BAUEN: Kirchdach e. V. macht das Dach dicht

Förderkreis beginnt mit neuem Sanierungsabschnitt am Radeweger Gotteshaus

RADEWEGE - Jörg Starick und seine Kollegen retten, was zu retten ist. Vorsichtig bergen die Dachdecker Ziegel für Ziegel vom Dach der Apsis. Was sich von den rund 300 Jahre alten Biberschwänzen wiederverwenden lässt, soll nach der Sanierung des kompletten Dachstuhls erneut seinen Zweck erfüllen. "Doch der historische Bestand wird wohl nur für ein Feld auf der Apsis reichen", schätzt Vorarbeiter Starick den Zustand der Ziegel ein. Einige zerfallen den Dachdeckern regelrecht unter den Händen. Andere Steine haben unterschiedliche Maße geflickt wurde schon immer.

Seit Montag ist die Radeweger Dorfkirche eine Baustelle. Zimmerer und Dachdecker der Firma Kühn aus Burg im Spreewald haben den Auftrag das Gotteshaus wieder wind- und regendicht zu machen. Weil dazu auch ein stabiler Dachstuhl gehört, werden marode Balkenköpfe erneuert und morsche Verbindungen ersetzt. Jeder Arbeitsschritt ist mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Nach dendrochronologischen Untersuchungen wird die aus Eiche und Kiefer bestehende Dachkonstruktion ins späte 15. Jahrhundert datiert. Das Ergebnis passt zur Bronzeglocke von 1462. Von diesen Meisterwerken spätmittelalterlicher Zimmermannskunst gibt es nicht mehr viele in Brandenburg.

"Zunächst werden sämtliche Ziegel entfernt, dann erfolgen die Zimmerarbeiten, bevor das Dach neu eingedeckt wird", erklärt Steffen Wilkening vom Förderkreis Kirchdach e. V. Seit 2000 bemüht sich der Verein um eine Rettung des Gotteshauses. Die Dachsanierung ist das bislang größte Projekt. An der Finanzierung beteiligen sich viele Spender. Auch die Erlöse der Brotback-Tage und Mitgliedsbeiträge fließen in die Sanierung ein. Geld gaben die Landeskirche, die Kirchengemeinde, der Landkreis und die Stiftung "Maßwerk" dazu. "Es ist eine Gemeinschaftsaktion, an der sich viele Menschen beteiligen", so Schatzmeister Jürgen Pinnig. Mehr als 30 000 Euro mussten aufgebracht werden. Schmücken werden das Kirchendach in wenigen Wochen 8000 rotbraune Biberschwanzziegel, die in einem polnischen Spezialbetrieb eigens für das Gotteshaus gebrannt wurden ebenfalls nach Vorgaben der Denkmalschützer. Die Steine ersetzen die in den 70er-Jahren für das Kirchenschiff verwendeten Ziegel. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Kirche mit einer Regenentwässerung versehen. Dachrinne und Fallrohre bestehen aus Zink. Ziel ist es, diesen Sanierungsabschnitt bis Weihnachten abzuschließen. "Heiligabend wollen wir unter einem neuen Dach begehen", wünscht sich Vereinsvorsitzender Wilkening. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 19. November 2008

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