Auch Fenster sind erneuerungsbedürftig / Förderverein ruft wieder zu Spenden auf

Fassade der St. Nikolai-Kirche soll saniert werden

Bad Liebenwerda. Der Förderverein der St. Nikolai-Kirche zu Bad Liebenwerda nimmt ein nächstes Bauprojekt in Angriff. Die Außenhülle der Kirche soll saniert werden.

St. Nikolai-Kirche 
Die St. Nikolai-Kirche der Kurstadt: Der Förder-verein forciert seit geraumer Zeit die Sanierung der Außenhülle des Gotteshauses. Stellenweise sind die Fugen im Mauerwerk bereits stark ausgewaschen. Auch die Fensterfaschen sind sanierungsbedürftig, wie Fördervereins-vorsitzender Dieter Voigt betont.
Foto: Frank Hilbert

Finanziell ist das Vorhaben eine Herausforderung, wie die RUNDSCHAU bei Dieter Voigt, dem Vorsitzenden des Fördervereins, erfuhr.

Herr Voigt, nach der Sanierung der Kirchendecke und dem Einbau von Toiletten steht nun ein neues Projekt auf der Tagesordnung

Das Vorhaben, die Außenhülle der Kirche zu sanieren, ist eigentlich gar nicht so neu. Der Förderverein beschäftigt sich seit Jahren damit. Umfangreiche Untersuchungen mit notwendigen Vermessungen und der Erstellung von bisher nicht vorhandenen Zeichnungen sowie Kostenermittlungen sind in den zurückliegenden Jahren erfolgt. Insgesamt sieht das Projekt eine Investition von 325 000 Euro vor.

Warum ist das Thema jetzt «akut» geworden?

Hintergrund ist die Möglichkeit, das Projekt in das Bund-Länder-Programm «Städtebauförderung» einzuordnen. Mit dem Bürgermeister und Fachvertretern der Stadtverwaltung gab es darüber bereits seit 2005 Beratungen.

Wegen vordringlicher anderer Innenstadtprojekte sah sich die Stadtverwaltung bisher nicht in der Lage, die Sanierung der St.-Nikolai-Kirche mit aufzunehmen. In einem Arbeitsgespräch vor wenigen Wochen mit Vertretern der Stadtverwaltung und der evangelischen Kirchengemeinde wurde nunmehr eine Aufnahme des Projektes für die Jahre 2010/2011 in Aussicht gestellt. Damit bestünde die Möglichkeit, einer 40-prozentigen Förderung aus diesem Förderprogramm.

Welche Arbeiten sind konkret vorgesehen?

Die Kirche ist vermutlich über Jahrhunderte verputzt gewesen. Erst in den 1950er-Jahren ist dieser Putz entfernt worden, sodass der Backstein sichtbar wurde. Inzwischen zeigt sich, dass Wind und Wetter dem ungeschützten Mauerwerk zu schaffen machen. Die Mauerfugen müssen neu verfugt und die beschädigten Mauerziegel ausgebessert bzw. teilerneuert werden.

Eine Verfugung ist bereits an einem Teil des Kirchturmes in den 1960er-Jahren vorgenommen worden und hat sich offensichtlich bewährt.

Bleibt es allein bei der Fassadensanierung?

Nein, es gibt noch weitere Aufgaben. Neu verputzt werden müssen beispielsweise die Fensterfaschen. Auch der Zustand der Bleiverglasung vieler Fenster, mit Ausnahme der bereits erneuerten beiden Fenster im Bereich der Orgelempore, ist instabil und das Blei infolge von Überalterung brüchig. Sanierungsbedarf besteht auch am Renaissancegiebel über der Lutherbüste auf der Nordseite des Kirchenschiffes und am Gewölbe im Bereich der Außenwand der Patronatsloge über der Sakristei.

Bei einer Gesamtsumme von 325 000 Euro bleibt auch bei einer 40-prozentigen Förderung ein beträchtlicher Eigenanteil. Kann die Kirchengemeinde den ohne Weiteres aufbringen?

Für die Kirchengemeinde, die mit Anstrengungen gerade die laufenden Kosten aufbringen kann, müssen Investitionen dieser Größenordnung aus eigener Kraft als aussichtslos angesehen werden. Gleich aufzugeben oder wegzuschauen entspricht aber gewiss nicht der optimistischen Grundeinstellung vieler engagierter Bürger dieser Stadt, die die Entwicklung in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten mit Einsatz und Fantasie vorangetrieben haben. Auch in die St.-Nikolai-Kirche wurde ständig investiert und unsere Generation kann sich in die vielfachen Anstrengungen vergangener Generationen würdig einreihen: Kirchturm, Kirchdach, Kirchendeckenbemalung, Kirchenheizung, Orgelneubau, Toiletteneinbau – das alles sind Beispiele für erhebliche Investitionen.

Selbst wenn die geplante Investitionssumme aus Gründen der Vordringlichkeit halbiert wird, bleibt immer noch eine erhebliche Summe, die als Eigenanteil aufzubringen ist.

Deshalb bittet der Förderverein alle Bürgerinnen und Bürger, mitzuhelfen, dass die geplante Investition in den nächsten Jahren realisiert werden kann.

Was macht es aus Ihrer Sicht so wichtig, etwas für den Erhalt der Nikolaikirche zu tun?

Die St. Nikolai-Kirche besitzt auf Grund ihrer besonderen Holzdeckenkonstruktion und ihrer im Wesentlichen daraus resultierenden hervorragenden Akustik eine herausragende und für Südbrandenburg überregionale Bedeutung, die neben den Gottesdiensten auch den kulturellen Bereich einschließt. Sie ist Veranstaltungsort für Orgel-, Chor- und Orchesterkonzerte. Gospelkonzerte und Workshops gehören ebenso wie die Erbepflege der Gebrüder Graun und die Preisträgerkonzerte von «Jugend musiziert» zu den Jahresprogrammen. Davon abgesehen: Die Kirche gehört auch als historisches Gebäude zum kulturellen Erbe aller Bürger der Stadt.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Sie die nötigen Finanzmittel zusammenbekommen?

Der Förderverein ist sich bewusst, dass auch mit anderen wichtigen Projekten die Spendenbereitschaft der Bürger angesprochen wird. Dennoch sollte bedacht werden, dass mit den derzeitigen Förderprogrammen eine möglicherweise nicht wiederkehrende finanzielle Unterstützung zur Verfügung steht, die ohne den notwendigen Eigenanteil ungenutzt bleiben würde.

Mit DIETER VOIGT sprach Karsten Bär.

Lausitzer Rundschau vom 25. März 2008

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