Von Neubau spricht keiner mehr

Von Stefan Lötsch

Dahmsdorf (MOZ) Die Kirche von Dahmsdorf muss dringend saniert werden. Als Kosten sind rund 260 000 Euro veranschlagt. Die Gemeinde hofft auf Fördermittel.

Es hätte auch alles ganz anders kommen können, und die Gemeinde in Dahmsdorf müsste sich heute gar nicht mit der Frage beschäftigen, wie sie das Geld für eine Kirchensanierung aufbringt. Denn Mitte des 19. Jahrhunderts gab es ganz andere Pläne. Schon damals berichtete der Pfarrer von Dahmsdorf von Problemen, die seinem heutigen Nachfolger wohlbekannt sind: Der Turm sei schief und baufällig, das Dach schadhaft. Sein Vorschlag: Das Gotteshaus soll komplett neu gebaut werden. "Der überaus mangelhafte und baufällige Zustand der alten Kirche lässt einen Umbau oder Erweiterungsbau derselben, welcher früher in Aussicht genommen, nicht mehr zu, sondern macht den Neubau zu einem dringenden Bedürfnis", heißt es in einem Schreiben von Prediger Hering aus dem Jahr 1868. Die Reichenwalder Ortschronistin Inge Schneider hat die Dokumente zusammengetragen und dazu im Landeshauptarchiv in Potsdam sowie im Gemeindekirchratsbuch Reichenwalde geforscht. Die Ergebnisse stellte sie kürzlich im Rahmen einer Kirchen-Führung vor.

Auch wenn die Bitten aus Dahmsdorf von Jahr zu Jahr dringlicher wurden, aus dem Kirchenneubau wurde nichts. Vielleicht lag es auch daran, dass Prediger Hering vorschlug, den Neubau gleich nach Wendisch Rietz zu verlegen, da es dort mehr Gemeindemitglieder gebe. In Dahmsdorf erntete er mit dem Vorschlag nur Ärger. "Wir lassen uns unter keinen Umständen die Verlegung der Kirche von hier nach Wendisch-Rietz gefallen", teilten die Dahmsdorfer 1871 mit.

Es ist auch besser so, dass aus den Neubauplänen nichts wurde. Denn heute verfügt Dahmsdorf mit der Feldsteinkirche über ein historisches Kleinod. Wann das Gotteshaus gebaut wurde, lässt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, so Ulrike Steinike vom Förderverein. Auffällig ist, dass die Feldsteine bearbeitet sind, was für die Zeit zwischen 1190 und 1250 spricht. "Damals hat man mit hohen Sachverstand gebaut", sagt Ulrike Steinike. Ziemlich sicher ist dagegen, dass das Gebäude ursprünglich länger war.Nun soll also die Sanierung in Angriff genommen werden. Pfarrer Sven Tiepner rechnet mit Kosten von 260 000 Euro. Das Wichtigste sei das Dach, danach die Fassade. Aber auch Innen gebe es noch viel zu tun. Tiepner hofft auf Fördermittel für die Maßnahmen.

Am Sonntag findet um 19 Uhr in der Dahmsdorfer Kirche ein Konzert statt. Es spielt das Blockflötentrio Amaryllies. Der Eintritt ist frei.

Märkische Oderzeitung vom 01. Oktober 2008

   Zur Artikelübersicht