden der Ungewissheit durchlebt – zum Beispiel als im Januar 2007 ein Tornado im Westen und Süden der Stadt Lauchhammer eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte. Der Schlosspark mit seinen riesigen Bäumen existierte praktisch nicht mehr. "Bei ,Kyrill’ standen mir die Tränen in den Augen. Doch wie durch ein Wunder blieb die Kirche verschont", erinnert sich Jutta Nitzschner.

Vorbereitet wurde die Sanierung im Jahre 2004 mit ausführlichen Gutachten. Ziel war und ist es, dem Originalzustand möglichst nahe zu kommen. Darüber wachen bis heute die Denkmalschützer des Landkreises, die das Vorhaben auch finanziell unterstützen, und das Architekturbüro "Planer aus der Pankemühle" aus Berlin mit der Architektin Bärbel Lamprecht. "Alle Arbeiten müssen mit großer Vorsicht ausgeführt werden, um den Altbestand nicht zu gefährden", sagt Jutta Nitzschner.

2005 sind zunächst Dachkonstruktion und Dach erneuert worden. Fortan jagte eine Überraschung die nächste. Die Anschlüsse der Gewölbebalken waren durch eingedrungene Nässe verfault und mussten herausgeschnitten werden. Zusätzlich wurden in die Decke Stahlträger eingezogen und die verschwundenen Gauben, vier auf jeder Kirchenschiffseite, wieder eingebaut.

Im Folgejahr wurde damit begonnen, das Gotteshaus trocken zu legen. Es erhielt eine Wandsockeltemperierung auf Erdwärmebasis. "Dadurch wird auch im Winter eine gleichbleibende Temperatur von acht Grad gewährleistet", so Jutta Nitzschner. Die Kirchenbesucher werden allerdings mit elektrischen Bankheizungen gewärmt.

Nachdem das Gebäude draußen baulich gesichert und saniert war, konnten die Arbeiten im Innern richtig beginnen. Jetzt ist zum Beispiel der Sandsteinfußboden wieder als solcher erkennbar. Noch ganz frisch ist die Farbe auf den Holzbauteilen von Empore, Altar und Sitzmobilar. Nach historischem Vorbild wurde ein "freundliches Beige" verwandt. Einzige Farbtupfer werden blaue Abschlussleisten auf den Bänken und die noch zu erneuernden Goldverzierungen sein.

Zuvor war jedoch die Decke freigelegt worden. Der bröckelnde Putz ist zu DDR-Zeiten lediglich mit Sprelacartplatten zugedeckt worden. Jetzt wurde alles bis auf die Schilfunterlage abgeklopft. Dabei wurden verfaulte Fensterstürze und gekappte Elektroanschlüsse sichtbar. Es folgten neuer Putz in zwei Lagen und zwei Anstriche auf der Basis zuvor genommener Farbproben.

Die Maler haben in diesen Tagen ihre Arbeit vollendet. Der ersten Veranstaltung am 22. Januar mit "Harmonic Brass" steht damit fast nichts mehr im Wege.

Vor dem Förderverein steht noch eine große Aufgabe: Er möchte eine Orgel einbauen. Kostenpunkt: bis zu 80 000 Euro. Vom alten Instrument existiert lediglich das Prospekt mit den Pfeifen.

Während die Schlosskirche in altem Glanz erstrahlt, sieht es in der Nachbarschaft düster aus. Das Kavaliershaus sei noch zu retten. Es befindet sich ebenso in privatem Besitz wie das verfallene Forsthaus und die abrissreife Orangerie. Getan hat der Eigentümer nichts.

Lausitzer Rundschau vom 29. Dezember 2008

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