Handlungsbedarf an der Löhstener Kirche

Schiefer Turm mehr und mehr ein Problem

Wer sich der Löhstener Kirche von der Hauptstraße her nähert, wird das Problem gar nicht richtig sehen können. Dazu bedarf es eines Blicks von einem südlichen Standpunkt in Richtung der Straße. «Am besten, man nimmt sich als Anhaltspunkt eine Straßenlampe oder eine Hausecke» , sagt Architekt Lothar Reichenbach, «dann sieht man sehr genau, dass der Turm der Kirche sich neigt.»

Kostenvoranschläge für das «Geraderücken» haben eine Summe von 40 000 Euro ergeben. Im Vergleich zu anderen Sanierungsmaßnahmen ist das eigentlich eine geringe Summe. Aber auch die will erst einmal aufgebracht werden. Pfarrer Martin Miech vermutet sogar, dass wegen des «kleinen» Betrages alle Fördermittelbemühungen bisher fehlgeschlagen sind. «Weder die Denkmalschutzbehörde in Bonn noch die in der Landeshauptstadt in Potsdam hat den Anträgen zugestimmt» , ist er wegen der Ablehnung niedergeschlagen. Seine nächste Hoffnung in Sachen Bauzuschuss ist nun der Kirchenkreis, bei dem er ebenfalls um Mittel für die nötige Sanierung gebeten hat. Architekt Lothar Reichenbach baut zudem auf die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. «Die hat uns in Löhsten schon einmal unter die Arme gegriffen» , erinnert er, «damals ging es um das Auswechseln der Schwellen im Kirchenschiff» .

Der Fachmann hofft, dass die Bauleute noch in diesem Jahr dem Löhstener Kirchturm zu Leibe rücken und sein weiteres Abdriften gen Westen verhindern können. «Das Holz des Fachwerks zur Giebelseite hin ist sehr morsch, deshalb kommt es in der Folge zu Setzungserscheinungen. Auch die Aussteifungen können diesen Prozess nicht aufhalten. Weil bei ihnen einige Hölzer fehlen sind sie zu schwach» , beschreibt er den Mangel, der immer offenkundiger werde und den er im Vorjahr in einer Dokumentation belegt habe.

Man müsse handeln. «Das Fachwerk der Westwand ist komplett zu entkernen und danach zu erneuern und zu reparieren» , beschreibt Reichenbach, was zu machen sei, wenn man die Mittel zusammenbekomme. Eine nicht kleine Summe habe beispielsweise schon Zahnärztin Dr. Gerlinde Schmidt beigesteuert, berichtet Pfarrer Martin Miech: «Sie hat anlässlich eines Empfangs auf Blumen verzichtet und stattdessen um Geld für die Kirchensanierung gebeten, das sie dann gespendet hat.» Dass die Gesamtsumme allein von örtlichen Spendern aufgebracht werde, hält er jedoch für kaum realistisch, weshalb Martin Miech weiterhin auf anderweitige Unterstützung hofft.

Gut zu wissen: Das Gotteshaus

1777 anstelle eines ebenfalls in Fachwerk errichteten Vorgängerbaus aufgeführte Fachwerkkirche mit dreiseitigem Ostabschluss, kleinem Eingangsvorbau im Westen und quadratischen, im oberen Teil oktogonalen Dachturm mit Schweifhaube und Laterne. Große Sprossenfenster mit geradem Abschluss an den Längsseiten. Innenraum mit flacher Putzdecke und zweifarbigem Keramikfliesenfußboden sowie Hufeisenempore und Kastengestühl aus der Bauzeit.

Der Barockbau ist durch seine freistehende Lage von ortsbildprägender Bedeutung. Seine Wirkung wird durch den gegenüberstehenden stattlichen Gasthof, einem Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, unterstrichen.

Lausitzer Rundschau vom 14. Februar 2008

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