Die Rettung ist nun zum Greifen nah

Von Jan C. Weilbacher

In drei Jahren hat die Kirche ihren 250.Geburtstag 
In drei Jahren hat die Kirche ihren 250. Geburtstag

Neu Zittau (GMD) Die Kirchengemeinde Neu Zittau hat einen entscheidenden Schritt gemacht. Sie hat nun alle möglichen Fördermittel-Zusagen für die Dorfkirche bekommen. Wenn die letzte finanzielle Lücke bald geschlossen wird, kann im Mai die erforderliche Dachsanierung beginnen.

Die Mitglieder der Kirchengemeinde seien außer sich vor Freude, sagt Pfarrerin Friederike Winter. "Die Fördermittelbescheide sind da." Nun müssten nur noch 12 500 Euro aufgebracht werden. Dann könne die Dachsanierung der Dorfkirche Neu Zittau voraussichtlich im Mai oder Juni los gehen.

Am meisten habe sie die Teilnahme an dem Wettbewerb "Aus 2 mach 3" der Stiftung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba) überrascht, so Friederike Winter. Die Stiftung wurde 1997 von der Evangelischen Kirche Deutschland ins Leben gerufen, um Projekte zu unterstützen, die sich gegen den Verfall von Dorfkirchen stemmen wollen. "Dass wir da reingenommen wurden, ist ein Glück", sagt sie. Es gebe viele Kirchen, die sanierungsbedürftig seien in Ostdeutschland. Honoriert worden sei das besondere Engagement Neu Zittaus und seiner Bürger sowie des Fördervereins. "Es ist die attraktivste Förderung, weil es eigenes Geld vermehrt." Neu Zittau ist eine von 30 Kirchengemeinden, die unter 113 Bewerbungen für "Aus 2 mach 3" ausgewählt wurden. Nun werden eingehende Spenden zum Erhalt der Dorfkirche Neu Zittaus bis zur Höhe von 40 000 Euro im Verhältnis zwei zu drei aufgestockt. Damit werden aus zwei gespendeten Euro für die Renovierung des Kirchengebäudes drei Euro - für die Kirchengemeinde Neu Zittau ein Bonus von 50 Prozent.

"Das ist kein Geschenk", sagt Friederike Winter. Die zugesagten Gelder sollten eher zum Schlussspurt animieren. Sie hoffe, dass es stimulierend wirke, die restlichen finanziellen Mittel im Ort aufzubringen.

Die komplette Dachsanierung kostet 183 000 Euro. Bisher habe man vom Land Brandenburg eine Zusage über 40 000 Euro erhalten, so Winter, daneben wird die Evangelische Kirche etwa 74 000 Euro zuschießen, die Gemeinde Gosen-Neu Zittau 15 000 Euro und der Landkreis 5000 Euro.

Mit den eingeworbenen Mitteln des Fördervereins in Höhe von 30 000 Euro - beispielsweise mit Konzertveranstaltungen - ist die Finanzlücke nach dreijährigem Bemühen um die Sanierung nun überschaubar geworden. "Das ist zu schaffen", gibt sich die Pfarrerin optimistisch. Zumal ein Drittel der fehlenden rund 20 000 Euro die Stiftung Kiba übernehmen würde. "Hier herrscht ein großes Wir-Gefühl", so Winter. Sie hoffe zum einen noch auf große Spenden durch Private und regionale Unternehmen. Zum anderen würden auch weiterhin attraktive Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen zugunsten der Dorfkirche stattfinden.

Ohnehin gebe es zur Sanierung keine Alternative. "Wenn das Dach nicht gemacht wird, kommt es runter", sagt die Pfarrerin. Im Dachstuhl zeige sich jede Menge Schwamm, und das Dach sei undicht. Zudem sei es aufgrund von Schädlingsbekämpfungsmitteln kontaminiert. Dass es die Kirche einmal nicht mehr gibt in Neu Zittau, ist für Friederike Winter schwer vorstellbar. Dem Vikar der Kirchengemeinde, Thomas Schüssler, geht es ähnlich. Wenn die Dorfkirche im Zentrum plötzlich fehle, so sagt er, das wäre wie, wenn jemand den Stöpsel aus der Badewanne ziehe.

Märkische Oderzeitung vom 21. Februar 2008

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