Neue Dacheindeckung kostet mindestens 70 000 Euro

«Henriette» undicht

Die Sanierung der 102 Jahre alten Henriettenkirche liegt dem Förderverein Annahütte-Lausitz besonders am Herzen. Seit seiner Gründung vor zehn Jahren treibt der Verein die Restaurierung voran. «Wenn es den Verein nicht gäbe, hätten wir längst keine Kirche mehr im Ort» , so Bürgermeister Horst Pawlik. Die 20 Vereinsmitglieder sorgten dafür, dass die Ziermauern wieder hergestellt, die Sakristei neu eingedeckt und die rosettenförmigen Bleiglasfenster rekonstruiert wurden. Jetzt aber scheint der Verein vor seiner bisher größten Herausforderung zu stehen: «Henriette» braucht dringend ein neues Dach.

Annahütte-Lausitz 
Der ehemalige Bergmann Friedhelm Noack (68) hat den Hut im Förderverein Annahütte-Lausitz auf. Die immer größer werdenden Wasserflecken auf den verzierten Seitenflächen der Henriettenkirche lässt den geborenen Annahütter Sturm laufen.
Foto: Steffen Rasche.

Friedhelm Noack, der Vorsitzende des Fördervereins, zeigt mit ausgestrecktem Arm auf die deutlich sichtbaren Wasserflecken hoch oben am Gewölbe. Jeder Regentropfen lässt die Flecken größer «aufblühen» . Das Wasser rinnt die Wandkehle hinunter. An den Seitenwänden bilden sich gelb-braune Flecken. Kein schöner Anblick inmitten der komplett neuen Innenmalerei. «Wenn hier nicht schnell etwas passiert, dann wird der Schaden immer größer» , zeigt sich der 68-Jährige Bergmann besorgt.

Die Kirche – und das ist in der Region eine absolute Besonderheit – ist Eigentum der Gemeinde Schipkau. Das Dach des roten Backsteinbaus im Stil der Neogotik ist so alt wie die 1905 erbaute Kirche selbst. Eine Neueindeckung hat es nie gegeben. Schon bei der Sanierung von Fassade und Innenraum Mitte der 90er-Jahre war die Dachhaut so kaputt, dass es durchregnete. Weil das Geld damals nicht reichte, konnten lediglich Reparaturarbeiten ausgeführt werden, um das Schlimmste zu verhindern. Die vielen gerissenen Ziegel, so erinnert sich Friedhelm Noack, konnten deshalb nicht ausgewechselt werden. Sie bekamen nur einen plastischen Überzug. Der Zahn der Zeit hat in der Zwischenzeit weiter genagt. Durch zahlreiche undichte Stellen kann das Regenwasser eindringen. Erst gestern gab es eine Begehung des Dachstuhls mit der Denkmalbehörde, einem Fachmann für Holzschutz und einem Dachdecker, um die Schäden aufzunehmen. Nach einem ersten Angebot kostet ein neues Dach für die Henriettenkirche mindestens 70 000 Euro, bestätigt Simone Herrmann aus dem Bauamt der Gemeinde. Diese Summe aufzubringen, ist ein gewaltiger Kraftakt. Einen Teil des Geldes hat die Gemeinde in den Haushaltsansatz für 2008 eingestellt. Der Förderverein ist dabei, Gelder anzusparen und Spenden aufzutreiben. Dazu kommen Fördermittel des Landes sowie Privatspenden wie die eines Heye-Nachfahren, der sich großzügig zeigt, wenn es um das Wohl der Kirche geht.

Sie zu erhalten, ist für die Annahütter ein Herzensbedürfnis, weil die Kirche fest zum kulturellen Leben im Ort gehört. Viele Konzerte beleben jährlich das Gotteshaus. Das nächste ist ein Akkordeon-Konzert am 9. März 2008 mit einer Künstlerin aus Jena.

Lausitzer Rundschau vom 13. Dezember 2007

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