Nun fehlt nur noch die zweite Glocke

Von Elke Lang

Groß Schauen Rund um das malerische Fachwerkkirchlein von Groß Schauen gab es am vergangenen Sonntagnachmittag tüchtig etwas zu feiern: einen Gottesdienst, ein Gemeindefest sowie die Fertigstellung der Renovierung dieses Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert.

"Unsere Kirche, die von Würmern und Fäulnis zerfressene Balken hatte, ist nun wieder ordentlich unter Dach und Fach gebracht, so dass ihre Glocke weiter die Gläubigen rufen kann", erkannte Pfarrer Matthias Spikermann in seiner Predigt lobend an. Der Innenraum der Kirche konnte gar nicht all die "Menschen aller Generationen aus nah und fern" fassen, die zu dem freudigen Ereignis gekommen waren. So wurde der zweite Teil des Gottesdienstes, in dem die Spielgruppe der evangelischen Kirchengemeinde Storkower Land das Gleichnis vom Sämann und seiner vierfachen Saat zeigte, ins Freie verlegt.

"Eine Kirche als Abbild des himmlischen Jerusalem hat eine besondere Ausstrahlung, ist etwas Erhaltenswertes. Dessen sind sich auch die Menschen bewusst, die sonst nicht in die Kirche gehen", freute sich der Pfarrer. Die Liste derer war folgerichtig lang, denen dafür gedankt wurde, dass die Arbeit gelingen konnte. Nicht nur Vertreter der Kirche mit dem Superintendenten Frank Schürer-Behrmann an der Spitze und Gewerke waren darunter, auch die Stadtverwaltung Storkow, für die Bürgermeisterin Christina Gericke gekommen war, sowie die Ortsbürgermeister von Groß Schauen, Holger Ackermann, und Philadelphia, Klaus Hohmann. Für die Bewohner von Philadelphia, bis wohin der Glockenklang von Groß Schauen reicht, ist schon seit Generationen dieses Nachbardorf der Kirchort.

Begonnen hatten die Arbeiten im Jahre 2005 mit Voruntersuchungen. "Im November 2006 waren wir dann angetreten, lediglich zum Dachdecken", erzählte der Berliner Architekt Karl-Heinz Föhse, dessen Büro mehrere Kirchenrestaurierungen in Brandenburg betreut. "Da stürzte die Glocke aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ab. Glücklicherweise zerbrach sie nicht, denn sie wurde von der Deckenschalung abgefangen."

Damit weiteten sich die Arbeiten aus, die am Ende "alles zusammen um die 70 000 Euro gekostet haben", wie Föhse grob überschlägt, eine Summe, die nur mit Hilfe von vielen Sponsoren zusammenzubringen war. Es wurde eine neue Gründung des Turms erforderlich, denn die eigentliche war kaum noch vorhanden, "war total vermodert". Die originale Schalung konnte nur an der Eingangsseite belassen werden. Sie wurde aber wie die erneuerte über eine m vorher nicht vorhandenen Feldsteinsockel angesetzt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Auch der Glockenstuhl wurde erneuert, "in Eiche, einem dazu besonders geeigneten Holz", betonte der Architekt. Als im Vergleich dazu kleinere Ausgaben kamen die für eine neue Blitzschutzanlage, eine neue Fahne und einen Wetterhahn dazu.In diesem Frühjahr nun konnte die Glocke wieder aufgehängt werden, und zwar mit einem neuen Kugellager versehen. Es ist die kleinere von ehemals zwei Glocken. Pfarrer Matthias Spikermann wies darauf hin, dass "der Turm schon für die zweite, die größere der beiden Glocken ausgelegt ist", und warb um Spenden für einen Nachguss. Das Original, für das es in der historischen Literatur noch detaillierte Angaben gibt, hatte im Ersten Weltkrieg an die Rüstungsindustrie abgegeben werden müssen. Für die neue Glocke, die von der Kunstgießerei Lauchhammer gefertigt werden soll, werden mindestens 8000 Euro gebraucht. Um das Geld zusammenzubringen, hat sich eine im Januar gegründete elfköpfige Arbeitsgruppe eine Menge von Aktionen einfallen lassen. Mit den 272 Euro, die am Sonntag für die Glocke gespendet wurden, sind jetzt 1600 Euro in der Kasse.

Spenden können eingezahlt werden auf das folgende Konto: EDG Berlin, BLZ 10 060 237, Konto 17 777 919, Verwendungszweck "Glockenspiel Groß Schauen"

Märkische Oderzeitung vom 27. Mai 2008

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