DENKMAL: 230 000 Euro für neues Dach

Golmer Kirchenbauverein beim Sommerfest auf Spenderjagd

POTSDAM / GOLM - Rainer Höfgen hat etwas gegen Dachschäden. Das steht sogar auf seinem T-Shirt. Der Vorsitzende des Golmer Kirchbauvereins hat nicht irgendein Dach im Blick, sondern das der Kaiser-Friedrich-Kirche. 230 000 Euro soll die Restaurierung kosten. 2009 soll das Projekt beginnen. Nachdem vor zwei Jahren die Kirchturmhaube aufgesetzt wurde, waren die finanziellen Mittel des 2002 gegründeten Vereins aufgebraucht. Nach zwei Jahren Pause soll nun wieder offensiv um Spender für den dritten von insgesamt fünf Bauabschnitten geworben werden. Auch die ältere, um 1286 erbaute Dorfkirche ist sanierungsbedürftig und wird zurzeit archäologisch erforscht.

Am Sonnabend feierten die Vereinsmitglieder und die Kirchgemeinde ihr Gemeindefest. Höfgen, Molekularbiologe am Golmer Max-Planck-Institut, und die anderen Vereinsmitglieder gingen auf Spenderjagd: Sie warben um Patenschaften für Dachziegel, verkauften ihre Motto-Shirts und Tonplatten mit Kirchenmotiv der Töpfermeisterin Andrea Soika aus Michendorf, versteigerten eine Grafik des Golmer Künstlers Heinz Rausch. "Anders als die Dachdeckung ist der Dachstuhl größtenteils unbeschädigt, nur ein paar Balken sind faulig", erzählt Höfgen. Umso schlechter ist es um die Deckung bestellt. Eindringende Feuchtigkeit beschleunigt den Verfall, Mauerwerksschäden im Innern nehmen zu. Das Dach des Kirchenschiffes war im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden, 1971 wurde es mit einfachen Steinen notgedeckt. Die grünen Zierstreifen gingen dabei verloren. "Wir haben auf dem Dachboden ein paar alte Ziegel gefunden", freut sich Höfgen. Während des Kirchenbaus 1883 bis 1886 hatten Handwerker die Steine hinterlegt, die das Denkmalamt nun als Vorlage nutzen kann. Im Herbst will der Verein Förderanträge an das Kultusministerium und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellen.

Auch Pfarrerin Anke Spinola, die selbst alle vier Wochen einen Gottesdienst in der Kaiser-Friedrich-Kirche abhält, ist im Kirchbauverein aktiv. Ihr Ziel ist es, den Bewohnern des Ortsteils eine Alternative zum "Treffpunkt Arztpraxis" zu geben. Dabei setzt sie bewusst auf eine Kirche als "geistliches und auch geistiges Zentrum". (Von Juliane Primus)

Märkische Allgemeine vom 23. Juni 2008

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