Der Chorraum der Kirche Rietschen echter Hingucker

In der Evangelischen Kirche Rietschen sind am vorigen Freitag die Baugerüste gefallen. Die Restaurierung des Gotteshauses wird wegen der Winterpause unterbrochen. Gut zwei Drittel des Vorhabens sind geschafft.

Rietschen 

Nicht unter 15 Grad dürfe die Raumtemperatur fallen, ansonsten würde der Leim nicht halten. Das erklärt Udo Zange, der Vorsitzende des Fördervereins für die Bauaufgaben der evangelischen Kirchengemeinde, als sich die RUNDSCHAU über den Stand der Arbeiten vor Ort informiert. "Bei den Sprüchen für die beiden Wappen spielt die Temperatur aber keine Rolle. Da kann es auch kälter sein. Aber im Moment fehlt dafür das Geld", so Zange. Sprüche? Wappen? Mit diesen beiden Begriffen hat der Vereinsvorsitzende ein Thema berührt, das den Gemeindekirchenrat noch beschäftigen wird. Zwei Wappen der Preußische und der Schlesische Adler sind von den Restauratoren Frank-Michael Heidrich aus Reichenbach und Annett Kretschmar aus Görlitz bei den Arbeiten wiederentdeckt worden (die RUNDSCHAU berichtete).

Zu jedem der beiden Wappen gehöre laut Zange auch ein Spruch. Während der Wortlaut des Preußischen so freigelegt worden ist, dass der Text zumindest einigermaßen leserlich ist, steht diese Aufgabe dem Schlesischen Wappen noch bevor. Beide Sprüche sind im Wortlaut bekannt. Darin könnte für Udo Zange möglicherweise ein Problem liegen. "Wir müssen bedenken, dass unsere Kirche von 1914 bis 1916 also während des Ersten Weltkrieges erbaut worden ist. Das spiegelt sich auch im Inhalt der Sprüche wider. Darin heißt es beispielsweise, dass wir gegen Osten ziehen, für Sieg um Sieg . . . Ich weiß nicht, ob nicht Besucher unserer Kirche daran Anstoß nehmen. Wie wir hier verfahren, welche Variante in Frage kommt, darüber muss der Gemeindekirchenrat entscheiden", so der Rietschener.

Der im elektrischen Licht blitzende Chorraum mit dem Altar fällt dem Besucher sofort ins Auge, wenn er das Gotteshaus betrifft. Ein echter Hingucker und der wohl sichtbarste Beweis für die bisher erfolgreiche Restaurierung. "Die gesamte Wand- und Deckenmalerei ist hier voll sichtbar gemacht worden. Bitte mal auf auf das herrliche Teppichmuster achten, dass dort an der Seite wieder hergestellt worden ist", wirft Udo Zange ein, wobei ein Anflug von Schwärmerei in seinen Worten mitklingt.

Doch es wurde noch mehr geschafft. Der Vorsitzende des Kirchenbauvereins weist auf das zweite und dritte Segment des Deckengewölbes, das restauriert wurde. "Dort waren früher starke Wasserflecken zu sehen, die jetzt verschwunden sind. Die Farben kommen viel stärker zum Vorschein."

Zwei Drittel der Restaurierung sind Zange zufolge erledigt. Damit seien rund 58 000 Euro verbaut worden, wobei etwa 25 000 Euro durch das Land gefördert wurden. Die Rietschener selbst hätten rund 30 000 Euro an Eigenmitteln aufgebracht durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoren. "Etwa 30 000 Euro werden jetzt noch benötigt, damit die Arbeiten nach der Winterpause fortgeführt werden können", schaut Udo Zange schon voraus in das nächste Jahr. Damit gibt er das Signal, dass jeder Euro dringend benötigt werde.

Aus eigener Kraft sei jedoch diese Aufgabe finanziell nicht zu meistern. "Deshalb haben wir wiederum Förderanträge übrigens das vierte Jahr hintereinander bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung der Sparkasse Ost und der für Gesellschaft, Kultur und Sport der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien gestellt. Bisher hatten wir keinen Erfolg. Vielleicht klappt es diesmal", hofft Zange.

Von Ingolf Tschätsch

Der Förderverein als Motor

Spricht man über die Geschichte der Sanierung der Evangelischen Kirche Rietschen, dann muss unbedingt der Förderverein für die Bauaufgaben der evangelischen Kirchengemeinde genannt werden.

Udo Zange 

Er hat sich den Hut für das Ganze aufgesetzt, treibt seit Jahren das Vorhaben unermüdlich voran. Die Frauen und Männer um ihren Vorsitzenden Udo Zange haben erreicht, dass 2003 die Außensanierung des Gotteshauses abgeschlossen werden konnte. Zwei Jahre später konnten die Rietschener mit der Neugestaltung des Kirchenumfeldes einschließch des sowjetischen Ehrenmals einen weiteren Erfolg konstatieren. Ein Ausruhen danach gab es nicht, denn im Innern der Kirche musste es weitergehen. Jetzt sind dort zwei Drittel restauriert und schon wieder ist die nächste Hürde zu meistern das Geld ist verbraucht. Will heißen: Der Verein geht buchstäblich für jeden Euro Klinken putzen. Praktisch bedeutet dass, jede nur mögliche Förderquelle anzuzapfen. Das Rietschener Beispiel zeigt: Ohne Vereine wären wir arm dran, bleibe vieles in den Städten und Dörfern dem Selbstlauf überlassen.

Von Ingolf Tschätsch

Lausitzer Rundschau vom 13. November 2008

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