Wenn Engel sich die Köpfe stoßen

In Buchow-Karpzow wird die Dorfkirche saniert / Zu Weihnachten sollen im Turm die Glocken wieder läuten

ANKE FIEBRANZ

BUCHOW-KARPZOW War das eine Aktion! Selbst erfahrene Zimmerleute wie Frank Näpelt schwitzten dieser Tage in Buchow-Karpzow vor Aufregung. Dort rückten die Fachmänner der Geltower Holzfirma den Kirchturm zurecht. Sie mussten, sonst wäre er wohl in nicht allzu ferner Zukunft umgekippt.

"Zur Straßenseite hin war er 23 Zentimeter aus dem Lot", sagt Polier Näpelt. "Schiefer als der Turm von Pisa", wirft Harald Schöne, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Buchow-Karpzow ein. Jedenfalls wurde der Turm mit Seil- und Kettenzügen und Topfwinden gerade gerückt. Zentimeter um Zentimeter.

Dass die Sanierung des Kirchturmes nicht einfach sein würde, war schon vorab allen klar. 1945, in den letzten Kriegstagen, war dort eine russische Granate eingeschlagen geflickt wurde nur notdürftig. Jahrzehntelang tat sich nicht viel. Das hinterließ Spuren im Gebälk, das nun saniert wird. Hier zeigten sich einige Tücken seit dem Beginn der Arbeiten im August. "Es hat sich herausgestellt, dass nicht zwei, sondern 28 Meter ausgewechselt werden müssen", sagt Frank Näpelt. Das alte, morsche und teilweise feuchte Holz wird gerade ersetzt.

Bei aller Freude, dass die Arbeiten vorangehen die unvorhergesehenen Schwierigkeiten bereiten Harald Schöne ein bisschen Kopfschmerzen. Schließlich wird die Turmsanierung dadurch teurer. Um wie viel, weiß Schöne, der auch Chef des Kirchbau- und Fördervereins Buchow-Karpzow ist, noch nicht. Verein und evangelische Kirchengemeinde haben jahrelang auf die Restaurierung des unter Denkmalschutz stehenden Gotteshauses hingewirkt.

Das Bauwerk stammt in seiner jetzigen Form wohl aus dem Jahr 1678. Auch früher muss dort schon eine Kirche gestanden haben, das Feldsteinfundament deutet darauf hin. Vermutlich wurde sie im 30-jährigen Krieg zerstört und später wieder aufgebaut. Im Laufe der Zeit hat sich immer mal wieder was verändert.

Vor 1945 kümmerte sich die Familie von Bredow um die Instandhaltung. An sie erinnert der kleine Friedhof vor der Kirche. Dort steht auch ein Grabstein für den letzten Gutsbesitzer Hasso von Bredow. "Nach seiner Enteignung wohnte er in Westberlin. Mit Sondergenehmigung wurde er nach seinem Tod 1954 auf dem Kirchhof Buchow-Karpzow begraben", erklärt Harald Schöne.

Er führt durch die Kirche, in der eine funktionstüchtige Orgel mit reichem Schnitzwerk steht. Ursprünglich 1723 von David Baumann erbaut, wurde das Instrument 1956 von Alexander Schuke umfangreich überarbeitet. Rechts und links auf dem Orgelprospekt sitzen Engel. Sie stoßen sich derzeit die Köpfe an der Decke die hat sich abgesenkt und muss auch erneuert werden. "Die Kirchturmsanierung ist der erste Bauabschnitt, im zweiten werden Fassade, Kirchenschiff, Dach und im dritten die Innensanierung folgen", erklärt Harald Schöne.

Ein kostspieliges Unterfangen. Der Turm wurde mit rund 93 000 Euro kalkuliert. "Wir haben Anträge gestellt und Geld gemäß Saatskirchenvertrag bekommen", so Harald Schöne. Mit 46 000 Euro beteiligt sich der Staat, 36 000 Euro brachten der Kirchenkreis Falkensee und die Kirchengemeinde Buchow-Karpzow auf. Und die weltliche Gemeinde Wustermark bewilligte 10 000 Euro. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr weitermachen können", so Schöne, die Anträge auf Zuschüsse seien gestellt. 164 000 Euro werden im zweiten Abschnitt benötigt.

Die Evangelische Kirchengemeinde Buchow-Karpzow hat 120 Mitglieder. Sie können die Gottesdienste in der Kirche besuchen. Dort finden aber auch Konzerte und Lesungen statt. "Eine Kirche ist nach wie vor Mittelpunkt des Dorfes", sagt Schöne. Zu Weihnachten soll der Turm dicht sein, dann werden die Glocken läuten, seit vielen Jahren das erste Mal.

Märkische Allgemeine vom 20. Oktober 2007

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