Stunde der Wahrheit für Gosens Kirche

Von Jan C. Weilbacher

Gosen (GMD) Die Gosener Kirche schläft einen Dornröschenschlaf - so scheint es zumindest. Denn sie wird von den Gosenern kaum genutzt. Das muss sich ändern, sagen Vertreter der Kirchgemeinde und rufen deshalb die Gosener zum Engagement auf. Morgen sollen Ideen zur zukünftigen Nutzung und Renovierung gesammelt werden.

Nach Ansicht von Pfarrerin Friederike Winter schlägt morgen Abend die Stunde der Wahrheit. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der Gosener Kirche. Um 19 Uhr sind alle eingeladen, denen das Gottesgebäude in irgendeiner Art am Herzen liegt. "Ich bin gespannt, ob der Ort sich rufen lässt. Die Bevölkerung ist gefragt", so die Pfarrerin. Es sollen Ideen zur Nutzung, zur Pflege und zur Renovierung des Hauses gesammelt werden. Vor allem geht es Friederike Winter und Vertretern der Kirchengemeinde darum, wieder Leben in die Kirche zu bekommen, die am 26. April 2014 vor 100 Jahren eingeweiht wurde.

"Das kirchliche Leben ist eingeschlafen", sagt Winter. "Die Leute kommen nicht." Konzerte werden kaum besucht, und an Gottesdiensten nehmen in der Regel zwischen drei und zwölf Leuten teil.

Anders als in vielen anderen Brandenburger Orten hat sich in Gosen bislang kein Förderverein gegründet. Die Kirchgemeinde ist mit etwa 200 Mitgliedern recht klein. Es gibt nur wenige Gosener, die sich engagieren für ihr Gotteshaus. Einer von ihnen ist der 44-jährige Christian Schnuppe, der mit anderen Vertretern der Kirchgemeinde die "Krisensitzung" am Freitag im Märkischen Hof organisiert hat. Er will nicht, dass das Leben in der Kirche erlischt. "Es ist das größte Denkmal in Gosen", sagt er. Das Gebäude sei nicht nur eine kirchliche Einrichtung, sondern habe auch mit Kultur und Historie zu tun.

Wenn es nach ihm geht, könnten künftig beispielsweise auch Konzerte, Theatervorstellungen und Lesungen in dem Gotteshaus stattfinden. Auch Friederike Winter kann sich das vorstellen. "Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden", sagt sie. In der Kirche in Neu Zittau gebe es regelmäßig nicht-kirchliche Veranstaltungen. Und mit gut besuchten Veranstaltungen käme dann auch Geld in die Kasse, das für Sanierungsarbeiten genutzt werden könnte. Zwar ist noch alles im Originalzustand erhalten, dennoch gebe es das eine oder andere, was zu tun wäre, sagt Christian Schnuppe. So sind die Wände vom Ruß der Heizung schwarz, und an der Decke fehlt zum Teil der Putz.

Sowohl die Pfarrerin als auch Christian Schnuppe sind zuversichtlich, dass der Abend ein Erfolg wird. Ein erster Schritt könnte sein, dass sich Leute finden, die Interesse zeigen sich zu engagieren, so Schnuppe. Später, so hofft er, gründe sich dann ein Kirchbauverein.

Sollten sich wider Erwarten keine Interessierten finden, hätte das im schlimmsten Fall die Schließung der Kirche zur Folge. Denn wenn sie nicht genutzt werde, so Friederike Winter, könne man sich das Geld für den Unterhalt und die Renovierung nicht leisten.

Märkische Oderzeitung vom 23. Januar 2008

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