Gottes Segen für Bauarbeiten

Von Thomas Berger

Mitarbeiter der Firma Kühn aus Burg (Spreewald) entfernen die alten Dachziegel 
Erst Rück-, dann Neubau: Mitarbeiter der Firma Kühn aus Burg (Spreewald) entfernen die alten Dachziegel.
Foto: Thomas Berger

Altlandsberg Mit einem Festgottesdienst ist am Dienstag der zweite Bauabschnitt und damit die Hüllensanierung der Altlandsberger Stadtkirche eingeleitet worden. Parallel zu den Bauarbeiten läuft weiterhin auch die Sammlung von Spenden zur Sicherung des Eigenanteils.

Pfarrer Johannes Menard ließ es an Deutlichkeit nicht fehlen. "Allein würden wir das nicht schaffen", betonte er während des Gottesdienstes zu ungewohnter Stunde mitten in der Woche und dankte noch einmal ausdrücklich für die Unterstützung. Die kommt einerseits mit Fördermitteln von Land und Bund, andererseits durch die Hilfe der Stadt.

Bürgermeister Arno Jaeschke sieht dies allemal als gerechtfertigt: "Die Kirchengemeinde leistet schließlich einen großen Beitrag zum Zusammenleben in Altlandsberg", erinnerte er an zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte und Feste, die entweder selbst organisiert werden oder zumindest mit kirchlicher Beteiligung stattfinden. Nach der Turmsanierung ist es bereits das zweite Mal, dass Kirche und Stadt solcherart gemeinsam zu Werke gehen, und zumindest in der Planung ist mit dem Kirchenvorplatz dann noch ein drittes Vorhaben vorgesehen.

Gottes Segen für die anstehenden Arbeiten erbaten die Gottesdienstteilnehmer. "Auf dass das Bauen auch zum Segen für die Gemeinde wird", hieß es wiede-rum in einem Gebet, während mit einem Bibelzitat Parallelen zum damaligen Bau des zweiten Tempels in Jerusalem vor 2500 Jahren gezogen wurden.

Bei einem kleinen Imbiss im früheren Bibliotheksanbau stellten die Verantwortlichen noch einmal Arbeitsschritte und Besonderheiten dar. Das Abdecken der alten Dachziegel ist bereits in vollem Gange, und insgesamt werden sich die Erneuerung des Dachs und die parallel laufende Fassadensanierung bis etwa November hinziehen, wenn es zu keinen Verzögerungen kommt.

Das künftige Dach, so Architekt Manfred Thon, wird eine besondere Stahl-Holz-Mischkonstruktion. Das alte stammt aus dem 15. Jahrhundert, jener Zeit, als die ganzen Gewölbe eingebaut wurden. An vielen Stellen ist die Baugeschichte des Gotteshauses in ihren einzelnen Etappen noch gut ablesbar, gibt es gut erhaltene romanische Rundbögen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die später in andere Wandstrukturen übernommen wurden. Teilweise außergewöhnliche denkmalpflegerische Funde hat es an diesen Wänden gegeben. Der Abschnitt mit den floralen Putzritzungen, auch sie um die 800 Jahre alt, soll konserviert und zumindest für Fachpublikum zugänglich gehalten werden, kündigt Thon an.

Das neue Dach, auf einer Grundkonstruktion aus Stahl ruhend, bekommt noch ein Unterdach. Vollschalung, diffusionsoffener Unterdeckbau und andere Elemente summieren sich auf eine Dicke von etwa 60 Zentimetern bis zu den handgestrichenen Biberschwänzen, die dann als Außenschicht verlegt werden.

Das heutige Erscheinungsbild der Kirche ist vor allem durch das 19. Jahrhundert geprägt. Von 1893 stammen die unteren Fenster und etliche Anbauten sowie die Masse der Innengestaltung. Wie weit man dort zum Beispiel beim Farbanstrich später noch die bauliche Entwicklung seit den Anfängen sichtbar macht, wie sie an der Fassade ablesbar ist, muss erst noch diskutiert werden.

730 000 Euro sind für die Hüllensanierung insgesamt veranschlagt, von den etwas niedriger liegenden förderfähigen Kosten kommt ein Zuschuss in Höhe von 40 Prozent über Land und Bund. 100 000 Euro steuert der Kirchenkreis bei, so dass am Ende 40 000 Euro bleiben, die über Spenden erbracht werden müssen. "Ein Viertel davon haben wir schon", freut sich Kirchenältester Frank Drusche. Unter anderem der Bierverkauf des Fördervereins fließt dabei ein.

Märkische Oderzeitung vom 30. April 2008

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