«Förderkreis Voigt-Orgel zu Kirchhain» aus der Taufe gehoben

Geburtsstunde eines Vereins

Die größte Orgel der «alten» Zeit, vom Altmeister Arno Voigt in den Jahren 1920/21 selbst erbaut, befindet sich in Doberlug-Kirchhain in der Kirchhainer Stadtkirche St. Marien. Nach mehr als acht Jahrzehnten, braucht das Instrument eine «Kur» . Um die Finanzspritze für diese zu organisieren, hat sich am Montagabend der «Förderkreis Voigt-Orgel zu Kirchhain/Niederlausitz» gegründet.

Unter der Leitung von Bernd Heinke gründete sich bereits vor vier Jahren eine Initiativgruppe, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Gelder für die Restauration der Orgel zu organisieren. Ein Orgelfonds wurde eingerichtet. Im ersten Jahr konnten 1100 Euro zusammengetragen werden. Die Summe ist bis heute auf etwa 13 000 Euro angewachsen. Doch nach Angaben des Orgelsachverständigen Albrecht Bönisch werden insgesamt etwa 140 000 Euro benötigt. «Das ist eine Summe, die eine Initiativgruppe in Jahren nicht aufbringen kann» , sagt Bernd Heinke. Ein eingetragener Verein habe da schon mehr Möglichkeiten. Beispielsweise könnte dieser Förderprogramme anzapfen, die Mittel versprechen, um wertvolle Kulturdenkmäler zu erhalten und zu restaurieren.

Und so fand sich Montagabend eine kleine Heerschar an Enthusiasten um Bernd Heinke, Sabine Huber und Petra Herkner im Kirchhainer Gemeindezentrum zusammen, um einen Verein zu gründen, der die größte deutsche Voigt-Orgel retten soll. «Ziele des Vereins sind» , erklärt Heinke, «die Restaurierung, der Erhalt und die Pflege der historisch wertvollen Voigt-Orgel.» Durch eine größere Öffentlichkeitsarbeit, der Vergrößerung des Bekanntheitsgrades der Orgel und ihrer Wertschätzung als herausragendes Kulturerbe, mit der Unterstützung und Organisation öffentlicher Veranstaltungen und durch Einwerben von Spenden und anderen Zuwendungen solle dies erreicht werden.

Die Geburtsstunde des Vereins «Förderkreis Voigt-Orgel zu Kirchhain/Niederlausitz» , der auch im Vereinsregister eingetragen werden soll, hatte am Montagabend Punkt 20 Uhr geschlagen. «Nicht nur für die Stadt, für die Kirche und für die Orgel ist dies ein ganz großer Moment, sondern auch für mich persönlich» , sagte Orgelbaumeister Dieter Voigt, Enkel des Kirchhainer Orgelschöpfers Arno Voigt. «Gerade diese Orgel war und ist in unserer Familie immer ein Thema, weil sie eben die größte aus der alten Zeit ist.» Er freue sich riesig darüber, dass die Arbeit zum Erhalt jetzt ganz klare Konturen bekommen habe. «Ich versichere hier und an dieser Stelle, ich werde den Verein nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen und das in fachlicher Sicht und in der Vereinsarbeit.» Dieter Voigt selbst leitet übrigens mit großem Erfolg den Förderverein Evangelische St. Nikolai-Kirche in Bad Liebenwerda.

Der Vereinsvorstand

Zwölf Mitglieder haben sich in die Gründungsliste des Vereins «Förderkreis Voigt-Orgel zu Kirchhain/Niederlausitz» eingetragen. Sie votierten einstimmig für Bernd Heinke als Vorsitzenden. Carsten Schwarze wurde stellvertretender Vorsitzender. Petra Herkner nahm die Wahl zur Schriftführerin an. Und «mit Gottes Hilfe» will Carsten Wilde das Amt des Kassenwartes ausfüllen.

Hintergrund Aus der Geschichte

Im Jahr 1855 tat Christian Friedrich Raspe in Bad Liebenwerda erstmals öffentlich kund, dass er als Meister seines Faches, eine Orgel zum Verkauf anzubieten hätte. Damit legte er den Grundstein für die moderne Orgelbautradition in der Region zwischen Elbe und Elster. Arno Voigt übernahm das Geschäft, und seine Enkel und Urenkel bauen heute noch diese Instrumente – in der Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt GmbH.

Lausitzer Rundschau vom 11. Oktober 2007

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