Balken-Pate für ein Schiff

Von Gabriele Rataj

Altlandsberg 

Altlandsberg (MOZ) Schon von weitem grüßt die goldene Kugel an der Spitze des Turms. Nach diesem Teil der Stadtkirche hat jetzt das Schiff eine Generalkur nötig. Dafür braucht es die Hilfe vieler Mitstreiter. Sie können über eine Balken-Patenschaft das Vorhaben mitfinanzieren.

Die Pläne sind fertig. Die Genehmigungen liegen vor. Die erforderlichen Kosten sind ermittelt. Von Stadtseite ist der Vertrag unterzeichnet, der die Beteiligung im Rahmen des Sanierungsprogramms von Altlandsberg regelt. "Alle Weichen sind gestellt, damit es Mitte April mit der Hüllensanierung des Kirchenschiffs der Stadtkirche losgehen kann", sagt Pfarrer Johannes Menard.

Die Freude darüber steht ihm ins Gesicht geschrieben, ebenso wie Frank Drusche, der als neu gewählter Vorsitzender den Freundeskreis der Stadtkirche vertritt und Kirchenältester ist. 18 Jahre ist Menard inzwischen Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Altlandsberg. "Und immer war es mein erklärtes Ziel, die Kirche zu sanieren, vor allem innen", gibt er Einblick in seine Gedanken.

Doch nur Stück für Stück und mit Hilfe vieler Partner - gläubiger wie weltlicher - ist ein solch ehrgeiziges Vorhaben durchführbar. Das haben die vergangenen Jahre gezeigt. 2003 erklang die 100-jährige Orgel nach ihrer Sanierung wieder und vier nachgestaltete Apostelfiguren besetzten angestammte Plätze an der Renaissance-Kanzel.

Erinnert sei aber auch an die Turmsanierung in den Jahren 2004/2005, die ohne finanzielle Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm zur Stadtsanierung und initiativreiche Stadtkirchen-Protagonisten wohl kaum so zustande gekommen wäre. Es wurden spezielle Altlandsberger Würste gebraten, das alte Altlandsberger Schwarzbier wieder gebraut und seither zu städtischen Höhepunkten verkauft oder sommerliche Konzertreihen in dem rund 750 Jahre alten Kirchenbau auf die Beine gestellt.

"Ziegel-Patenschaft" hieß damals das Stichwort, unter dem sich Schulkinder mit 2,50 Euro Taschengeld als Förderer ebenso einreihten wie Großsponsoren mit 1000 Euro. Noch heute ist Johannes Menard von diesem Gemeinschaftsgedanken begeistert und möchte ihn mit dem Freundeskreis in diesen Tagen erneut aktivieren.

Denn die Generalkur für das Kirchenschiff wird alles andere als billig. Gut 720 000 Euro soll das Ganze kosten. Dabei verschlingt die Eindeckung des zirka 900 Quadratmeter großen, fast scheunenartigen Daches nur einen kleinen Teil. Auch die Fassaden-Instandsetzung stellt keineswegs den größten Posten dar.

Es ist die gesamte Dachkonstruktion, die einer kompletten Erneuerung bedarf und künftig als Stahlkonstruktion mit Holzsparren errichtet wird. Pfarrer Menard, gelernter Zimmermann, verweist auf Durchbiegungen der Hölzer, auf den Schwamm, der an beiden Traufseiten ganze Arbeit geleistet hat - bei den Voruntersuchungen festgehalten.

Landeskirche und Kirchenkreis steuern mehr als 400 000 Euro zur Gesamtfinanzierung bei. Zu 40 Prozent wird die Hüllensanierung zudem öffentlich gefördert. Da erscheinen die 40 000 Euro, die die Kirchengemeinde Altlandsberg als Eigenanteil aufzubringen hat, fast klein. Doch diese Summe will erst einmal zusammengetragen sein. Deshalb haben sich Freundeskreis und Kirchengemeinde "Balken-Patenschaften" auf die Fahne geschrieben und wenden sich damit an alle, die die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute Feldsteinkirche erhalten helfen möchten.

Dass die Stadtkirche längst mehr ist als ein Gotteshaus, hätten Konzerte und Theateraufführungen der Hortkinder, der jährliche Weihnachtsmarkt und das gemeinsame Singen am von der Feuerwehr entfachten Feuer auf dem Kirchplatz, die Turmbesteigung durch Touristen oder der Startpunkt einer Radtour zum Sattelfest längst bewiesen, sind Drusche und Menard überzeugt.

Ein ansprechender Spendenbrief ist entworfen, der zugleich das schöne und historisch interessante Bauwerk darstellt. Nun hängt es von den Bürgern, Bekannten, Freunden, Besuchern ab, möglichst viele davon ausfertigen zu lassen.

Märkische Oderzeitung vom 20. März 2008

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