BAUEN: Kirchenschiff wird trockengelegt

Die Rohrbecker wollen in den nächsten drei Jahren mehr als 200 000 Euro in ihr Gotteshaus stecken

ROHRBECK - Die Rohrbecker Dorfkirche (Havelland) ist ein wahres Sammelsurium an Stilen verschiedener Epochen. Die ältesten Mauern in der Sakristei sind etwa 700 Jahre alt, der Turm kam im 17. Jahrhundert dazu, der Altar stammt aus dem Barock, die Kanzel aus der Renaissance, die Orgel aus dem 19. Jahrhundert und das Alter des Taufengels ist völlig fraglich. Die vielen Spuren der Vergangenheit schaffen eine eigene Aura, sagt Elisabeth Fleisch. "Wenn man drin sitzt, kommt man sich vor, wie in einer anderen Zeit."

Besonders gut in Schuss ist das Gebäude aber nicht mehr. Jede sakrale Stimmung wird durch die Stockflecken getrübt, die sich über die Wände des Kirchenschiffs ziehen. Regenwasser ist ins Gemäuer eingesickert. Außen ist schon an vielen Stellen der Putz abgefallen, innen treten auch schon die Mauersteine zutage. Die Fenster rosten und vom Altar blättert die Farbe ab.

Elisabeth Fleisch, die im Gemeindekirchenrat für Baufragen zuständig ist, hat deshalb im vergangenen Jahr ein Mammutprogramm bewältigt. Sie hat einen Kirchenexperten nach Rohrbeck geholt, mit ihm eine mögliche Sanierung geplant, sich mit den zuständigen Behörden abgestimmt und sich um Förderanträge gekümmert. Inzwischen steht der Plan recht fest: Die Rohrbecker Kirche soll in drei Bauabschnitten saniert werden.

Die ersten beiden sollen in den kommenden zwei Jahren über die Bühne gehen und sich vor allem den Gebäudeschäden widmen. Ein großer, von einem Pilz befallener Balken im Turm wird saniert, die Mauern werden trocken gelegt und gegen Regenwasser geschützt, der Außenputz wird erneuert, die Fenster saniert, das Tonnendach ein Stück angehoben und am Schluss werden auch die Innenwände neu verputzt. Der dritte Bauabschnitt widmet sich dann der Einrichtung samt Altar und Kanzel freilich ganz vorsichtig, wie Elisabeth Fleisch betont. "Der Eindruck des Alters soll auf jeden Fall erhalten bleiben."

Ob die Sanierung 2011 abgeschlossen werden kann, sei aber schwer zu sagen. Bisher ist noch nicht einmal hundertprozentig sicher, dass sie wie vorgesehen beginnt.

An den 10 000 Euro, die die Kirchengemeinde pro Jahr selbst aufbringen muss, soll es nicht scheitern. Das Geld ist da, die Zahl der Mitglieder immerhin dank des Zuzuges in Neu-Döberitz in den letzten zehn Jahren von 235 auf 720 gestiegen. Von den anderen potenziellen Geldgebern hat aber bisher nur der Kirchenkreis 20 000 Euro für den ersten Bauabschnitt zugesagt. Vom Landkreis erhoffen sich die Rohrbecker weitere 20 000 Euro, vom Land 50 000 Euro pro Bauabschnitt. Die Entscheidungen darüber werden erst Anfang kommenden Jahres fallen.

Um die Rohrbecker und die Mitglieder der Kirchengemeinde auf die Sanierung vorzubereiten, veranstaltet der Gemeindekirchenrat einen Infoabend. Der federführende Bauingenieur Ingo Dreger wird die Pläne am 29. Januar in der Kirche vorstellen. (Von Oliver Fischer)

Märkische Allgemeine vom 18. Dezember 2008

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