Das Wunder von Stavenow

In einer Ruine, die nicht mal mehr ein Dach hat, wurde wieder ein Fenster eingesetzt

STAVENOW - Zum Glück stürmte es an diesem Wochenende. Zum Glück nicht so sehr, dass die Kirchenruine von Stavenow ernsthaft litt. Doch der eine oder andere herabgefallene Stein zeigte wenigstens so deutlich wie nichts anderes, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt. Dass es also mit dem einen Fenster, dessen Wiedereinweihung am Sonnabend in Stavenow gefeiert wurde, längst nicht getan ist.

Es sah zwar göttlich aus, wie die letzten Sonnenstrahlen des Tages die Sturmwolken über Stavenow durchbrachen. Sie reichten aber nicht, die Feierlichkeit im innerhalb des Kirchenschiffs aufgebauten Festzelt stattfinden zu lassen, im Angesicht des so wunderbaren Fensters.

"Es mag merkwürdig sein, dass sich ein Verein mit 147 Mitgliedern um einen Ort mit 55 Einwohnern kümmert", sagte Reinhard Leber, Vorsitzender des Vereins Historisches Stavenow. Noch merkwürdiger aber sei es, ein "schwarzes Loch" mit einem restaurieren Fenster zu füllen, wenn noch nicht mal ein Dach auf der Kirche sitzt, die viele schon dem Erdboden gleich sahen. Doch das sei ja erst der Anfang, sagte Reinhard Leber vor den Gästen in der nahen Burg Stavenow.

Dorthin wurden wegen des Sturms die Speisen und Getränke getragen, während das angestrahlte Kirchenfenster in der Dunkelheit alleine weiterleuchtete: Es zeigt die Auferstehung Christi, eine Botschaft. Und diese Botschaft der Auferstehung gelte ebenso für Stavenow, erklärte Superintendent Hans-Georg Furian die tiefere Bedeutung des restaurierten Fensters: "Es eröffnet eine Perspektive für den Ort." Schließlich fehlte Stavenow nach dem Krieg aus Flüchtlingen "zusammengewürfelt" stets die Gemeinschaft, wie Landrat Hans Lange feststellte. Er war seit 1975 und bis 1989 auf dem Arbeitsweg täglich an ihr vorbeigefahren und sah, wie die Kirche, 1726 errichtet und als Patronatskirche dem Staat zugesprochen, zu DDR-Zeiten zusehens verfiel. "Die letzten zehn Jahre haben ihr gut getan", lobte Lange die Initiative des Vereins.

Heute nun sei die Kirche die neue Mitte der Stavenower. Gemeinsame Aufgaben stellt sie genug: Das Schiff muss überdacht werden und der Turm ist zu sichern. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 03. März 2008

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