Alte Billigwand neu hintermauert

Von Anett Zimmermann

Ein etwa drei Tonnen schweres Teil des alten Dachstuhls 
Darf bleiben: Ein etwa drei Tonnen schweres Teil des alten Dachstuhls. Die mehr als 100 Jahre alte Gesamtkonstruktion war für die Stadtkirche nicht ausreichend ausgelegt und an den Traufkanten bereits vom Schwamm befallen.

Altlandsberg (MOZ) Die Turmuhr schlug gestern 16 Uhr, als Pfarrer Johannes Me­nard das Gebet zum Richtfest an der Stadtkirche Altlandsberg sprach und um weiteren Schutz bat. Denn: Bisher ist nur die Hälfte der Außenhüllensanierung geschafft. Die Arbeiten liegen jedoch im Plan.

Dafür gab es an diesem Nachmittag eine ungeplante Verzögerung. Teilnehmern der Führung über die Baustelle war der seitlich stehende Teil des alten Dachstuhls da längst aufgefallen. Doch auf ihre Fragen, was damit passiert, konnte Johannes Me­nard erst später Auskunft geben. Klar war nur, dass der Freundeskreis Stadtkirche Altlandsberg sich darum bemühte, es behalten zu dürfen.

Unterdessen blickte rund ein Dutzend Interessierter, darunter Stadtverordnete und Mitglieder des Heimatvereins, gemeinsam mit dem Architekten Manfred Thon hinter die Kulissen des emsigen Treibens. Nicht alle architektonischen Besonderheiten werden nach Abschluss der Arbeiten noch ohne Weiteres erkennbar sein. So unter anderem eine neue Mauer, die nun eine um 1500 errichtete Feldsteinwand stützt. Eigentlich sei es nur eine etwa einen halben Meter dicke Schalung, in die man einst Steine hineingeworfen habe, so der Architekt. Das neue rote Ziegelwerk werde später noch geputzt. Risse, die die vielen Bauphasen und zugleich auch -schäden dokumentieren, sollen dagegen sichtbar bleiben.

Auf den im 19. Jahrhundert mit Besen aufgebrachten Tupfputz werde jedoch verzichtet. Manfred Thon verwies auch darauf, dass am Ostgiebel mit Tom Zimmermann diesmal ein Restaurator tätig ist: "Er arbeitet einfach viel subtiler als die Baufirma, die 2004 am Turm beteiligt war." Das Ergebnis sei beeindruckend: "Die Denkmalschützer wollten altes Fugenmaterial erhalten wissen und das ist jetzt auch gut zu erkennen." Der eingesetzte Naturkalk sorge zudem für ein harmonischeres Bild als der doch etwas zu hell geratene selbst gesumpfte Kalk für den Putz des Turms.

Zuvor auf dem Gerüst hatte Hartmut Niedrich vom Heimatverein übrigens seine Vermutung geäußert, dass bei Reparaturen an der Stadtkirche wie an anderen Gebäuden in Altlandsberg Steine des 1757 abgebrannten Schlosses verbaut worden sind. Ganz festlegen lassen wollte er sich aber nicht. Manfred Thon bestätigte zumindest, das artfremdes Mate­rial wiederverwendet worden sei, darunter Sand- und Kalksteine. Im Zuge der Sanierung gehe ein Diplomand auch diesen Fragen nach.

Und dann wurde es noch einmal laut auf der Baustelle. Das alte Dachstuhlteil wurde zurechtgesägt, um es mit dem Kran an seinen neuen Bestimmungsort vor die Kirche zu hieven. Ginge es nach Frank Drusche vom Freundeskreis wird daraus eine "kleine Kirchenkneipe" - schließlich wird zugunsten der Sanierung auch Altlandsberger Bier auf Märkten und bei Veranstaltungen verkauft. Allerdings verzögerte die Aktion das eigentliche Richtfest um eine Stunde. Doch zum Feiern hatten sich die Altlandsberger, darunter Bürgermeister Arno Jaeschke, diesmal offenbar Zeit genommen.

Nach der Spendenaktion für die handgestrichenen Biberschwänze des bereits sanierten Turmdachs startet der Freundeskreis Stadtkirche Altlandsberg nun übrigens einen neuen Aufruf, um die Finanzierungslücke für die Sanierung des Kirchenschiffs zu decken. So sind jetzt Paten für 71 lange Balken des neuen Dachstuhls à 500 Euro und 19 Kurze à 250 Euro gesucht. Alle Balkenpaten werden zudem auf einer Schautafel in der Kirche veröffentlicht. Spendenkonto: Nr. 1599777012 bei der BKD, BLZ 350 601 90. Weitere Auskünfte unter Tel. 033438 60210, E-Mail pfarrer@ evkirche-altlandsberg.de. Mehr über die Sanierung der Stadtkirche und die Veranstaltungen dort ist im Internet unter www.evkirche-altlandsberg.de zu finden.

Märkische Oderzeitung vom 08. August 2008

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