Acht Jahre war die Kirche des Ortes in Märkisch-Oderland eine Baustelle / 1,5 Millionen Euro flossen in die denkmalgerechte Sanierung

Schinkels Sternenhimmel leuchtet in Neuhardenberg

Christa Starke kennt sich aus am Sternenhimmel. Sobald ihr jemand Koordinaten nennt, trifft die 71-Jährige nach wenigen Sekunden mit dem Laserpointer zielsicher auf den richtigen Stern.

Und das ist angesichts von 6262 größeren und kleineren Himmelskörpern an der Kirchendecke der Neuhardenberger Schinkel-Kirche gar nicht so einfach.

Doch wenn die Sternenpaten kommen, um ihr himmlisches "Patenkind" im Original betrachten zu können, ist Starke in ihrem Element. Schließlich hat die frisch gebackene Trägerin der Bundesverdienstmedaille in den vergangenen Jahren rund 4400 Sternenpatenschaften in alle Welt vermittelt. Unter dem Motto "Wählen Sie Ihren Stern" waren die gemalten und teilweise vergoldeten Himmelskörper für 80 bis 1500 Euro symbolisch verkauft worden. "Für viele Interessenten war das ein originelles Geschenk, erwarben sie damit doch ein Stück des von Schinkel gestalteten Sternenhimmels", sagt Starke.

Anlehnung an "Zauberflöte"

Der berühmte preußische Baumeister hatte die bei einem Brand stark ramponierte Neuhardenberger Kirche im Auftrag von Staatskanzler Carl August von Hardenberg 1817 umgebaut. In Anlehnung an sein Bühnenbild für Mozarts "Zauberflöte" am Berliner Schauspielhaus machte Schinkel aus der Kirchendecke einen Sternenhimmel, die strahlenförmige Anordnung der Sterne vermittelt den optischen Eindruck einer Wölbung. Dank der ungewöhnlichen Sternenpaten-Spendenaktion kamen rund 250 000 Euro zusammen, die der Förderverein dringend für die Innensanierung des Gotteshauses im Schatten des geschichtsträchtigen Neuhardenberger Schlossensembles benötigte.

1998 war der Verein angetreten, die schwammbefallene Kirche mit den feuchten Außenwänden vor weiterem Verfall zu retten. "Wir wollten dabei wieder so nah wie möglich ran an das Schinkelsche Original", erklärt Uwe Rosenberg, Chef des Fördervereins. Hatten restauratorische Voruntersuchungen doch bereits analysiert, dass der Sakralbau seit 1817 mehrfach umgestaltet worden war. Acht Jahre lang war die Neuhardenberger Kirche dann eine Baustelle, insgesamt rund 1,5 Millionen Euro flossen in die denkmalgerechte Schönheitskur, die am Reformationstag mit Festgottesdienst und Empfang ihren feierlichen Abschluss finden soll.

Bis auf ein paar Restarbeiten an Altar-Leuchtern und dem Taufbecken ist in der Kirche alles fertig geworden und erstrahlt wie zu Schinkels Zeiten. Die Orgel spielt wieder, die hölzerne Kanzel droht nicht mehr abzustürzen, die über Jahre verschollenen Bleiglasfenster der Emporen-Flügeltüren haben ihren angestammten Platz wieder, der nachträglich eingebaute Mittelgang zwischen den Kirchenbänken ist verschwunden.

Letzte Arbeiten an Altarwand

Zu den letzten Arbeiten gehörte die Sanierung der Altarrückwand, deren markante schwarz-ockerfarbene Marmorierung irgendwann einmal einfach übermalt worden war. Emporen, Seitenwände und Bänke erstrahlen jetzt wieder in markantem Altrosa, dem Schinkelschen Original. Die zwei freigelegten Übermalungen sind in einer Ecke zumindest als Fragment erhalten.

Städtebau-Fördermittel sowie Gelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz waren in die Restaurierung der Außenhülle geflossen. Für die Innensanierung standen jedoch kaum noch öffentliche Gelder zur Verfügung. "Da mussten wir uns etwas einfallen lassen", sagt Rosenberg. Knapp 100 000 Euro steuerte die Reemtsma-Stiftung bei, doch die reichten bei Weitem nicht aus. Der Schinkelsche Sternenhimmel war in den vergangenen Jahren der Publikumsmagnet für Besucher und potentielle Spender.

"Die Leute kamen jedes Jahr wieder, um sich vom Fortgang der Sanierungsarbeiten zu überzeugen und zugleich bei ihrem Stern vorbei zu schauen", erinnert sich Rosenberg. Auch die inzwischen berühmte Kirchendecke war zweimal neu gestaltet worden, bei der aktuellen Restaurierung kamen weit mehr Sterne wieder zum Vorschein, als ursprünglich angenommen.

Lausitzer Rundschau vom 03. November 2007

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