Die Kirche in Walddrehna

Einmaliger Turm auf zwee Beenen

Die Einwohner des kleinen 1000-Seelen-Dorfes Walddrehna im Landkreis Dahme-Spreewald sind stolz auf ihre Kirche. Und das mit Recht. Nach alten Schriften soll die Architektur des kleinen Gotteshauses einmalig sein. Der quadratische Turm auf zwei Säulen, dessen Unterbau durch hohe Spitzbogenarkaden aus Feldsteinmauerwerk errichtet ist, stellt eine Art Vorhalle dar Historikern zufolge ein Hinweis darauf, dass das Haus früher eine Pilgerkirche war.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts machte in der Region rund um Walddrehna der Spruch "In Murkel hat der Kirchturm zwee Beene" die Runde. Murkel habe damals für Morchel gestanden, eine typische Pilzart für die Ecke, erklärt Hobby-Heimatforscher Thomas Krause (26). Und mit den "zwee Beenen" seien die Säulen der Vorhalle der Kirche gemeint gewesen. "Das Haus ist architektonisch einmalig", ist sich der junge Architekturstudent in Berlin, der auch Mitglied im Förderkreis "Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" ist und aus reinem heimatgeschichtlichen Interesse viele Dokumente gewälzt hat, sicher.

Belegt ist die Besonderheit des Walddrehnaer Turmes, der durch einen aus Backsteinmauerwerk errichteten kegelförmigen Helm gekrönt wird, auch in einem "Reiseführer Niederlausitz" aus dem Jahr 1933. Die durch die Säulen entstandene Vorhalle sei ein typisches Merkmal für Pilgerkirchen gewesen, so Thomas Krause. Zwei Glocken schlagen im Turm. Die ältere wurde 1708 in Dresden von Michael Weinhold gegossen.

Walddrehna 
Der markante Turm mit der Vorhalle machen die kleine Kirche in Walddrehna zu einer architektonischen Besonderheit. Das bestätigt neben alten Schriften auch die historische Bauaufnahme des Heimatforschers und Architekturstudenten Thomas Krause.
Foto: Dietmar Seidel

Die Geschichte der Kirche, die noch immer genutzt wird und jedes Jahr zu den Weihnachtsfeiertagen aus allen Nähten platzt, geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Nach einer teilweisen Zerstörung in den Hussitenkriegen um 1430 wurde die Kirche wieder aufgebaut und der Turm sowie die Apsis angefügt. Die halbrunde Altar-Nische wurde mit einer Schweifhaube überdacht, die Fenster und Türöffnungen spitzbogig umgeformt.

Ein Zeugnis des mittelalterlichen Brauchtums sind heute noch sichtbare Näpfchen eine Art kleine Löcher an den Südost- und Südwestecken des Gotteshauses. "Als Glücksbringer wurden damals Teile aus den Steinen abgekratzt und um den Hals oder in Säckchen getragen. Manchmal wurden sie auch mit in das Essen gegeben, um vor Bösem zu schützen", erzählt Thomas Krause.

Bei genauerem Hinschauen sind noch heute am Turm sowie an der Apsis Reste von roter Fugenbemalung zu sehen, mit der zu Beginn des 16. Jahrhunderts Sandsteinmauerwerk imitiert und der Bau somit aufgewertet werden sollte. "Bei den roten Linien über dem Hauptportal handelt es sich dagegen um ein aufgemaltes Maßwerk, das die Form eines Rosettenfensters mit einem Durchmesser von 1,5 Metern hatte", erklärt Thomas Krause, der an einer historischen Bauaufnahme seiner Heimatkirche arbeitet.

So architektonisch interessant der Bau des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ist, umso schlichter ist die Gestaltung des Innenraumes. Der barocke Bretteraltar stammt aus dem späteren 17. Jahrhundert und ist mit aufwändigen Jesus-Zeichnungen farbig verziert. Aus der gleichen Zeit datiert die Kanzel im Kirchenschiff, die wohl eine Stiftung einer Dorfbewohnerin war, da der Bilderzyklus den Weg einer Frau von der Leichenfeier bis zum Jüngsten Gericht darstellt. Alle Zeichnungen wurden im 19. Jahrhundert erneuert und 2004 restauriert. Ein weiterer Hinweis auf die "Pilgerstätte Walddrehna" sei die vom Ende des 15. Jahrhunderts stammende und erneuerte Holzfigur Jacobus des Älteren, erkennbar an der Jacobsmuschel am Pilgerhut, erklärt Thomas Krause.

Neben dem wohl ebenfalls von einem Dorfbewohner Anfang des 19. Jahrhunderts gespendeten Taufengel zählt die restaurierte Uibe-Orgel, Baujahr 1888, zu der schlichten Einrichtung der Kirche. "Die Orgel hat einen guten Klang, nur leider wird sie kaum mehr gespielt, da niemand im Dorf es kann. Meist singen wir daher ohne Musik", bedauert Siegfried Blichmann, Gemeindekirchenrat aus Walddrehna. In diesen Tagen erst werden eine Taufe und eine Trauung in dem ältesten noch erhaltenen Gebäude des Ortes gefeiert.

Dass die Walddrehnaer ihre kleine Kirche mögen, zeigen auch die immer wieder großzügigen Spenden von Einwohnern nach den Gottesdiensten, sagt Blichmann. Dennoch Thomas Krause findet das Gotteshaus so wie es jetzt mitten im Ort steht unvollständig. "Der Turmknauf wurde bis zum Zweiten Weltkrieg von einer Kugel gekrönt, wie man alten Zeichnungen entnehmen kann. So eine Kugel hätte ich gerne wieder auf der Spitze."

Besichtigung

Öffnungszeiten gibt es für die Walddrehnaer Kirche nicht. Besucher können sich den Schlüssel aber bei Familie Terno, Hauptstraße 24, Tel. 035455 747 abholen. Um telefonische Voranmeldung wird gebeten.

Kornelia Noack

Lausitzer Rundschau vom 25. August 2008

   Zur Artikelübersicht