Marienkirche unter der Lupe

Von Susanna Hoke

Hoch hinaus 
Hoch hinaus: Restauratorin Johanna Bethke lässt sich per Hebebühne zum Sims der Marienkirche fahren.
Foto: GMD/Susanna Hoke

Wriezen (GMD)Der Architekturwettbewerb für den Umbau der Wriezener Marienkirche startet nächstes Jahr. In der vergangenen Woche haben Architekturforscher die Bausubstanz untersucht, um die Ausschreibungskriterien entsprechend anzupassen.

Eine gelbe Hebebühne steht vor der Kirchenruine in der Friedrich-Fröbel-Straße. Gerade lässt sich die Restauratorin Johanna Bethke wieder nach unten transportieren. Oben am Gesims hat sie eine Farbgestaltung in rot und weiß entdeckt. Aus welchen Bauphasen die beiden Fassungen stammen, lässt sich noch nicht sagen. Auch ob es sich um ein Schriftband mit wiederkehrendem Motiv handelt, muss sie noch untersuchen.

Seit acht Jahren beschäftigt sich das Berliner Bauforschungsbüro Krauß von Olk mit denkmalgeschützten Gebäuden. Auch der Besuch in der Marienkirche ist nicht ihr erster. "Wir wollen die Baugeschichte etwas aufhellen", sagt der Architekturhistoriker Alexander Krauß. Die Architekten müssten wissen, wo sie Gestaltungsspielraum haben und wo sie auf keinen Fall "ran dürfen". "Man kann ins Mauerwerk nicht einfach neue Teile reinschlagen", sagt auch der Architekt Detlev von Olk. Die Bewerber hätten zwar viel Gestaltungsspielraum, müssten aber auch ein Gefühl für den historischen Bau bekommen. Bis Weihnachten ist ihr Bericht fertig und fließt in die Ausschreibung für den Architekturwettbewerb ein, der im Januar oder Februar starten soll.

Die gothische Kirche wurde im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen gemauert, noch ohne Turm. "Später, als die Stadt größer wurde, hat man sie immer wieder erweitert", sagt Pfarrer Christian Moritz. Mehrere Bauphasen seien erkennbar, so stamme der Turm aus dem Barock. Moritz hat die Bauforscher mit den Untersuchungen beauftragt.

Auch im Inneren der Ruine, an der Fassade über dem Gewölbe des Gemeindesaals, stellen die Experten zwei Farbfassungen fest. "Hier sieht man noch die Reste zweier Fensteröffnungen", erklärt der Architekt Detlev von Olk. Er erkennt, wo welche Bauphasen aneinanderstoßen oder wo die Feldsteine als Gestaltungsmittel in der Klinkersteinmauer eingesetzt wurden. Die Südkapelle mit dem Gemeindesaal sei erst im 15.Jahrhundert angebaut worden. Dies sei so üblich gewesen. "Zum Teil sieht man noch die Wartesteine, die quasi auf den Weiterbau warten", erklärt der Experte.

In den Feld- und Backsteinmauern müssen aufgrund von Kriegsschäden wohl einzelne Steine ausgewechselt werden. Auch die aufsteigende Feuchtigkeit macht dem Gemäuer zu schaffen. "Der gesamte Sockel ist im Erdreich verschwunden", so der Bauhistoriker. Ob man die Mauer noch extra verstärken muss, hänge aber davon ab, ob man ein schweres oder ein leichtes Dach - etwa aus Glas - darauf setzt oder sich für eine Teil­überdachung entscheidet.

65000 Euro kostet der Wettbewerb, die öffentlichen Gelder in Höhe von 20000 Euro sind allerdings noch nicht freigegeben. Der Rest stammt von Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche.

Die Ausführung des Entwurfs wird dann rund 4,5 Millionen Euro kosten, schätzt Pfarrer Christian Moritz. Geschaffen werden soll ein Raum für die Gottesdienste, der aber auch multifunktional sein soll.

Der vorhandene Sakralraum müsse beachtet werden, ein weiteres Kriterium sei die Wirtschaftlichkeit, so der Pfarrer. Er wird als Vertreter der Kirchengemeinde neben Vertretern von Kirchenkreis, Stadt, Förderverein und Denkmalpflege auch mit in der Jury sitzen.

Zu dem nichtöffentlichen Wettbewerb hatte man insgesamt 15 Architekturbüros aus Ostdeutschland eingeladen und anhand ihrer Bewerbungen fünf ausgewählt.

Märkische Oderzeitung vom 09. Dezember 2008

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