Für jeden Ziegel eine Kaufurkunde

Von Ruth Buder

So sieht ein Apophygenziegel aus 
So sieht ein Apophygenziegel aus: Knut Krüger, Vorsitzender des Fördervereins Marienorgel, startete gestern mit einer Einführung vor Ort die neue Spendenaktion zugunsten der Marienkirche.

Beeskow (MOZ) Den Startschuss für eine neue Spendenaktion zugunsten des Wiederaufbaus der Beeskower Marienkirche gab gestern der Förderverein Marienorgel. Für den Kauf von 515 Apophygenziegeln zur weiteren Sanierung der 16 Pfeiler im Kirchenschiff werden rund 39 000 Euro benötigt. Schon mit 30 Euro für einen Normalziegel kann man dabei sein, teurer ist ein Profilziegel für eine Ecke, er kostet 100 Euro. Mit einer großangelegten Spendenaktion war es bereits vor sechs Jahren gelungen, eine achteckige Turmpyramide auf das Kirchendach zu setzen. Auch Eberhard Keil war gestern in die Beeskower Marienkirche gekommen. Der vitale Rentner hatte vor sechs Jahren die größte Spendenaktion, die Beeskow je gesehen hat, initiiert: Rund 120 000 D-Mark waren zusammengekommen. Mit diesem Geld und Fördermitteln war es möglich, wieder eine Turmspitze auf das neu eingedeckte Kirchendach zu setzen.

Seither ist nicht mehr viel passiert in St. Marien, obwohl hinter den Kulissen, in der Kirchengemeinde und auch im Förderverein weiter daran gearbeitet wird, auch das Innere des 1945 zerstörten spätgotischen Backsteinbau wieder herzustellen. "Die Planungsphasen werden immer länger und komplizierter. Wenn es um Details geht, haben immer mehr Leute mitzureden", stellte Knut Krüger, Vorsitzender des Fördervereins, die Schwierigkeiten dar. Den rund 20 Besuchern erklärte er gestern, was man unter einem Apophygenziegel versteht und wie kompliziert seine Herstellung bzw. der Einbau am achteckigen Pfeiler ist. An sechs Pfeilern in der Halle sind die Profilziegel, die in Dänemark hergestellt werden, bereits eingepasst worden, an weiteren zehn Pfeilern im Übergangsbereich und im Chor fehlen sie noch. Die Arbeiten werden nicht von einem normalen Maurer erledigt, sondern von einem Steinrestaurator, der jeden Ziegel passend zuschneiden muss. Knut Krüger zeigt auf die Schneidemaschine und den feinen, karminroten Ziegelstaub, der sich über den Fußboden gelegt hat und auch den Restaurator einhüllt, wenn er vor Ort tätig ist. Schritt für Schritt sollen die Arbeiten an den achteckigen Pfeilern weitergehen und wenn alles klappt, noch in diesem Jahr beendet werden. Das geht aber nicht ohne Spenden.

Der Verein gehe hier in Vorleistung, übernehme dabei auch ein hohes Risiko, betonte Tilmann Schladebach, Mitglied im Verein Marienorgel, der sich gemäß seiner Satzung auch dem Wiederaufbau der Kirche insgesamt verpflichtet fühlt. "Wir sind auf Spenden und bürgerschaftliches Engagement angewiesen und hoffen, dass es klappt." Jeder Stein, der gekauft werde, sei lokalisierbar, werde nummeriert, alle Spender erhielten eine Urkunde "für ihren Stein" und würden namentlich an einem Aushang erwähnt.

239 Bittschreiben mit Überweisungsscheinen sind bereits verschickt worden, die ersten Spenden sind auch schon eingegangen, so unter anderem von der Firma Metallbaukrüger aus Lindenberg, von der Firma Buchwald oder von den Beeskowern Ute Richter und Norbert Reinke. Die Initiatoren sind optimistisch, dass die Spendenaktion ähnlich wie beim Turmaufbau wieder zu einem Erfolg wird. "So eine Urkunde für einen Apophygenziegel lässt sich auch verschenken. Statt Blumen", wirbt Knut Krüger. Schließlich sei so ein Ziegel etwas Bleibendes, auch für die Nachwelt.

Wer für einen oder mehrere Apophygenziegel spenden möchte, kann sich in der Marienkirche oder auch auf der Burg Beeskow informieren. Spenden können unter der Kontonummer 100069906, Bankleitzahl 17062428, bei der Raiffeisen-Volksbank Oder-Spree unter dem Kennwort "Spende für St. Marienkirche - Formziegel für Pfeilersockel" eingezahlt werden.

Das Wort "apophygen" stammt aus dem Griechischen und hat verschiedene Bedeutungen, es steht für Flucht, für Welle, für eine Verbindung zwischen etwas Vor- und Zurückspringendes. Die meisten Pfeiler in der Marienkirche sind noch ohne die gewölbten Apophygenziegel, mit denen der Übergang vom breiteren Pfeilersockel zum schmaleren Pfeilerschaft hergestellt wird.

Märkische Oderzeitung vom 18. Juli 2008

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