Ein neues Zentrum für Bechlin

Förderverein will 700 Jahre altes Gotteshaus sanieren

Die Kirche in Bechlin soll erhalten bleiben, nicht nur als Bauwerk, sondern auch als Begegnungsstätte und Veranstaltungszentrum. Der Förderverein Dorfkirche Bechlin hat sich dieser Herausforderung gestellt und arbeitet aktiv an deren Umsetzung.

Von Jeanette Schäfer

BECHLIN Die Tür öffnet sich mit einem leisen Knarren. Im Gänsemarsch und mit eingezogenem Kopf geht es hinein in eines der ältesten Kirchengebäude der Mark Brandenburg. Die Mitglieder des Fördervereins lieben ihr Gotteshaus.

"Die Kirche wurde um 1300 als Wehrkirche gebaut", erzählt Klaus Kroschewski. "Das erklärt auch die schmalen, hoch eingemauerten Fenster und die bis zu zwei Meter dicken Mauern." Der Vorsitzende des Fördervereins ist engagierter Bechliner und strebt mit seinen Mitstreitern die Sanierung der Kirche an.

Einer der aktivsten in der Kirchengemeinde ist Gerhard "Richie" Neumann. Seine Eltern kümmerten sich um die Erhaltung des Gotteshauses. Nach deren Tod übernahm Richie Neumann diese Aufgabe. Gemeinsam mit dem 2005 gegründeten Förderverein will Neumann das 700 Jahre alte Gebäude wieder auf Vordermann bringen. "Ich bin viele Stellen angelaufen, um Fördermittel zu beantragen, doch alle Stiftungen fordern eine genaue Aufschlüsselung der Kosten." Deshalb haben die Bechliner ein Berliner Bauplanungsbüro beauftragt, eine Instandsetzungskonzeption zu erarbeiten und eine Kostenschätzung vorzunehmen. Klaus Kroschewski führte die Fachleute durch die Kirche, kletterte mit ihnen aufs Dach und in alle Nischen des frühgotischen Bauwerkes. "Es gibt keinen Durchgang vom Kirchenschiff zum Turm", sagt Kroschewski. Das soll sich ändern. Außerdem sollen im Turmbereich Gemeinderäume entstehen. "Wir planen eine Winterkirche mit Küche und WC." Die Gemeinderäume wären die Grundlage für kirchliches Leben und für die Arbeit von Kirchenrat und Förderverein.

Der Förderverein möchte die Kirche neben ihrer Hauptnutzung als Gotteshaus zu einem Zentrum des Dorfes machen. Neben den regelmäßigen Gottesdiensten sind dieses Jahr mehrere Konzerte und ein Familienkinotag geplant.

Im Advent wurde von einigen Bechlinern aus der Schulstraße ein Treffen vor der Kirche mit Gebäck, heißen Getränken und Livemusik organisiert. Der Erlös kam dem Förderverein zugute. "Da kamen viele Dorfbewohner, die lange nicht mehr in der Kirche waren. Und genau die wollen wir erreichen", erklärt Richie Neumanns Frau Ruth, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Mit neuen, attraktiven Räumen könnte die Kirche eine echte Begegnungsstätte werden.

Die Sanierung der Kirche umfasst fünf Bauabschnitte. Die Kosten für die ersten drei (Turm, Schiff und Gemeinderäume) belaufen sich auf etwa 669 000 Euro. Eigenkapital will der Förderverein durch den Verkauf des leer stehenden Pfarrhauses erzielen. "Wir gehen davon aus, dass das Haus 2008 verkauft wird und wir das Geld für die Kirchensanierung nehmen dürfen", sagt Klaus Kroschewski. Er und seine Mitstreiter wollen, dass künftig noch viele Menschen mit eingezogenen Köpfen durch die kleine Kirchentür schreiten können.

Märkische Allgemeine/Ruppiner Tageblatt vom 12. Februar 2008

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