Zur alten Glocke die neue Spitze

Rehfelder Gotteshaus macht gleich zweimal von sich reden / Freitag geht es ganz nach oben

REHFELD - Für die Kirchengemeinde Rehfeld ist der kommende Freitag ein besonderer Tag. Das Richtfest bei der Sanierung des Kirchturmes soll ab 14Uhr gefeiert werden. Die neue Spitze kommt samt Wetterfahne auf den höchsten Punkt des Gotteshauses. Die dazugehörende Kupferkugel soll neben Exponaten der Gegenwartsgeschichte eine Zeittafel bzw. den Abriss der Dorfgeschichte von Rehfeld aufnehmen. Heftiger Sturm hatte 1972 dem Kirchturm stark zugesetzt. Bis dauerhaft Sicherung möglich war, brauchte es viele Spenden.

Die Rehfelder Kirche hat bereits am vergangenen Sonnabend eine Rolle gespielt und zwar in Bad Wilsnack. Mitglieder und Freunde des Förderkreises "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" sowie des Kreises "Wunderblutkirche St. Nikolai Bad Wilsnack" trafen sich in der Bäderstadt. Sie sprachen über Ergebnisse gemeinsamer Forschung und stetig zunehmende Pilgerwanderungen von Berlin nach Bad Wilsnack.

Erste Pilger fanden sich im Dorf Wilsnack ein, nachdem Dorf und Kirche 1383 abgebrannt waren und sich drei blutbefleckte Hostien im Brandschutt fanden. Immer mehr Gläubige erfuhren von den sogenannten Wunderblut-Hostien, sodass von den Pilgerspenden die Kirche bald wieder neu errichtet und danach auch noch erweitert werden konnte. Fortan kamen Besucher aus ganz Europa hierher, um für Heilung und Vergebung zu bitten. Alles wäre so weitergegangen, hätte es nicht die Reformation gegeben, die den Ablass und die Sündenvergebung gegen Geldopfer beendete und die Hostien verbrannte. Nach über 500-jährigem Pilger-Dornröschenschlaf machte sich der Westberliner Wolfgang Holtz noch vor der Wende heimlich auf den Weg nach Bad Wilsnack, um nach dem historischen Pilgerweg und nach Relikten dieser Zeit zu suchen. Nach der Wende entstand mit ihm das Projekt "Wege nach Wilsnack", das Hartmut Kuhne von der Humboldt-Universität koordinierte.

Bei der vorläufigen Bilanz am vergangenen Sonnabend kam man zu dem Schluss: Vieles ist noch zu tun, doch gibt es auch schon vorzeigbare Ergebnisse. Dazu zählt der Fund eines Wilsnacker Pilgerzeichens auf einer Kirchenglocke in Metzelthin. Es belegt den Glockenguss in der Zeit nach 1383.

Und nun kommt wieder Rehfeld ins Spiel. Die hiesige Kirchenglocke ist älter als die Metzelthiner. Allem Anschein nach existierte jene aus dem Kyritzer Ortsteil schon am 27.Mai 1307, als das Kirchenpatronat von Rehfeld an das Kloster Diesdorf vergeben wurde und Rehfeld damit seine Ersterwähnung fand. (Von Manfred Teske)

Märkische Allgemeine vom 06. Februar 2008

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