Kirchengemeinde Forst wirbt um Unterstützung für weitere Projekte in der Stadtkirche

St. Nikolai für mehr Besucher öffnen

Forst Bis Ende Juli soll die Außensanierung der St. Nikolai-Kirche abgeschlossen sein. Bei einem Termin mit Vertretern der CDU-Fraktion in der Forster Stadtverordnetenversammlung verwies der Gemeindekirchenrat aber bereits auf folgende Projekte. Dazu gehören unter anderem neue Toiletten und die Neugestaltung des Altarbereiches. «Das soll aber nicht heißen, dass wir eine Gruppe Nimmersatt sind» , sagte Frank Henschel vom Kirchbauverein. «Es ist nur ganz einfach so, dass an diesem Gebäude bereits eine Mengen getan wurde und noch eine Menge zu tun ist.» Henschel betonte, dass die 100 000 Euro-Sammel-Aktion definitiv beendet sei. Um den Schnitt deutlich zu machen, habe die Kirchengemeinde die neuen Aktionen unter das Motto «Ein Stück Heimat bewahren» gestellt.

In der St. Nikolai-Kirche erläuterte der Gemeindekirchenrat die Überlegungen für den Altarbereich 
In der St. Nikolai-Kirche erläuterte der Gemeindekirchenrat die Überlegungen für den Altarbereich. Im Herbst soll der Künstler Helge Warme, der bereits die oberen Fenster gestaltete, eine Studie vorlegen.
Foto: Jürgen Scholz

Anfang der Woche wurde begonnen, einen Großteil des Putzes an der Außenfassade der Stadtkirche abzuschlagen. Dann werden die Fugen ausgebessert und Sanierputz in zwei Schichten aufgetragen, erklärte Gemeindekirchenrat Marko Sieber das komplizierte und umfangreiche Verfahren. Noch offen sei, welche Fassadenfarbe die Kirche anschließend bekomme, sagte Sieber gestern. Bislang habe es keine verwertbaren Spuren alter Farbe gegeben, so dass es vom Denkmalschutz auch keine Auflagen zur Farbgestaltung gebe. Mehrere Flächen sollen demnächst testweise mit Farben zwischen dem jetzigen Grau-Weiß des Turmes und einem Ockerton gestrichen werden, um die Entscheidung zu erleichtern, so Sieber. In dieser Farbe soll dann auch der Turm gestrichen werden.

Bis Ende Mai sollen die Fassadenarbeiten abgeschlossen sein, bis Ende Juli werde das etwa zwei Meter tiefe Fundament trocken gelegt. Die Außensanierung mit dem bereits neu gedeckten Dach werde voraussichtlich leicht unter dem geschätzten Rahmen von 619 000 Euro bleiben. Um die Finanzierung abzusichern, waren über eine groß angelegte Spendenaktion 100 000 Euro zusammengekommen (die RUNDSCHAU berichtete).

Als Kulturstätte nutzbar machen

Um die Trennung zwischen der alten Aktion und den neuen Vorhaben zu dokumentieren, seien die neuen Ziele unter das Motto «Ein Stück Heimat bewahren» gestellt worden, erklärte Frank Henschel vom Kirchbauverein. Um beispielsweise die Kirche auch als Kulturraum nutzen zu können, solle in einem Seitenraum ein ebenerdiger Toilettenbereich ausgebaut werden. Bisher gebe es im Keller nur «eine quadratmetergroße Toilette im 50er-Jahre-Charme» , verdeutlicht Henschel das Dilemma bei Konzerten mit mehreren hundert Besuchern, wie sie zum Philharmoniekonzert am 5. April erwartet werden. Die Kosten des Umbaus eines bisherigen Lager- und Heizungsraumes seitlich des Kirchenschiffs zum neuen Toilettenbereich bezifferte Sieber mit rund 20 000 Euro, für die Fördermittel über das Programm Soziale Stadt beantragt worden seien.

Eher langfristig sind die Pläne zur weiteren Gestaltung des Altarraumes in der St. Nikolai-Kirche. Der Künstler Helge Warme, der bereits die oberen drei Fenster entworfen hat, soll im Herbst eine Studie vorstellen, wie der Altarraum – der Altar, die beiden unteren Fenster sowie die mittlere Fensternische – aussehen könnte. Damit habe sich bereits der Gemeindekirchenrat im Rahmen des Wiederaufbaus der im Krieg zerstörten Kirche vor mehr als 50 Jahren befasst, aber die Pläne zurückgestellt, verwies Gemeindekirchenratsmitglied Jürgen Meissner auf entsprechende Kirchenakten. Damals wie heute sei aber keine Rede davon gewesen, wieder einen barocken Hochaltar zu schaffen, wie ihn die Kirche vor dem Krieg hatte, verdeutlichten die Gemeindekirchenratsmitglieder. «Wir werden es ohnehin wahrscheinlich nur in Jahresscheiben umsetzen können» , dämpfte Marko Sieber allzu hohe Erwartungen. Die Kirche sei eine dauerhafte Aufgabe. In den vergangenen Jahren seien bereits mehr als 200 000 Euro investiert worden. Die Heizungsanlage – eine Investition von rund 60 000 Euro – sei beispielsweise durch eine testamentarische Verfügung ermöglicht worden. Den jetzigen Schwung wolle die Gemeinde nutzen, um weitere Projekte anzuschieben, die einfach nötig seien, betonte Henschel. Damit sollten Voraussetzungen geschaffen werden, die Kirche weiter zu öffnen.

Zwei Kombilohn-Stellen beantragt

Um die Kirche mehr für Ortsfremde öffnen zu können, hat die Gemeinde zwei Stellen über das Kombilohn-Modell beantragt. Damit soll St. Nikolai im Sommer beispielsweise zumindest an fünf Tagen für Touristen offen gehalten werden können, gleichzeitig aber außerhalb der Saison auch an Publikationen zur Kirchengeschichte gearbeitet werden können. Eine Entscheidung zum Antrag stehe aber noch aus, so Sieber. Den Eigenbeitrag für die auf drei Jahre angelegten Stellen könne die Gemeinde schultern – «diese offene Kirche ist es auch wert» , so Frank Henschel, der ebenfalls dem Gemeindekirchenrat angehört.

Um die offene Kirche für Touristen interessanter zu machen, wird auch überlegt, wie die Grüfte zugänglich gemacht werden könnten. Ein entsprechendes Konzept steht aber noch aus, da die Auswirkungen von Besuchern auf die Särge, beispielsweise durch Kondenswasser, berücksichtigt werden müssen. Die Gemeinde trägt sich ohnehin mit dem Gedanken einer Sanierung. Bei einem Arbeitseinsatz am Wochenende waren bereits 110 Liter Wasser über ein Gerät der Gruftluft entzogen worden.

Zum Thema: Jugend-Orchester des Landes spielt in Forst

Für die weiteren Projekte in der St. Nikolai-Kirche spielt dort am 5. April um 19 Uhr das 80-köpfige Jugendsinfonieorchester des Landes Brandenburg. Karten im Vorverkauf sind im Gutenberghaus, der Touristinformation und im Gemeindehaus erhältlich. Der Eintritt in Höhe von sieben Euro kommt komplett der Kirche zugute.

Von Jürgen Scholz

Lausitzer Rundschau vom 19. März 2008

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