Wie Frank Henschel durch Spenden-Ideen andere optimistisch macht

Ein Stück Forster Heimat

Die Stadtkirche ist für ihn nicht nur eines der drei Forster Wahrzeichen, sondern «ein Stück Heimat» . Für dieses Stück Heimat setzte sich Frank Henschel seit mehr als einem Jahr in der Öffentlichkeit ein, stellte Verbindungen her, forcierte Ideen, hielt die Aufmerksamkeit wach für die «100 000-Euro-Spendenaktion» und sieht sich doch nur als ein Teil des Ganzen: «Jeder hat seine Gaben.» Mit Erreichen des Spendenzieles ist die ehrenamtliche Arbeit des stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchbauvereins «Freundeskreis St. Nikolai» noch nicht getan. Jetzt stelle sich die Frage, wie St. Nikolai eine einladende Stadtkirche werde, so der 40-Jährige.

Frank Henschel steht für die Spendensammlung zur Sanierung der Forster Stadtkirche 
Frank Henschel steht für die Spendensammlung zur Sanierung der Forster Stadtkirche.
Foto: Jürgen Scholz

Als mit dem Brandenburg-Tag vor fast anderthalb Jahren der Startschuss für die Spendensammlung fiel, betrat Frank Henschel eine öffentliche Bühne. Der Diplom-Sozialarbeiter ist stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreis St. Nikolai, der sich zum Ziel gemacht hat, Spenden für die Sanierung der evangelischen Stadtkirche zu akquirieren und auch jene außerhalb der Kirchengemeinde dafür zu begeistern. Henschel ist Mitglied im Gemeindekirchenrat, im Vorstand des Trägervereins der Evangelischen Grundschule Forst, singt im Gospelchor und war ein Jahr ehrenamtlicher Geschäftsführer des evangelischen Kindergartens. Sein Engagement hänge damit zusammen, «dass es meine Gemeinde ist, mit Menschen, die ähnliche Glaubensvorstellungen haben und wo ich mich wohlfühle» , erklärt Henschel. «Dann kommt man irgendwann dazu, Verantwortung zu übernehmen.» Und zwar als das, was im Sport Mannschaftsspieler genannt wird. «Jeder hat seine Gaben» , sagt Henschel. Der Vorsitzende Andreas Hammer decke beispielsweise den bürgerlichen Altforster Bereich ab, so Henschel: «Was den bürokratischen Teil angeht, hält er mir den Rücken frei, und ich kann eigene Ideen produzieren.»

Ideen gab es in der zurückliegenden Zeit viele. Henschel sprach Unterstützer und Helfer an, hielt Kontakte, gebar Ideen und verwarf welche, hörte sich andere an, bereitete Veranstaltungen vor und nach, pflegte dabei den Internetauftritt www.freundeskreis-st-nikolai.de und war Ansprechpartner für Medien sowie Spendensammler. Das alles durchschnittlich eine Stunde täglich, schätzt er. Eine Aktion jagte über Monate die andere, und in nur knapp über einem Jahr war das 100 000-Euro-Spendenziel, das der ursprünglichen Finanzlücke für die Außensanierung der Kirche entsprach, erreicht. «Es war ständig so von Erfolg gekrönt, dass kaum Ruhe dazwischen kam» , erzählt Henschel und ist sich nicht sicher, «ob wir jeden die Anerkennung haben zukommen lassen, die wir ihm zukommen lassen wollten» . Der Erfolg sei schön gewesen. «Aber wichtiger war zu sehen, dass so viele Menschen Interesse daran haben.» Traurig stimme, wenn das Ergebnis Neider auf den Plan rufe. «Es geht nicht darum, weiter Spenden zu sammeln, um die Kirche reich zu machen» , sagt er über weitere Aktivitäten, «sondern um sie zu öffnen.» Die touristische Öffnung halte er für ein spannendes Thema, sagt Henschel, der sich freut, dass auch die Musikschule nun Konzerte in der Kirche veranstalte.

Er selbst habe durch die Aktion einen unglaublichen Optimismus gewonnen, «zu erleben, was einfach möglich ist. Es macht Hoffnung, dass die Leute an ihrer Stadt hängen und noch nicht aufgegeben haben.» Eine Zuversicht, die Henschel nicht mehr hatte, als sich eine Zusage des ehemaligen Bürgermeisters zur Finanzierung des evangelischen Kindergartens nach dessen Abwahl zerschlug. Jetzt hat Henschel wieder den «Optimismus, dass man in Forst noch viel erreichen kann» . Und diesen Optimismus hat die Aktion vielen in Forst gegeben.

Lausitzer Rundschau vom 04. Januar 2008

   Zur Artikelübersicht