RESTAURIERT: Geschlossen, geplündert und gerettet

Vor zehn Jahren wurde die Dannenwalder Kirche wieder eingeweiht

DANNENWALDE - Manfred Stolpe, damals Ministerpräsident, soll während des Festgottesdienstes am lautesten gesungen und seiner Banknachbarin das Gesangbuch gehalten haben. Die Kirche war zum Bersten voll, vor der Tür bestaunten "Pilgerer" die Architektur des Hauses und das Ergebnis der ersten Rettungsversuche. Die Fassade der Rundkirche hatte zur Wiedereröffnung Farbe bekommen (ein zartes Rosa) sie sah aus wie aus dem Ei gepellt. Viele der im Mai 1998 zu diesem Festakt geladenen Gäste hatten noch die Bilder aus früheren Zeiten im Gedächtnis, als die Kirche ein trauriges Bild bot und der Blick der Besucher auf den blanken Putz, stellenweise auf das nackte Mauerwerk fiel. Seit den 1970er-Jahren war sie geschlossen, später geplündert und die Empore weithin zerstört worden.

Der Leiter des Berliner evangelischen Kunstdienstes, Heinz Hoffmann, mit ihm befreundete Künstler und die Familie von Waldow Erbauer und ehemalige Besitzer der Kirche wollten die Kirche weder auf- noch sie dem Verfall preisgeben. Durch gemeinsame Anstrengungen, finanzielle Hilfen von Land, Denkmalpflege und Landeskirche entstand ein architektonisches Schmuckstück.

Die achteckige Kirche weist klassizistische und neugotische Elemente auf und wurde 1821 von Ferdinand Hermann (17841842) aus Zehdenick gebaut. Dieser hatte die Baukunst um 1800 in Berlin, vermutlich bei David Gilly, gelernt, auch Schinkels Einfluss ist schon sichtbar. Hermann, der auch die Kirchen in Annenwalde und Liebenwalde errichtete, verstand es meisterhaft, die Kirche harmonisch zwischen Schloss, Dorf und Straße zu platzieren.

Ihrer Insel-Lage verdankt sie heute den Beinamen "Kirche am Weg". Um ihren Erhalt und eine Vielzahl von Veranstaltungen bemühen sich seit vielen Jahren die Mitglieder des gleichnamigen Förderkreises. Vereinsvorsitzende Dorothea Körner beschreibt die Restaurierung des Innenraums als "nächste Herausforderung". Weder zum Zeitpunkt noch zur Finanzierung ist derzeit Konkretes zu sagen. Aber dass die Sanierung ohne die finanzielle Unterstützung Dritter nicht zu bewältigen ist, hatte auch Pfarrer Christian Albroscheit schon mehrfach betont, als die Kirche noch zu seinem Pfarrsprengel gehörte.

Am Pfingstsonntag, 11. Mai, möchte der Förderkreis das zehnjährige Jubiläum der Wiedereinweihung der Kirche begehen. Georg Neumüll lädt am Vormittag zu einem Spaziergang durch Dannenwalde und Seilershof ein und wird von der Geschichte dieser Orte erzählen (Treffpunkt 10 Uhr, Kirche Dannenwalde). Um 14 Uhr beginnt der Festgottesdienst mit Pfarrer Günther Schobert, der Restauratorin Barbara von Campe und Heinz Hoffmann. Ab 15 Uhr sind Besucher zum Kaffeetrinken in das Dannenwalder Schloss eingeladen. Den festlichen Abschluss bildet ein Klarinettenkonzert in der Dannenwalder Kirche (16 Uhr). Hans Hartmann, einer der profiliertesten Klarinettisten Berlins, für den Komponisten aus aller Welt Werke geschrieben haben, wird mit Organist Steffen Schreiner Werke aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne interpretieren. (Von Cindy Lüderitz)

Märkische Allgemeine vom 06. Mai 2008

   Zur Artikelübersicht