Turmsanierung in Petershagen

Petershagen (GMD) Wegen Baufälligkeit dürfen die Glocken im Petershagener Kirchturm schon seit Jahren nicht mehr geläutet werden. Aber nicht nur der Glockenstuhl ist in schlechtem Zustand, sondern auch das Dach und Teile des Mauerwerks. Nach langer Vorbereitungszeit wird jetzt mit der Sanierung begonnen, durch die auch das markante Storchennest auf der Kirchturmspitze entfernt wird.

Von Uwe Stiehler

Petershagen 

Der Turm der Petershagener Kirche ist bereits eingerüstet bis zur Spitze. "Eigentlich sollten die Sanierungsarbeiten schon im Gange sein", sagt Pfarrer Gottfried Hemmerling. "Aber die Zimmerleute warten noch auf das bestellte Holz."

Seit langem hat die Kirchgemeinde auf das Projekt hingearbeitet. Denn dass der Turm unbedingt repariert werden muss, war schon vor Jahren absehbar. Seit 1998 dürfen die Petershagener Glocken aus Sicherheitsgründen nicht mehr geläutet werden, weil der Glockenstuhl so marode ist. Im Turm breitet sich ein Schwamm aus. Das Dach und Teile des Gebälks waren dringend zu erneuern und schließlich wurde das Storchennest auf der Kirchturmspitze immer mehr zu einem Sicherheitsrisiko.

Um die Schäden zu beseitigen, hatte das in Dallwitz-Hoppegarten ansässige Büro für Bautechnik und Sanierungsplanung bereits 2006 ein Sanierungskonzept vorgelegt. Das Büro hat sich unter anderem auf kirchliche Bauten spezialisiert.

Auf Grundlage dieser Planung wird nun wird damit begonnen, den Turm von oben nach unten zu sanieren, wie Gottfried Hemmerling sagt. Als erstes muss dafür das Storchennest entfernt werden. Seit drei Jahren, erklärt der Pfarrer, sei es verwaist und drohe aber zusehends, auf das bereits sanierte Dach des Kirchenschiffes zu stürzen. Das Nest wiegt mehrere Zentner und stellt damit nicht nur eine Gefahr für das Kirchengebäude, sondern auch für Menschen dar. "Es ist wie Beton", sagt Hemmerling. Storchenschützer kann der Pfarrer beruhigen, denn die Kirche wird zusammen mit der Edis für Ersatz sorgen. Die Petershagener Ortsbürgermeisterin Elke Apelt hatte zusammen mit Lothar Neumann bei dem Unternehmen vorgesprochen und das erklärte sich bereit, einen Masten zu sponsern, der als Nestbauplatz für Störche in der Nähe des Kirchengebäudes aufgestellt wird.

Ist das Nest entfernt, werden die Dachhaube und das Kirchendach saniert. Die Haube bekommt dabei ihr altes Aussehen zurück. Auch der Glockenstuhl wird wieder in Ordnung gebracht und schadhafte Stellen am Mauerwerk werden ausgebessert.

Rund 140 000 Euro kostet die Sanierung, sagt Hemmerling. Ein Teil kann die Kirchgemeinde selbst finanzieren. Das Gros aber kommt vom Kirchen- und vom Landkreis, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von der Landeskirche, der Kommune und aus dem Staat-Kirche-Vertrag. Die Sparkasse Märkisch-Oderland hatte im Vorfeld die Planung mitfinanziert und geholfen, dieses Kleinod aus dem 13. Jahrhundert zu erhalten.

Die Kirche in Petershagen gehört zu den wenigen in der Region, die von Kriegs- und Nachkriegsschäden weitgehend verschont blieben. Selbst die Innenausstattung blieb erhalten. Dazu gehört die alte Patronatsloge, die in Petershagen hinter den Altar gebaut wurde und der sich auch die Kanzel zuwendet. Die Pfarrer hatten früher beim Predigen ihrer Gemeinde also immer den Rücken zukehren müssen. "Ich kann die Kanzel deshalb nicht benutzen", sagt Hemmerling. Er rechnet damit, dass die Bauarbeiten an dem Turm im November angeschlossen sind und das dann auch wieder Glockengeläut in Petershagen zu hören ist.

Märkische Oderzeitung vom 21. August 2008

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