Restauratorin gibt beim Denkmalstag Einblicke in ihre Arbeit

Kleine Forster Farbgeschichte

Rund 200 Besucher haben am Sonntag das Angebot des offenen Denkmals genutzt und sind in die Forster Stadtkirche St. Nikolai gekommen. Dort erhielten sie Einblicke in Grüfte und Ausblicke vom Turm, Erläuterungen zur Orgel und zum früheren Erscheinungsbild der St. Nikolai-Kirche.

Forst 
Restauratorin Eveline Waldmann gab beim Tag des offenen Denkmals Einblicke in die Fassaden-Geschichte der Forster Stadtkirche.
Foto: Gerd Kundisch

Während Jürgen Meissner die Grabstätten der Biebersteiner und des Grafen Heinrich von Brühl unter der Bonhoeffer-Kapelle erläuterte, führte Religionslehrerin Anett Lange Kinder durch die Kirche und erzählte ihnen mit der Kirchenmaus Niki alte Geschichten und Begebenheiten aus und um die Kirche. Helmut Lüdtke erläuterte und demonstrierte das Spiel der restaurierten Orgel.

Restauratorin Eveline Waldmann gab am Nachmittag Einblicke in die Erkenntnisse über Mauerwerk, Putz und Farbgestaltung, die sie vor und während der nun zu Ende gehenden Restaurierungsphase an der im Jahr 1516 eingeweihten spätgotischen Barockkirche gewonnen hat. Der früheste Außenputz ist ihr zufolge dem mittelalterlichen Baukern zuzuordnen. Die einst vorhandenen und später vermauerten gotischen Giebelfenster zeigen ein gleichmäßiges Fugenmörtelbild. In früherer Zeit seien die Fugen weiß nachgemalt worden, um ein ideales Fugenbild zu erhalten, erläuterte sie. Im Wesentlichen habe sich die Stadtkirche in den ersten zwei Jahrhunderten unverputzt gezeigt.

Veränderungen gab es nach dem Stadtbrand 1748, als die Kirche aufgebaut wurde und erstmalig einen mit Farbe versehenen Putz erhalten habe, schätzt Eveline Waldmann ein. Hinweise darauf seien während der Sanierung unter den Dachabdeckungen gefunden worden. Den einstigen ockerfarbenen Anstrich konnte sie mikroskopisch nachweisen. Auf der Leinwand präsentierte Eveline Waldmann den Besuchern weitere Kirchen, Schlösser und Gutshäuser, die mit der Forster Stadtkirche vergleichbar gewesen seien. Hierzu zählten die Marienkirche in Prenzlau sowie die Schlösser in Elsterwerda, Pförten (1720/27) und Nischwitz (1743).

Nach ihren Angaben wurde das Bauwerk außen im Jahr 1826 und innen und außen im Jahr 1879 neu verputzt. Sechs Jahre später, im Jahr 1885, habe die Kirche wiederum einen Anstrich erhalten. Nur sieben Jahre darauf seien wieder so starke Mängel aufgetreten, dass 1896 die Außenhaut erneuert werden musste.

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erfolgte ab dem Jahr 1953 der Wiederaufbau, jedoch ohne Turm, der erst im Jahr 1992 wieder vollendet wurde.

von Gerd Kundisch

Lausitzer Rundschau vom 16. September 2008

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