KIRCHE: Vor dem Wurm gerettet

Endspurt an der Weseramer Orgel vor der Wiedereinweihung

WESERAM - "Noch nie habe ich eine Orgel repariert, der so viele Originalteile fehlten und die so wurmstichig war", sagt Jörg Stegmüller. Seine Aufgabe war es, das arg lädierte Instrument komplett zu rekonstruieren. Das ist dem Orgelbaumeister nach vielen Monaten gelungen. Nachdem im Juni zunächst die Wiederbespielbarkeit auf zwei von acht Registern mit einem kleinen Konzert begangen wurde, steht nun das Ende der Gesamtsanierung bevor.

"Es war eine Herausforderung", meint Stegmüller, der natürlich dabei sein wird, wenn Kreiskantor Fred Litwinski am 29. November mit seinem Spiel der um 1880 von August Wäldner in Halle gebauten Orgel wieder wunderbare Töne entlocken wird. Zunächst jedoch hat der Orgelbaumeister noch alle Hände voll zu tun. Weil fast alle der über 300 Metallpfeifen verschwunden waren, musste Ersatz aus einer Zinn-Blei-Legierung angefertigt werden. Die neuen Pfeifen werden gerade eingebaut. Außerdem muss Stegmüller noch die so genannten Kondukten installieren. Das sind Zinkrohre, die Prospektpfeifen mit Wind versorgen, die nicht auf dem Windladen stehen.

Hilfe bekommt der Orgelbaumeister von einem Praktikanten, dem 15-jährigen Fridolin Kühn aus Saarmund. Der Gymnasiast hat bei den angefressenen Holzpfeifen so manches Wurmloch zugekittet und hilft dem Meister in Weseram beim Einbau. Seine berufliche Zukunft kann sich der Schüler sehr gut in der Holzberarbeitung oder im Instrumentenbau vorstellen. Den noch vorhandenen mechanischen Blasebalg muss künftig niemand mehr bedienen. Ein Motor erlaubt es, dass der Organist jetzt allein spielen kann. Überholt wurde auch die Klaviatur.

Zur Orgeleinweihung lädt der Förderverein Dorfkirche Weseram am 29. November um 14.30 Uhr ein. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 21. November 2008

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