Rettung in letzter Minute

Die Sanierung des Selbelanger Gotteshauses lässt auf sich warten

SELBELANG - Die Risse an der Außenwand der St.-Nikolai-Kirche zu Selbelang (Dorfkirche des Monats März 2005) sind schon von weitem zu sehen. Auch drinnen, besonders unter den Fenstern hinter dem Altar, sieht es nicht besser aus. "Selbst eine der 2006 zu Kontrollzwecken eingesetzten Gipsmarken hat schon einen Spalt", erklärt Erich Wallbaum. Der Vorsitzende des im März 2005 gegründeten "Fördervereins Dorfkirche Selbelang e.V." ist besorgt wegen des sich stetig verschlechternden Zustandes des denkmalgeschützten Gotteshauses. "Ich kann nur hoffen, dass in diesem Jahr die Fördermittel kommen und das Sanierungskonzept umgesetzt werden kann", ergänzt der Rentner.

Nachdem der inzwischen 27 Mitglieder starke Förderverein bereits Ende 2005 öffentlich Alarm geschlagen hatte, konnte die Kirchengemeinde Retzow, Ribbeck, Selbelang im Folgejahr trotz ausbleibender Zuschüsse wenigstens eine Notreparatur finanzieren. Zwei neue Balken im Dachstuhl halten das Holzgebilde jetzt besser zusammen. "Die Wand neigt sich vom Kirchenschiff weg, was wohl mit dem Dachstuhl zusammenhängt", vermutet Erich Wallbaum. Konstruktionsfehler seien wahrscheinlich die Ursache für die vielen Risse.Im Auftrag der Kirchengemeinde erarbeitete das Ribbecker Architektenbüro PHA für das Gebäude ein Sanierungskonzept, was seit April 2007 fertig ist. "Vorgesehen sind drei Bauabschnitte bis 2010", erklärt Architekt Arndt Hermann gegenüber der MAZ. Im ersten soll in diesem Jahr die Apsis, im zweiten das Kirchenschiff und im dritten der Turm instandgesetzt werden. Wichtig sei, die Fäulnis in den Dachbalken zu stoppen beziehungsweise zu verhindern, so der Architekt weiter.

"Weil mehrere Fördermittelgeber angeschrieben wurden darunter die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz und an die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland rechne ich erst im Frühjahr mit einer Entscheidung", so Hermann. Zu den benötigten etwa 250000Euro steuern sowohl der Kirchenkreis Nauen-Rathenow, die Kirchengemeinde als auch der Förderverein einen Eigenanteil bei.

Unabhängig von der Sanierung des Gebäudes hat der Förderverein ein weiteres Ziel vor Augen. "Die alte Orgel, bei der schon diverse Pfeifen fehlen und auch sonst viel kaputt ist, soll möglichst wieder zum Klingen gebracht werden. Auf etwa 30000Euro schätzt Erich Wallbaum die Kosten. Dafür einen Sponsor zu finden werde sehr schwer, weiß der Selbelanger. Aber es gebe bereits erste Kontakte, die Anlass zur Hoffnung geben.

info Wer helfen will, kann sich bei Erich Wallbaum unter (033237) 89360 melden. (Von Jens Wegener)

Fakten über die St.-Nikolai-Kirche

Der älteste nördliche Teil der kleinen Backsteinkirche entstand 1440. Im Laufe der Jahrhunderte kam es zu einigen baulichen Veränderungen an dem Gebäude.
Erst 1749 ist der barocke Turm mit seiner schiefergedeckten Haube hinzugekommen.
Größere Spitzbogenfenster wurden 1862 eingebaut, weil die Gottesdienstbesucher immer wieder mehr Licht in der Kirche gefordert hatten. Die glatte Holzdecke wurde durch ein vierteiliges Kreuzrippengewölbe ersetzt.
Im Innern der Kirche finden sich kleine Schätze. So zum Beispiel der prächtige, barocke Portikusaltar von 1717. Er ist mit Heiligenfiguren ausgestattet, die aus der Gotik stammen.
Hier deutete man vier der Skulpturen durch Anbringen am Kanzelkorb zu Evangelisten um, eine weitere wurde im Mittelfeld des Kanzelkorbes durch das Hinzufügen einer Weltkugel zur Christusfigur. Weitere Plastiken sind dank ihrer Beigaben als Apostel zu erkennen.
Eine Restaurierung im Jahre 1995 gab dem Kunstwerk seine originale Farbe zurück.
Die leider defekte Orgel stammt von dem Wagner-Schüler Friedrich Marx aus dem Jahre 1804.
Sehenswert sind auch der hölzerne Kronleuchter und das Taufbecken.

Märkische Allgemeine vom 23. Januar 2008

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