Hermsdorfer wollen es wieder läuten hören / Kirchbauverein will 155 000 Euro sammeln

Gotteshaus fehlt die Spitze

Den fehlenden Kirchturm wieder aufzubauen, ist der größte Wunsch der Hermsdorfer. Ob bei Taufe, Konfirmation, Hochzeit oder Beerdigung – im kleinen Dorf bleibt es in guten wie in schlechten Zeiten still. Die Hermsdorfer wollen es aber endlich wieder läuten hören. Der neu gegründete Kirchbauverein will dafür Spenden einsammeln. 155 000 Euro soll der Bau kosten. In spätestens fünf Jahren soll die Spendensumme auf dem Tisch liegen.

Die beiden Kirchenglocken stehen ohne Verwendung im Gotteshaus 
Die beiden Kirchenglocken stehen ohne Verwendung im Gotteshaus. Bauer Zschieschang hatte sie einst gespendet. In sicherer Verwahrung befindet sich auch die alte Kirchturmuhr. Der fehlende Kirchturm von Hermsdorf soll wieder aufgebaut werden. Der neu gegründete Kirchbauverein stellt das ehrgeizige Vorhaben heute beim Adventskonzert erstmals vor.

Reinhard Noack aus Lipsa, der frisch gewählte Vorsitzende des neu gegründeten Kirchbauvereins, zeigt auf alte, vergilbte Fotos. Damals erhob er sich noch mächtig über dem Kirchenschiff, der Glockenturm, der sogar von Jannowitz und Lipsa aus gut erkennbar war. Heute müssen Fremde die Kirche suchen, weil dem Gotteshaus die Spitze fehlt.

Die Hermsdorfer haben sich niemals damit abfinden können, dass ihre Kirche seit dem Abriss des baufälligen Glockenturms Ende der Achtziger Jahre nicht mehr komplett ist. «Wir wollen unseren Turm zurück» , hieß es immer wieder im Gemeindekirchenrat. Christine Bergmann, die sich in Hermsdorf um das Gotteshaus und den Friedhof kümmert, kann das nur bestätigen. Obwohl das Mauerwerk von Rissen übersät ist, der Putz bröckelt und das Kirchendach schon 1000-mal geflickt sei, stehe der Wiederaufbau des Kirchturms für die Dorfbewohner an allererster Stelle. Verworfen ist auch der Anfang 2000 angedachte Bau eines freistehenden Glockenturmes neben der Kirche. «Dann wären die Glocken zwar zu hören, aber zu sehen wäre sie immer noch nicht» , verteidigt Pfarrerin Christina Schwedusch das Vorhaben.

Sind 155 000 Euro nicht eine gewaltige Nummer zu groß für das 900-Seelen-Dorf? «Das schaffen wir» , verbreitet Reinhard Noack Optimismus. «Was die Kroppener zur Rettung ihrer Kirche im Nachbardorf geschafft haben, bekommen wir auch hin.» Der Auftakt zur großen Spendenaktion für den Hermsdorfer Glockenturm wird heute um 17 Uhr beim Adventskonzert in der Kirche gegeben. Dabei wird der Kirchbauverein erstmals das ehrgeizige Projekt vorstellen und um Spenden werben. «In fünf Jahren wollen wir das Geld zusammen haben» , blicken der Vereinsvorsitzende und die Pfarrerin in die Zukunft.

Lausitzer Rundschau vom 01. Dezember 2007

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