SANIERUNG: Ein kleines Wunder

Gläubige, Handwerker und Gäste freuen sich über Buchow-Karpzows Kirche

Buchow-Karpzows Kirche 

BUCHOW-KARPZOW - Ein schönes Bild bot sich gestern vor der frisch sanierten Kirche in Buchow-Karpzow. Zwei Zimmerleute empfingen in ihrer Arbeitskluft die aus allen Ecken des Ortes herbeiströmenden Gläubigen. Denn beim Festgottesdienst zur Restaurierung des evangelischen Gotteshauses sollte vor allem das Ergebnis ihrer Arbeit gewürdigt werden.

Bereits 2007 waren der Turm und die Glocke der Dorfkirche saniert worden. Gestern konnten Kirchengemeinde und viele Gäste die Wiederherstellung des Daches und der Außenfassade feiern. Die Kosten dafür bezifferte Bauingenieur Wolfgang Schwarz aus Treuenbrietzen auf 168 000 Euro. Das Geld stammt aus dem Staatskirchenvertrag, von der Landeskirche Berlin-Brandenburg, dem Kirchenkreis Falkensee, der Gemeinde Wustermark, dem Wasser- und Abwasserverband Havelland, dem Kirchbau- und Förderverein des Dorfes sowie vielen Einzelspendern. Mit dem Geld konnte nun das Fundament saniert, die Decke und Unterdecke von Chor und Kirchenschiff erneuert, die Fenster restauriert und das Dach samt Dachstuhl und Ziegeln überholt werden.

Die Zimmerleute des Holzverarbeitungsbetriebes "Oehnaland" aus Bochow bei Jüterbog erinnerten sich gestern an die Zeit, als das gesamte Kirchenschiff mit Gerüsten vollgestellt war. "Wir haben uns auf die Wiederherstellung alter Bausubstanz in Kirchen und Gutshäusern spezialisiert", erzählte Geschäftsführer Johannes Schmidt. Jeder Bau sei spannend und man wisse nie, was sich hinter den Wänden verberge. Für die Handwerker sei das aber viel aufregender als Eigenheime aufzubauen. Die fachlichen Anforderungen ans Handwerk seien allerdings sehr hoch. Gemeinsam mit dem Chef des Gemeindekirchenrates Harald Schöne trug Johannes Schmidt ein Gedicht von Rainer Maria Rilke vor. Darin heißt es treffend "Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff."

Pfarrerin Heike Benzin hielt eine eindrucksvolle Predigt. "Wunderschön, wie das Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlt", sagte sie. Die Buchow-Karpzower Kirche gerettet zu sehen, sei ein Wunder, das nicht jede Generation erleben könne. Der Start ins neue Kirchenjahr sei somit gelungen. Die Pfarrerin hofft, dass sich die Kirche auch jeden Sonntag füllt.

Für Wustermarks Bürgermeister Bernd Drees, der die weltliche Gemeinde vertrat, ist die Kirche im Dorf nicht nur ein Denkmal, sondern mit Konzerten und Lesungen auch ein Kulturort. Er ermutigte zur baldigen Sanierung des Innenraumes und versprach, in den Gemeindegremien dafür zu werben. Nach zwei Stunden im eisigen Gotteshaus stand eine Heizung bei den Besuchern ganz oben auf der Wunschliste. (Von Annett Lahn)

INTERVIEW: Der nächste Bauabschnitt

Der Chef des Gemeindekirchenrates von Buchow-Karpzow Harald Schöne weiß, wie es mit der Innensanierung weitergeht. Mit ihm sprach Annett Lahn.

MAZ: Von der Idee der Wiederherstellung der Kirche bis heute sind fast zehn Jahre vergangen. Wo sind Sie jetzt angekommen?

Harald Schöne: Die Startphase ist vorbei. Wir können nicht mehr umkehren. An diesem Punkt sollten wir alles dafür tun, dass wir im kommenden Jahr den dritten Bauabschnitt abschließen können.

Was heißt das konkret?

Schöne: Wenn sie den Innenraum unserer Kirche sehen, stellen sie fest, dass hier noch einiges getan werden muss. Die Sanierung wird nicht mit einem neuen Farbanstrich erledigt sein. Bänke und eine Heizung sind weitere Themen.

Wie soll das finanziert werden?

Schöne: Wir sind abhängig von weiteren Fördertöpfen und müssen Spender finden. Ich denke beispielsweise an Lottogelder und die Sparkassenförderung. Ich hoffe aber auch, dass uns die Gemeinde Wustermark hilft. (Von Annett Lahn)

Märkische Allgemeine vom 01. Dezember 2008

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