Rote Biberschwänze für das Dach

von Thomas Bein

Glöwener Kirche 
Derzeit ist sie in Planen und Gerüste gehüllt - bis Ende November aber sollen die Arbeiten an der Außenhülle der Glöwener Kirche abgeschlossen sein.
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Glöwener Kirche
Pfarrer Kübler zeigt auf das rissige Mauerwerk.

GLÖWEN - Weiße Planen schützen zur Zeit das Dach der Glöwener Kirche. Wenn man genau hin schaut, sieht man, dass einige Balken bereits "in der Luft hängen" und nicht mehr auf dem Mauerwerk aufliegen. "Wir haben hier sehr umfangreichen Schwammbefall, so dass wir Mauerwerk und Teile der Dachkonstruktion erneuern müssen", sagt Pfarrer Hans-Dieter Kübler.

Die Sanierungsarbeiten an der Glöwener Kirche sind dringend nötig. "Vor Jahren sind wir in den Dachstuhl der Kirche geklettert und haben dabei die Schäden an der Dachkonstruktion entdeckt", so Kübler. Das ist fast fünf Jahre her. So lange hat es gedauert, bis die Kirchengemeinde das Geld für die Sanierung zusammen hatte.

Dabei kommen die Gelder aus vielen verschiedenen Töpfen: aus dem Bereich Denkmalschutz, der Sparkassenstiftung, von der Gemeinde Plattenburg, der Kirchengemeinde selbst, der Landeskirche Berlin-Brandenburg und zahlreichen anderen kirchlichen Stiftungen und Fördertöpfen. Insgesamt werden 220 000 Euro in die Sanierung gesteckt.

"Wir werden das Dach komplett neu eindecken mit roten Biberschwänzen, werden die Schäden durch den Schwammbefall beseitigen und die Kraftableitung der Dachkonstruktion über die Seitenwände wieder sicherstellen", erklärte Kübler. Er hoffe, dass die Arbeiten im Außenbereich im November abgeschlossen sein werden. Am vierten Advent sollen die Glöwener dann wieder in der Kirche zum weihnachtlichen Posaunenkonzert die Atmosphäre in der schlichten Hallenkirche genießen können.

Bis dahin wartet aber noch viel und aufwändige Arbeit, bestätigt Marcel Neumann vom Baudenkmalpflegeunternehmen Gottschalk aus Friesack. "Wir müssen in den nächsten Wochen das Holz gegen neuen Schwammbefall imprägnieren, dann eine Sperrschicht ins Mauerwerk einziehen. Anschließend werden die alten Formsteine in eine Speziallösung getaucht, bevor sie wieder eingesetzt werden. Auch der verwendete Mörtel wird mit einem Spezialmittel gegen Schwamm behandelt", sagt der Fachmann.

Das Problem an der Kirche in Glöwen sei, dass die Deckenkonst ruktion auf dem Mauerwerk auflag und die Decke die Dachkonstruktion tragen musste, schildert er. Durch das Verfaulen der Balken auflagen drückte die Last des Daches nun auf die Seitenwände, die zu den Seiten wegzusacken drohten. "Das haben wir jetzt alles gelöst, die Stabilität ist wieder hergestellt. Wenn wir mit den Arbeiten am Dach fertig sind, werden wir auch die Natursteine neu verfugen und die Risse im Mauerwerk beseitigen", sagt Neumann.

Noch nicht ganz sicher sei, wie die neue farbliche Gestaltung der Kirche im Innenraum finanziert werden soll und wie die Gestaltung aussehen könnte, sagt Kübler. Dies werde erst mit dem Gemeindekirchenrat beraten.

Der Prignitzer vom 27. September 2008

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