Feier für ein echtes Gemeinschaftswerk

Von Thomas Berger

Feier für ein echtes Gemeinschaftswerk 

Biesdorf Mit einem großen Festgottesdienst ist die Biesdorfer Kirche am Sonntag offiziell nach der Sanierung wieder eingeweiht worden. So voll wie an diesem Tag ist das in neuem Glanz erstrahlende Gotteshaus wohl noch nie in der jüngeren Vergangenheit gewesen.

Wenn sich das Oberhaupt der Landeskirche in einen so kleinen Ort wie Biesdorf verirrt, muss dort schon etwas ganz Besonderes anstehen. Und in der Tat war es etwas Besonderes, das auch Bischof Wolfgang Huber nur zu gern aktiv an der Feier teilnehmen ließ - ein solches gemeinsames Engagement von Christen und Nichtchristen wie hier, damit die Kirche im Dorf bleibt, gibt es höchst selten.

Huber nahm in seiner Predigt direkten Bezug darauf: Er habe großen Respekt auch und gerade vor jenen, die nicht unbedingt durch ihren Glauben angespornt wurden, sondern für die die Kirche einfach als Haus und gesellschaftlicher Mittelpunkt im Ort dazugehört. Der Bischof spannte dabei den Bogen über knapp zwei Jahrtausende bis ins griechische Thessaloniki, wo um das Jahr 50 die zweite christliche Gemeinde Europas gegründet wurde.

"Der Glaube ist nicht jedermanns Ding", dieses Wort aus der heutigen Sprache finde sich schon im Neuen Testament. Was damals für viele Einwohner jener Stadt galt, aus der Paulus schließlich wieder fliehen musste, treffe auch heute auf etliche Menschen zu. Dies habe sie beispielsweise in Biesdorf nicht abgehalten, sehr engagiert zur gelungenen Sanierung beizutragen.

"Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, erreicht das große Ziel" lautete eine Textzeile im Lied "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt". Bewusst war dieses ebenso wie andere für diesen Gottesdienst ausgesucht worden, fand sich darin doch viel Symbolik hinsichtlich dessen, was es zu feiern gab. Denn die Biesdorfer, eine kleine Gruppe vorneweg und immer mehr Menschen mitziehend, haben seinerzeit das Wagnis auf sich genommen, damit das Kirchlein nicht dem endgültigen Verfall preisgegeben wird.

Bequemlichkeit sieht wahrlich anders aus. Und so dankten Pfarrer Christian Kohler und Bischof Wolfgang Huber noch einmal all jenen, die es sich eben nicht bequem gemacht hatten, sondern seit DDR-Zeiten bereits das kirchliche Gemeindeleben erhalten hatten und schließlich das Sanierungswerk auf den Weg brachten. Neben Ursula Meister, dem unumstrittenen Motor des ganzen Projektes, waren dies Erika Thamme, Werner Hoppenheit und Karl Schröder, denen in besonderer Weise Dank gesagt wurde.

Einer hat den großen Tag nicht mehr miterleben dürfen. Ursula Meisters Ehemann Christian, der das Anliegen seit dem ersten Augenblick mit ganzer Kraft unterstützt hatte, ist im April überraschend verstorben. Sein Anteil, betonte Pfarrer Kohler, bleibe aber unvergessen, wie er unter anderem im Biesdorfer Wald hatte Holz für den neuen Altar schlagen lassen. Dieser wurde im Gottesdienst mit Kerzen, Bibel, Kelch und Blumen geschmückt, ziert nun wie das große Kreuz dahinter den hellen Innenraum der Kirche.

Kohler dankte aber auch allen Partnern, die sich so stark eingesetzt hatten, damit immer alles klappte. Die beteiligten Baufirmen, vor allem die Baugesellschaft Müncheberg, gehörten zu jenen, mit denen er glatt Verträge mit Handschlag machen würden. Auch mit den zuständigen Mitarbeitern des kirchlichen Bauamtes, der Buchhalterin beim Kirchenkreis und der Leitung der Denkmalschutzbehörde habe es eine wundervolle Zusammenarbeit und Unterstützung gegeben.

Dass die zweite Kollekte an diesem Tag neben der ersten für die Telefonseelsorge ausgerechnet für die Sanierung der Sternebecker Kirche gesammelt wurde, hat einen speziellen Grund, wie Pfarrer Kohler erläuterte. Denn es waren seinerzeit die Sternebecker, die mit ihrer Solidarität ebenfalls den Start der Arbeiten in Biesdorf erst möglich gemacht hatten. Im gleichen Jahr, da es dort die Fördermittelzusage gab, hatten sie eine Absage hinnehmen müssen. Allerdings war schon weiteres Geld über den Kirchenkreis gesichert, was großzügig nach Biesdorf umgewidmet werden konnte. Ein Stück dieser Solidarität soll nun zurückgegeben werden. Bis auf den allerletzten Platz war die Biesdorfer Kirche zum Festgottesdienst, der von Thomas Hammer am Keyboard und seiner Frau Carmen an der Flöte musikalisch begleitet wurde, gefüllt. Er wünsche sich, dass sich nicht nur zu Weihnachten, sondern öfter viele Menschen einfinden, sagte der Bischof. Dem schloss sich auch Kohler an. Fast alle Biesdorfer hätten durch ihr Mittun eine unsichtbare Eintrittskarte erworben: "Machen Sie regen Gebrauch davon, nutzen Sie das als Gutschein und fragen Sie Ihren Pfarrer gern Löcher in den Bauch."

Märkische Oderzeitung vom 24. Juni 2008

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