BAUEN: Die Verwandlung hat begonnen

Die Kirche in Glienicke bekommt ihren "Spitzhelm" wieder und wird komplett saniert

GLIENICKE - Wenn das Karl Friedrich Schinkel noch erleben könnte: Die kleine Kirche in Glienicke wird schon bald wieder genauso aussehen, wie sie sich der preußische Baumeister 1814 vorgestellt und von seinem Wittstocker Bauinspektor Buchholz eingefordert hatte. Das heißt, sie bekommt ihr einst so markantes Merkmal zurück: ein Pyramidendach mit sogenannter Laterne einem Turmaufsatz aus Holz. Dadurch wird die Kirche auf eine Höhe von 23 Metern kommen. Bisher waren es nur etwa zwölf Meter. Auch sonst wird sie buchstäblich runderneuert samt Außenfassade und Fenster. Das Nebengebäude macht da keine Ausnahme. In dem kleinen Häuschen entstehen eine Teeküche und eine behindertengerechte Toilette.

Insgesamt 265 000 Euro werden in das Bauprojekt gesteckt. 25 000 Euro gab die Sparkasse OPR; 10 000 Euro kamen über den Denkmalfonds des Landkreises; 10 000 Euro von der Gemeinde Heiligengrabe; 35 000 Euro von der Kirchengemeinde und 20 000 Euro vom Amt für Arbeitsmarkt speziell als ABM-Leistung für den Ausbau des Nebengebäudes. Hinzu kommen Eigenmittel des Fördervereins Dorfkirche Glienicke, der 2007 mit dem 1000 Euro dotierten Schinkelpreis ausgezeichnet wurde, aber auch durch kulturelle Veranstaltungen und Spenden zusätzliche Mittel einnahm. Den Löwenanteil aber machten EU-Fördermittel aus, die über das Amt für Flurneuordnung Landwirtschaft und Verbraucherschutz zur Verfügung gestellt wurden: 162 000 Euro. "Auf diese Mittel haben wir bereits seit 2004 gewartet", sagt Architektin Bärbel Kannenberg, die das Projekt entwickelt hat. Dass es so lange dauerte, habe wohl auch daran gelegen, dass ab 2008 eine neue EU-Förderperiode anlief, weswegen allerhand zusätzliche Abstimmungen nötig waren.

Dafür muss nun umso schneller gebaut werden. Die Fördermittel seien erst Mitte Juni freigegeben worden, so dass die Arbeiten auch erst dann ausgeschrieben werden konnten. Dennoch müssen die Fördermittel noch dieses Jahr verbaut werden. Das heißt, zunächst werden 200 000 Euro in Dach und Fassade investiert. Der Rest wird für Innenarbeiten ausgegeben. Bereits Ende September/Anfang Oktober sei das Richtfest geplant, so Bärbel Kannenberg. Etwa im Juni 2009 soll alles fertig sein. "Der Zeitplan ist unser größtes Problem", sagt sie.

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung bei diesem Vorhaben. Auch ein Großteil der Arbeiten selbst ist höchst anspruchsvoll. Die Decke besteht aus einem inneren und einem äußeren Bereich. Während der innere nahezu unberührt bleibt, werden die stark beschädigten Balken des äußeren Ringes ausgetauscht. "Auf die vorhandene Decke wird eine neue Decke aufgesetzt, die die Dachkonstruktion trägt", sagt Bärbel Kannenberg. Die verbleibende alte Decke "trägt dann nur noch sich selbst". Der hölzerne Turmaufbau soll am Boden fertig gestellt und dann in einem Stück aufgesetzt werden. Für den sogenannten Spitzhelm sei extra ein Spezialist aus Potsdam engagiert worden.

Die verblüffende Ähnlichkeit der jetzigen Baupläne mit denen Schinkels sind kein Zufall. Die Kirche soll ihr ursprüngliches Antlitz wiedererhalten. Dafür hatten sich die Glienicker bereits im Jahr 2004 entschieden. Damals hatte noch eine weitere Variante mit einer etwas bescheideneren Dachkonstruktion zur Wahl gestanden.

Doch bescheiden kam die unscheinbare Kirche mit ihrem Notdach aus den 70er-Jahren lange genug daher, fanden die Glienicker. Wer die Sanierung finanziell unterstützen möchte, kann für zehn Euro pro Stück Holzschindeln kaufen, wie sie auf dem Turm verwendet werden.

Wer Interesse daran hat, kann sich an Ingrid Blüschke, die Vorsitzende des Fördervereins für die Glienicker Kirche, wenden ( 03394/44 36 52). (Von Björn Wagener)

Märkische Allgemeine vom 21. August 2008

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