Platten erinnern an Gefallene des Ersten Weltkriegs / Schon vor dem Zweiten Weltkrieg von der Forster Kirche entfernt

Kirchbauverein will Tafeln wieder zu Gedenken anbringen

Forst. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Stadtkirche stößt der Kirchbauverein auf neue Projekte.

Die Gedenktafeln sollen gesäubert, ergänzt und in der Kirche aufgehangen werden 
Die Gedenktafeln sollen gesäubert, ergänzt und in der Kirche aufgehangen werden. Jürgen Meissner, Frank Henschel, Frank Leopold und Harald Bertke (von links nach rechts) vergleichen Bruchstücke und alte Fotografien.

Das neueste: Möglichst viele Teile der zehn Gedenktafeln, die einst neben der Piéta an der Nordwand hingen, sollen wieder gesammelt, gesäubert, ergänzt und in der Kirche aufgehangen werden. Einige Tafeln und Fragmente hat der Bauunternehmer Ullrich Dunkel gesichert und dem Verein zur Verfügung gestellt. Frank Henschel, Jürgen Meissner und Harald Bertke vom Kirchbauverein präsentierten die Reste gestern.

Für rund eine Million Mark wurden die Steinplatten nach den Recherchen des Kirchbauvereins im Inflationsjahr 1922 hergestellt, an der Nordseite der Kirche angebracht und schon vor dem Zweiten Weltkrieg wieder entfernt. Die Motive für die Abnahme sind unklar. Meissner vermutet die Sanierung der Kirche im Jahr 1938 als Auslöser. Henschel verweist auf eine «Arbeitsthese» , wonach unter den etwa 960 Gefallenen zu viele Juden gewesen seien. Die Platten seien auf einem Kirchengelände an der Wiesenstraße gelagert und teilweise als Bodenplatten in einem Wirtschaftsgebäude genutzt worden, so Meissner. Einige hätten auf einem Schutthaufen gelegen.

Neben den Teilen, die Dunkel gesichert hat, lägen zwei weitere Platten und Bruchstücke als Weg in einem Forster Privatgarten, erklärte Bernd Lehmann. Lehmann, der leitender Mitarbeiter bei der Gebäudereinigungsfirma Helbeck ist, erklärte, dass beide Unternehmen die bekannten Steine gerne zur Verfügung stellen und reinigen lassen würden.

Henschel vermutet, dass etwa die Hälfte der Tafeln damit gefunden wären. Der Verein suche nach weiteren Resten oder Detailfotos. Die Listen sollen mit modernem Material wie Plexiglas ergänzt und voraussichtlich im Aufgang der Kirche aufgehangen werden. Der Verein hoffe auf die Unterstützung der Nachfahren für «einen würdigen Ort des Gedenkens und Bedenkens» , so Henschel. (js)

Spenden: Kirchbauverein Freundeskreis St. Nikolai, Konto 3402113200, BLZ 18050000, Sparkasse Spree-Neiße, Kennwort: «Denkmal»

Lausitzer Rundschau vom 14. November 2007

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