Kirche mit Leben erfüllen

Von Iris Stoff

Haben viele Ideen die für Spendenaktion 
Haben viele Ideen die für Spendenaktion: Helga Obitz, Holger Ackermann, Resel Fiedler und Eva Gödicke (von links) engagieren sich in der Arbeitsgruppe zur Förderung der Kirche Groß Schauen.

Groß Schauen (MOZ) Die Sanierungsarbeiten an der denkmalgeschützten, mittelalterlichen Fachwerkkirche in Groß Schauen stehen kurz vor dem Abschluss. Parallel dazu wird mit einer Spendenaktion versucht, Geld für einen Nachguss der fehlenden zweiten Glocke zu beschaffen.

Nachdem Dach und Außenwand des Kirchenschiffes erneuert wurden, war im Vorjahr der hölzerne Anbau mit Glockenturm an der Reihe. Dort wird in Kürze die kleine Glocke wieder ihren Platz finden. Eine Initiative engagierter Leute kümmert sich zudem darum, dass sie bald wieder "Gesellschaft" bekommt.

Jahrhundertelang ertönten in der Fachwerkkirche von Groß Schauen stets zwei Glocken, bis die größere der beiden im ersten Weltkrieg abgebaut und abgeliefert werden musste. "Als die Sanierung des Kirchendaches anstand, hatten wird die Idee, in diesem Zuge doch gleich wieder eine zweite Glocke einzubauen", schildert Ortsbürgermeister Holger Ackermann. In der historischen Literatur fanden sich recht detaillierte Angaben zu der jetzt fehlenden Glocke. "Fachleute konnten so nachvollziehen, welchen Klang sie gehabt haben muss", sagt Holger Ackermann. Anhand einer Computersimulation sei eine CD erstellt worden.

Die Groß Schauener fuhren in die Kunstgießerei nach Lauchhammer und ließen sich Angebote für eine Glocke in den Tönen cis und h machen. Auf einer Zusammenkunft konnten die Bürger dann entscheiden, ob sie überhaupt wieder eine zweite Glocke für ihre Kirche haben wollen und sich für eine Klangvariante entscheiden. Auch die Einwohner aus Philadelphia waren eingeladen, denn der Glockenklang schallt bis dorthin, und die Leute aus dem Nachbarort sind schon seit Generationen mit der Kirche in Groß Schauen verbunden. "Die Anwesenden haben sich dafür ausgesprochen, die fehlende Glocke zu ersetzen und favorisierten den etwas tieferen h-Ton", schildert Ortsbürgermeister Holger Ackermann.

Um das Geld dafür aufzubringen, wurde eine Spendenaktion gestartet. Den Aufruf dazu unter schrieben neben Holger Ackermann auch der Ortsbürgermeister aus Philadelphia, Klaus Hohmann, und der damalige Pfarrer Karl-Heinz Rottmann. Bei allen sich bietenden Anlässen wird seitdem für die neue Glocke gesammelt. Mittlerweile befinden sich schon an die 1000 Euro im Spendentopf. "Benötigt werden etwa 8000 Euro", sagt Holger Ackermann und fügt hinzu: "Wenn wir 9000 Euro hätten, dann würden die Glockengießer sogar herkommen und die Glocke an Ort und Stelle in der Erde gießen."

Um die Spendenaktion voranzutreiben, hat sich nun eine Arbeitsgruppe gegründet, in der sich elf Leute engagieren. "Ich mache hier mit, weil ich mich der Kirche sehr verbunden fühle", sagt Resel Fiedler aus Philadelphia. Auch Eva Gödicke, die erst vor einem halben Jahr aus Leipzig zu ihren Kindern nach Groß Schauen gezogen ist, gehört zu der Runde. "Für die Glocke mache ich gerne mit."

Schon auf der ersten Zusammenkunft seien Vorschläge für tolle Aktionen zusammengetragen worden. So gab es bereits einen Weihnachtsbasar mit Kaffee und Kuchen in der Kirche, wo die Kita-Kinder ein Programm zeigten und anschließend mit dem ehemaligen Storkower Kantor Wolfgang Kahl gesungen wurde. Geplant sind ein Dia-Vortrag mit der Naturwacht, ein Sommerfest und ein Apfelkuchennachmittag. "Dort können Apfelkuchen nach den verschiedensten Rezepten verkostet werden und außerdem wollen wir einen Spezialisten einladen, der alte Apfelsorten bestimmen kann", erklärt Holger Ackermann. Und er weist noch auf einen nicht unwichtigen Aspekt dieser Aktivitäten hin: "Ziel ist auch, unsere schöne Kirche nicht nur für den Gottesdienst zu nutzen, sondern sie wieder mit Leben zu erfüllen."

Spenden können eingezahlt werden an die EDG Berlin, BLZ: 10 060 237, Konto: 17 777 919, Verwendung: Glockenspende Groß Schauen

Märkische Oderzeitung vom 12. Januar 2008

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