Sterne über Neuhardenberg

Sanierung der Schinkelkirche abgeschlossen / Gottesdienst am 31. Oktober

JEANETTE BEDERKE

NEUHARDENBERG Es gibt wohl selten eine Kirche, bei deren Betreten Besucher fast automatisch nach oben schauen. Doch der gemalte Sternenhimmel an der Decke der Neuhardenberger Schinkelkirche ist inzwischen so berühmt, dass Schaulustige deshalb in den Ort am Rande des Oderbruchs reisen. "Unser Gotteshaus ist gewissermaßen der Leuchtturm in Neuhardenberg. Viele Besucher kommen jedes Jahr wieder", erzählt Uwe Rosenberg, Vorsitzender des Kirchen-Fördervereins.

Die meisten wollen sich vom Fortgang der Sanierungsarbeiten an dem 1817 eingeweihten Sakralbau überzeugen, der einst auf Geheiß von Staatskanzler Carl August von Hardenberg vom berühmten Preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel umgebaut worden war. Als Vorlage für die Kirchendecke soll ihm ein Bühnenbild gedient haben, das Schinkel selbst zu Mozarts "Zauberflöte" entworfen hatte. Durch die strahlenförmige Anordnung der 6262, teilweise vergoldeten Sterne erhält der Betrachter den Eindruck, als wölbe sich der in verschiedenen Blautönen gestaltete Himmel nach oben.

Dank der Sterne hatte der Förderverein der Kirche knapp 250 000 Euro Spenden einwerben können, die der Sanierung zugute kamen. Unter dem Motto "Wählen Sie Ihren Stern" begann eine erfolgreiche Geldbeschaffung. 80 bis 1500 Euro kostet je nach Größe und Vergoldung des Sterns eine Patenschaft. Dafür erhält der Pate die entsprechenden Koordinaten, um bei einem Besuch in der Schinkel-Kirche sein Patenkind an der Decke auch finden zu können. Zertifikate werden nur einmal pro Stern ausgegeben.

Vor neun Jahren hatte sich der Förderverein gegründet, ein Jahr später begannen die Sanierungsarbeiten zur Rettung des schwammbefallenen Gotteshauses. "Nebenan lief bereits seit zwei Jahren die umfangreiche Restaurierung des Neuhardenberger Schlossensembles", erinnert sich Uwe Rosenberg. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung investierte 60 Millionen Euro in die geschichtsträchtigen klassizistischen Bauten, die zu den schönsten Herrenhäusern der Mark zählen. Die Schinkel-Kirche jedoch gehörte nicht mit zum Projekt. "Das konnten wir als Neuhardenberger einfach nicht mit ansehen", sagt der Vereinschef.

Noch heute ist er stolz darauf, dass mit dem Ende der Schlosssanierung im Mai 2002 auch die Außenhülle der Kirche trocken gelegt war und in neuem Glanz erstrahlte. Städtebau-Fördermittel sowie Gelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz waren geflossen. Für die Innensanierung standen jedoch kaum noch öffentliche Gelder zur Verfügung. "Da mussten wir uns etwas einfallen lassen", sagt Rosenberg. Knapp 100 000 Euro steuerte die Reemtsma-Stiftung bei, doch die reichten bei weitem nicht aus. Die Koordinatorin der Sternpatenschaften, Christa Starke, konnte gut 4400 Sternenkarten in alle Welt verschicken. "Inzwischen sind nur noch die Sterne für 800 und 1500 Euro übrig. Dafür bekommt der Pate aber gleich eine Sternengruppe", erzählt die 71-Jährige. Für ihr Engagement ist die Neuhardenbergerin in diesem Jahr mit der Bundesverdienstmedaille geehrt worden.

Bis auf ein paar Restarbeiten an den Altar-Leuchtern und dem Taufbecken ist in der Kirche alles fertig geworden und erstrahlt wie zu Schinkels Zeiten. Die Orgel spielt wieder, die hölzerne Kanzel droht nicht mehr abzustürzen und die über Jahre verschollenen Bleiglasfenster der Emporen-Flügeltüren haben ihren angestammten Platz wieder. Insgesamt 1,5 Millionen Euro flossen nach Angaben des Fördervereins in die denkmalgerechte Schönheitskur. Zu den letzten Arbeiten gehörte die Sanierung der Altarrückwand, deren markante schwarz-ockerfarbene Marmorierung irgendwann einmal einfach übermalt worden war. Zweimal war die Schinkelsche Fassung an Emporen, Bänken und Seitenwänden im Laufe der Zeit übermalt worden, jetzt dominiert wieder das Original in kräftigem Altrosa.

Mit einem Festgottesdienst in der Kirche und einem Empfang in der Schloss-Orangerie wird die geglückte Sanierung am Reformationstag gefeiert. Unter den Gästen werden auch viele Sternenpaten sein, selbst aus New York hat sich ein Ehepaar angemeldet.

Märkische Allgemeine vom 27. Oktober 2007

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