Holzwurm stiftet Einigkeit

Der Förderverein der Kirche in Hasenholz bekommt einen "Startkapital"-Preis

Der Förderkreis Alte Kirchen vergibt alljährlich einen Preis an neu gegründete Fördervereine, die ihre Kirche erhalten wollen. In diesem Jahr gingen 2.500 Euro als Startkapital an Guben, Heinsdorf, Kemnitz, Schönebeck und Hasenholz. In Hasenholz, einem Dorf in Märkisch Oderland zerfressen die Holzwürmer Bänke und Altar der Kirche

Von Andrea von Fournier.

Die Anfahrt ins Dorf kann man sich schöner kaum vorstellen. Über eine kopfsteingepflasterte Allee kommt man nach Hasenholz. Gepflegte Vierseithöfe, riesige Kastanien, Bauerngärten voller Blumen und in der Ortsmitte steht eine Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert. An der Tür und der bröckelnden Friedhofsmauer aus Findlingen wird gearbeitet, ein vor einem Jahr gegründeter Verein macht erste Sanierungen möglich. Kürzlich hat sich dieser Verein beim Förderkreis Alte Kirchen um die 2.500 Euro "Startkapital für Kirchen-Fördervereine"; beworben und gehört nun zu den fünf Preisträgern.

Im Gotteshaus von Hasenholz riecht es feucht. Das Kirchengestühl wirkt so, als sei es lange nicht mehr benutzt worden, denn ein feiner weißer Puder überzieht die dunklen Bänke. Auch die Holzpodeste, auf denen sie stehen, sind damit überzogen. Ratlos schüttelt Angelika Gathow den Kopf. "Das ist kein Staub, das ist das Sägemehl von unerwünschten Mietern", sagt sie. Die Kirchenälteste hat gemeinsam mit anderen Gemeindegliedern schon alles Mögliche versucht, um die Holzwürmer, die hier langsam aber stetig Bänke, Opferstock, Altar, Gebälk und die Orgel zersetzen, zu vertreiben. Essig und andere Reinigungslösungen haben sie aufgetragen, gescheuert, die Löcher zugeschmiert. Gerade hat Angelika Gathow am Kanzelboden eine Art Holzschutzmittel verstrichen. Heute kann sie dort tatsächlich noch keine verräterischen Späne entdecken. Doch viel Hoffnung hat die 56-jährige nicht. Außerdem ist trotz einiger vor wenigen Jahren erfolgten Mauerwerkstrockenlegung wieder Feuchtigkeit in den Wänden, keiner kann sich erklären, woher sie kommt.

Viel zu tun für die 64 davon 30 getauften Seelen des idyllischen Hasenholz, das 45 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt und zu Buckow, der "Perle der Märkischen Schweiz" gehört. Die Hasenholzer Kirche ist typisch für viele andere Brandenburger Kirchen: Sie hat Kriegsschäden, wurde in der DDR nur notdürftig repariert und instand gehalten und muss nun unter den heutigen Bedingungen erhalten werden. Landflucht, leere Kassen und Säkularisierung machen es schwer, die alten Gebäude zu erhalten. Doch die Menschen in Hasenholz wollen es versuchen.

Der Förderverein Evangelische Dorfkirche zu Hasenholz, dem Angelika Gathow vorsteht, hat den Holzwürmern den Kampf angesagt. Die Kirche soll Baudenkmal und kultureller Mittelpunkt des Ortes bleiben. Zum Konzept gehört auch, dass die Kirche nicht nur für die unregelmäßig stattfindenden Gottesdienste genutzt wird, sondern auch für andere Veranstaltungen.

"Diese immer wiederkehrenden Sägespäne haben uns gezeigt, dass wir es als Kirchengemeinde allein nicht schaffen", sagt sie. Nun kann sich jeder mit Ideen oder Geld einbringen; ob er zur Kirche gehört oder nicht, spielt keine Rolle. Dem Verein gehören 22 Mitglieder zwischen 35 und 80 Jahren aus Hasenholz, aber auch aus Prötzel und Berlin an.

Um die laufende Sanierung zu finanzieren, sammelt der Verein fleißig Spendengelder bei Festen und auf Märkten. Zusammen mit den Mitteln der Kirchengemeinde kann man die Finanzierung für das neue Portal und die wieder aufzurichtende Friedhofsmauer schultern. Und bald ist der Innenraum an der Reihe.

Schätzt der Förderkreis den Holzwurm in Hasenholz so dramatisch ein, dass der Förderverein Hasenholz für den Startkapital-Preis ausgewählt wurde? "Bei der Entscheidung ging es nicht darum, welche Gemeinde die baufälligste Kirche vorweisen kann", sagt Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen. Die Jury habe beeindruckt, wie viele Menschen in Hasenholz durch den Verein in Bewegung kamen und was sie bereits alles auf die Beine gestellt haben, um die Kirche auf dem Dorfanger zu erhalten. "Das verdient Respekt und Förderung."

Die Kirche vom 21. September 2008

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