AKTION: Für einen Monat im Mittelpunkt

Im Mai steht die Butzower Kirche im Blickpunkt der Öffentlichkeit / Ihr droht der Verfall

BUTZOW - Die letzte Trauung gab es 1971, seit 1989 wurde hier kein Kind mehr getauft. Von 35 eingetragenen Kirchenmitgliedern kommt noch eine Hand voll zum Gottesdienst. "Ja", bedauert Pfarrer Martin Gestrich, "in Butzow fehlen Christen." Ist das Schicksal der Dorfkirche damit besiegelt? Lässt sich der Verfall aufhalten? Ein vor drei Jahren gegründeter Förderverein unter Vorsitz von Bernhard Weise bemüht sich, das Schlimmste zu verhindern. Doch die jüngsten Zahlen sind ernüchternd. Rund 320 000 Euro würden gebraucht, um die 1879 erbaute Kirche zu retten.

Der Kirchengemeinde Ketzür, der die Butzower angehören, liegen Gutachten vor, die eine klare Sprache sprechen. Fazit: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Wasser hat die Dachkonstruktion beschädigt, Balkenköpfe faulen, Putz fällt ab, Risse durchziehen das Mauerwerk. Seit der Einweihung vor fast 130 Jahren hat es keine größere Instandsetzung gegeben. Diese könnte, wenn überhaupt, nur schrittweise gelingen. Doch allein für das Dach wären rund 145 000 Euro nötig. "Soviel Geld kann der Förderverein unmöglich aufbringen. Daher sind wir auf Spenden angewiesen, um Fördermittel aus möglichst vielen Töpfen zu bekommen", schätzt Pfarrer Gestrich die Lage ein. Finanzielle Hilfe ist von der Kirchengemeinde Ketzür, die schon die Gutachten finanzierte, nicht zu erwarten. Die Ketzürer drückt selbst noch eine Schuldenlast von rund 300 000 Euro für die Sanierung ihrer Kirche.

Ein Verkauf der Kirche, wie es zum Beispiel in Briest geschehen ist, kommt für den Beetzsee-Pfarrer nicht in Frage. Gestrich verweist auf die unversehrt gebliebene Orgel, ein dreistimmiges Geläut, wie es wohl kaum eine Dorfkirche hat, die hervorragende Raumaufteilung und eine gute Akustik. Das Architekturbüro Fleege & Oeser hat in einem Sanierungskonzept die Schritte zur Rettung der Kirche aufgezeigt. Was den Butzowern fehlt, ist Startkapital, ein Nutzungskonzept und ein großer Sponsor. Vielleicht findet sich dieser ja für die Kirche des Monats in Berlin und Brandenburg.

Butzow ist nicht die einzige Baustelle, die Pfarrer Gestrich umtreibt. Noch schlimmer ist die Lage in Riewend. Wegen Einsturzgefahr musste bereits die Decke entfernt werden. In der Roskower Kirche gibt es nach der Sanierung in den neunziger Jahren schon wieder neue Schäden. Für die laufende Sanierung der Brielower Kirche ist das Geld knapp. Der Turm konnte bislang nur zur Hälfte neu gestrichen werden. Um die Gesamtrekonstruktion realisieren zu können, wandte sich Pfarrer Gestrich am Mittwoch mit einem Hilferuf an die Gemeinde Beetzsee. Die will das Ansinnen prüfen. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 09. Mai 2008

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